Im Kampf gegen Gianni Infantino:Treffen in Berlin: Wie geschlossen ist die UEFA?
von Christoph Schneider, Berlin
Die Chefs der UEFA-Mitgliedsverbände sind in Berlin zusammengekommen - dabei geht es auch um die Aufstellung der Europäer vor der Neuwahl eines FIFA-Präsidenten im kommenden März.
Wie einig ist die UEFA um DFB-Präsident Bernd Neuendorf und UEFA-Präsident Aleksander Ceferin?
Quelle: Marijan Murat / dpaNicht mal ein Bild vorfahrender Limousinen bekommen die zahlreichen Kamerateams vor dem noblen Ritz-Carlton Hotel in Berlin zu sehen. Die Europäische Fußballunion, UEFA, gibt sich reichlich bedeckt vor ihrem Treffen. Denn die meisten der 55 Verbandsvertreter nebst ihrer Generalsekretäre sind bereits am Vorabend angekommen. Bei herrlichen spätsommerlichen Temperaturen.
Das Wetter heute passt zu den zu besprechenden Themen - wechselhaft und kühl ist es, die Temperaturen sind in der Nacht deutlich gefallen. Irgendwie so auch die Stimmung bei den Beteiligten vorab. Ein Verbandsvertreter aber kommt noch - mit Limousine und einer Botschaft, Hans-Joachim Watzke, DFB-Vizepräsident und Ligapräsident.
Die UEFA macht weiter Druck auf FIFA-Präsident Gianni Infantino - und sucht nach einer Strategie für dessen Ablösung. Für dieses Vorhaben braucht es aber einen Gegenkandidaten.
08.10.2026 | 2:54 minDie Frage aller Fragen rufen ihm die Journalisten zu, wie es denn in der Causa Infantino weitergehen soll. "Ich bin kein Papagei, ich habe es die letzten Wochen oft genug gesagt", zuletzt seien "so viele Fehler passiert, vom Friedenspreis über das Balogun-Thema bis hin zu der Investorengeschichte als Gipfel", so Watzke.
Watzke: "Haben eine klare Meinung als DFB"
Und: "Wir haben eine klare Meinung als DFB", sagte Watzke. Sprachs und verschwand in der Hotellobby.
Die Meinung des DFB, die hat DFB-Präsident Bernd Neuendorf jüngst dem "Tagesspiegel" gegenüber geäußert. Einstimmig habe man sich im DFB-Vorstand dafür entschieden, den bisherigen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino "im März beim FIFA-Kongress nicht wiederzuwählen".
Denn "Gianni Infantino hat nach den Vorgängen während und nach der letzten WM jegliches Vertrauen verspielt. Wir müssen ihn vom Platz stellen", so der DFB-Präsident.
FIFA-Präsident Gianni Infantino galt als unangreifbar. Doch ein gescheitertes Milliardenprojekt ohne frühe Einbindung wichtiger Gremien entfacht einen Machtkampf, der ihn das Amt kosten könnte.
17.09.2026 | 11:40 minUEFA drohte mit WM-Boykott
Doch dafür muss bis zum 18. November eine personelle Alternative gefunden werden. Und: Die Reihen innerhalb der UEFA sollten geschlossen sein. Die Kritik an dem Verkauf von Teilen der WM-Rechte, die FIFA-Präsident Infantino quasi im Alleingang allen 211 Mitgliedsverbänden der FIFA kurz nach der WM vorschlug, war seitens der UEFA klar und deutlich - sie lehnten die Pläne nicht nur geschlossen ab, sondern drohten gar mit einem WM-Boykott.
Und: Nicht nur die UEFA, sondern auch der CONCACAF (Verbände Nord- und Mittelamerika), sowie der AFC (Asien) kritisierten die Investorenpläne, so dass Infantino diese zurücknahm.
Inzwischen gibt sich der 56-jährige FIFA-Boss gesprächsbereiter, zeigte Reformbereitschaft und stellte auch Zahlungen aus Rücklagen der FIFA an die einzelnen Verbände in Aussicht.
Die UEFA will den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino verklagen. Wegen des WM-Investorendeals bereitet sie ein Strafverfahren wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung vor.
27.08.2026 | 0:22 minLettland hat sich zu Infantino bekannt
Diese Offensive des FIFA-Präsidenten, sie findet nach und nach mehr Gefallen. Auch bei europäischen Verbänden: So hat sich jüngst Lettland für eine weitere Amtszeit von Gianni Infantino ausgesprochen.
Auch Aserbaidschan hat sich pro Infantino geäußert. Und zuletzt wurde der FIFA-Präsident in Tschechien empfangen. Und auch beim AFC sind längst nicht mehr alle gegen eine weitere Amtszeit von Gianni Infantino. Die WM-Gastgeber von 2022, Katar, und von 2034, Saudi-Arabien, stellen sich ausdrücklich hinter Infantino.
Und CAF (Afrika) und CONMEBOL (Südamerika) stehen nach wie vor geschlossen hinter Infantino. Umso wichtiger für die UEFA ist jetzt ein geschlossenes Auftreten. Und ein dann geeigneter Gegenkandidat, der weltweit Zustimmung finden muss.