FIFA-Gipfel in Zürich:Infantino-Kritiker halten an Rücktrittsforderung fest
Trotz Entschuldigung bleiben Europas Fußballfunktionäre bei ihrer Rücktrittsforderung an Gianni Infantino. DFB-Chef Neuendorf findet deutliche Worte.
UEFA-Vertreter treffen FIFA-Chef Infantino in Zürich. Dabei sprechen sie über Reformen und den umstrittene FIFA-Friedenspreis für US-Präsident Trump. Zudem fordern sie Infantinos Rücktritt.
15.10.2026 | 0:25 minEuropas Fußball-Funktionäre um DFB-Chef Bernd Neuendorf halten auch nach einer Entschuldigung von Gianni Infantino bei der Sitzung des FIFA-Councils an ihrer Rücktrittsforderung an den Präsidenten des Fußball-Weltverbandes fest. "Wir haben sehr viele kritische Fragen gestellt, befriedigende Antworten hat es aus meiner Sicht nicht gegeben", sagte Neuendorf nach dem mehr als dreieinhalbstündigen Meeting in Zürich.
Die Council-Sitzung war die erste Zusammenkunft von Infantino mit seinen Kontrahenten nach dessen massiv umstrittener Idee für einen WM-Investorenplan im Sommer. Infantino habe bei der Sitzung zugehört und eine Beantwortung zu allen Themen zugesagt, berichtete die englische FIFA-Vizepräsidentin Debbie Hewitt.
UEFA-Vertreter treffen FIFA-Chef Infantino in Zürich. Korrespondent Christoph Schneider spricht mit Ralph Szepanski über die Themen des Zusammentreffens und die Personalie Gianni Infantino.
15.10.2026 | 1:05 minEin Zeitrahmen für die Antworten wurde allerdings von Infantino nicht gegeben. Die Ergebnisse seien "dünn", sagte Neuendorf.
Gegenkandidat wird weiter gesucht
Bis zum 18. November müssen die Europäer einen möglichen Gegenkandidaten für die kommende FIFA-Präsidentschaftswahl im März 2027 aufstellen, der Infantino herausfordern soll. "Wie gesagt, das Vertrauen in ihn ist verloren", sagte Neuendorf.
Es müssen jetzt neue Leute neue Ideen entwickeln, wie wir diese Organisation, die ja extrem wichtig ist für den Weltfußball, auf seriöse Beine stellen.
Bernd Neuendorf, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes
Beschlossen wurde die Bildung einer Arbeitsgruppe unter der Leitung von FIFA-Vizepräsident Scheich Salman Bin Ebrahim al Khalifa. Sie soll die Governancestruktur des Weltverbandes neu ordnen, damit künftig Alleingänge bei wichtigen Projekten wie von Infantino bei den WM-Investorenplänen nicht mehr möglich sind.
Friedenspreis auf Prüfstand
Bis zur nächsten Council-Sitzung am 16. Dezember in Doha soll zudem eine Entscheidung über die Zukunft des FIFA-Friedenspreises fallen, den Infantino im Vorjahr auf groteske Weise an US-Präsident Donald Trump verliehen hatte.
US-Präsident Trump erhielt im Rahmen der Auslosung für die WM 2026 einen Friedenspreis. Kritiker werfen dem Fußball-Weltverband vor, die Auszeichnung sei für Trump ins Leben gerufen worden.
05.12.2025 | 0:28 minAuf den Weg gebracht wurde die Erhöhung der jährlichen Zuschüsse an alle 211 nationalen Fußball-Verbände von rund zehn auf etwa 25 Millionen Dollar - ein Vorschlag, den Infantino kurz vor der Sitzung eingebracht hatte.
Verworfen wurde laut Hewitt der Vorschlag einer Neureglung bei der Bestrafung von Roten Karten. Nach dem WM-Wirbel um die Aufhebung der Sperre für US-Spieler Folarin Balogun - angeblich auf Intervention von Trump und Infantino - sollte es künftig keine Einspruchsmöglichkeiten gegen die Mindeststrafe von einem Spiel mehr geben.
FIFA-Präsident Gianni Infantino galt als unangreifbar. Doch ein gescheitertes Milliardenprojekt ohne frühe Einbindung wichtiger Gremien entfacht einen Machtkampf, der ihn das Amt kosten könnte.
17.09.2026 | 11:40 min