FIFA-Rat in Zürich: Infantinos Kritiker bleiben beharrlich

Druck auf Infantino bleibt hoch:FIFA-Zoff in Zürich: Wer gewinnt den Machtkampf?

von Christoph Schneider, Zürich

|

Nach der WM und den gescheiterten Investorenplänen kommt der FIFA-Rat in Zürich zusammen. Die Kritik der UEFA an FIFA-Boss Infantino bleibt.

Gianni Infantino

Noch immer muss sich FIFA-Präsident Gianni Infantino wegen seiner umstrittenen WM-Investorenpläne rechtfertigen. Heute vor dem FIFA Council in Zürich. Ausgang: unklar.

15.10.2026 | 1:03 min

Es ist ein über viele Stunden ziemlich nebliger, kalter und trüber Tag in Zürich. Irgendwie mystisch finden Kollegen. Vielleicht auch ein Bild für das, was heute im FIFA-Council besprochen wird. Es gibt eine Tagesordnung mit acht Punkten. Zwei fallen besonders auf. Die eher am Ende stehen. Und die für Diskussionen sorgen werden.

Einmal geht es um FIFA Forward Enterprises, kurz FFE. Das war die Gesellschaft, die FIFA-Präsident Gianni Infantino gründen wollte, um Teile der Vermarktungsrechte an Fußballweltmeisterschaften an private Investoren veräußern zu können.

Infantino für Investorenpläne scharf kritisiert

Bekanntlich hatten diese Pläne nach dem Bekanntwerden kurz nach einer für die FIFA finanziell äußerst erfolgreichen WM in den USA, Mexiko und Kanada einen weltweiten Orkan der Entrüstung ausgelöst.

Korrespondent Christoph Schneider aus Zürich im Schaltgespräch mit Moderator Ralph Szepanski

UEFA-Vertreter treffen FIFA-Chef Infantino in Zürich. Korrespondent Christoph Schneider spricht mit Ralph Szepanski über die Themen des Zusammentreffens und über die Personalie Gianni Infantino.

15.10.2026 | 1:05 min

In großer Einmütigkeit kritisierten von sechs gleich drei Kontinentalverbände, der Asiatische Fußball-Verband AFC, die Verbände Nord- und Mittelamerikas, CONCACAF und die Europäische Fußball Union UEFA, diese Pläne scharf, forderten den FIFA-Präsidenten zur sofortigen Rücknahme auf.

Und die UEFA drohte gar mit einem Boykott kommender Weltmeisterschaften, sollte das Vorhaben nicht zurückgenommen werden. Bekanntlich wurde es dann auch ad acta gelegt. Doch wie kam es eigentlich dazu, wer hat dazu mit wem gesprochen? Richtig aufgeklärt wurde das bislang nicht.

FIFA-Präsident lässt sich Zeit mit den Antworten

Auch heute nicht. Antworten will der FIFA-Präsident bis zur nächsten FIFA-Ratssitzung am 16. Dezember in Doha. Für die UEFA-Mitglieder im FIFA-Rat, allen voran UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin und DFB-Präsident Bernd Neuendorf, reicht das nicht aus.

FIFA-Sitzung in Zürich

UEFA-Vertreter treffen FIFA-Chef Infantino in Zürich. Dabei sprechen sie über Reformen und den umstrittene FIFA-Friedenspreis für US-Präsident Trump. Zudem fordern sie Infantinos Rücktritt.

15.10.2026 | 0:25 min

Neuendorf nach der fast vierstündigen Sitzung: "Wir haben sehr viele kritische Fragen gestellt, befriedigende Antworten hat es aus meiner Sicht nicht gegeben." Die Konsequenz für ihn, wie für die englische Verbandspräsidentin und FIFA-Ratsmitglied Debbie Hewitt: Infantino ist nicht der Richtige an der Spitze der FIFA, man habe das Vertrauen komplett verloren.

Ein anderes Thema ist der FIFA-Friedenspreis - das hat der DFB-Präsident auf die Tagesordnung setzen lassen. Erstmals wurde er im vergangenen Jahr auf Betreiben des FIFA-Präsidenten eingeführt und sogleich verliehen: an US-Präsident Donald Trump.

Viele Fragen zum FIFA-Friedenspreis

Wie kam es genau zu dieser Auswahl, wer hat am Ende darüber entschieden und wie geht es mit dem Preis weiter, das sind die drängenden Fragen. Denn der Friedenspreis des Weltfußballverbandes soll ja jedes Jahr neu verliehen werden - an Personen, "die sich besonders für die Wahrung des Friedens einsetzen und damit Menschen auf der ganzen Welt zusammenbringen", so die FIFA.

Fotomontage: FIFA-Präsident Gianni Infantino im dunklen Anzug, eine Hand ans Ohr gelegt, vor einer Collage aus Euro-Banknoten. Im Vordergrund ist teilweise ein Fußball mit FIFA-Aufdruck zu sehen. Das Bild ist mit halbtransparenten weißen, blauen und roten Grafikelementen sowie einem feinen Raster überlagert und erhält dadurch ein modernes, redaktionelles Erscheinungsbild.

FIFA-Präsident Gianni Infantino galt als unangreifbar. Doch ein gescheitertes Milliardenprojekt ohne frühe Einbindung wichtiger Gremien entfacht einen Machtkampf, der ihn das Amt kosten könnte.

17.09.2026 | 11:40 min

Auch dazu heute keine Antworten - die soll es auch bis zur nächsten Ratssitzung geben.

Aber: Ob die kritischen Europäer auch weltweit mit ihrer Kritik durchdringen können ist offen. Denn nach dem Treffen kommen nicht nur Hewitt und Neuendorf vor die Mikros, sondern auch der mauretanische Fußballpräsident und FIFA-Ratsmitglied Ahmed Yahya.

Die Stimmung im FIFA-Rat ist kalt

Und der sagt: "Es gibt kein Verbot, Kandidaten aufzustellen. Die Fristen sind festgelegt. Wir haben bis zum 18. November Zeit, um zu sehen, ob es einen Kandidaten gibt oder nicht. Das ist Demokratie bei der FIFA. Aber wie Sie auch sehen, unterstützt die Mehrheit der Verbände weltweit sowie die Konföderationen Präsident Gianni Infantino."

Aleksander Ceferin

Die UEFA ist nach dem Treffen in Berlin weiter auf der Suche nach einem Gegner für FIFA-Präsident Infantino. Ceferin will UEFA-Präsident bleiben.

08.10.2026 | 0:48 min

Ein Argument ist sicher auch, dass das FIFA-Oberhaupt weitere Milliarden an die 211 Verbände verteilen will - ein sehr warmer Regen, unter den sich sehr viele Verbände gerne stellen.

Viel wird darauf ankommen, wen die UEFA als anderen Kandidaten möglicherweise ins Rennen schicken wird. Der muss dann weltweit ankommen, nicht nur in Europa. Am Ende dieses langen Tages in der FIFA-Zentrale in Zürich strahlt herbstliche Sonne. Doch das Klima im FIFA-Rat - es ist seit heute ziemlich kalt.

TV-Kameramann beim Fußballspiel

ZDFsportstudio Update:Dein ZDFsportstudio Newsletter

Alle Highlights aus Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal und die wichtigsten Nachrichten aus dem Sport.
Mit dem Abonnieren-Button akzeptieren Sie unsere Nutzungsbedingungen.
Über dieses Thema berichtete das ZDF am 15.10.2026 im gemeinsamen Morgenmagazin mit der ARD ab 05:30.

Nations League - Highlights

Bundesliga-Highlights

2. Liga - Highlights

Mehr Fußball

Champions League - Highlights

DFB-Pokal - Highlights

Alle Bolzplatz-Folgen