DFB setzt auf eigenen Weg:Enteilt die Konkurrenz? U15-WM ohne Deutschland
von Felix Poser
Während Europas Fußball-Elite an der erstmals ausgetragenen U15-WM teilnimmt, schickt der DFB kein Team nach Aserbaidschan. Kluge Entscheidung oder verpasste Chance?
Deutschland nimmt nicht an der U15-WM in Baku teil. Der DFB wolle die Kinder nicht zu früh zu hohen Erwartungen aussetzen. Stattdessen setzt der DFB auf einen eigenen Weg.
23.10.2026 | 0:50 minAlle spielen sie mit bei der U15-Weltmeisterschaft in Aserbaidschan. Insgesamt 189 Länder entsenden ihre Nachwuchsteams zu dem Turnier, das an diesem Samstag beginnt. Darunter auch die WM-Halbfinalisten Spanien, Frankreich, England und Argentinien. Deutschland ist hingegen nicht dabei.
DFB kritisiert Zeitpunkt der U15-WM
Auf ZDF-Anfrage teilt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit, dass sich der Verband bewusst gegen eine Teilnahme entschieden habe. Die Tatsache, dass die FIFA und ihr Präsident Gianni Infantino bei diesem Turnier Russland die Rückkehr auf die Fußball-Weltbühne ermöglichen, führt der DFB allerdings nicht als Motiv an. Ein "wesentlicher Grund" sei der Zeitpunkt der U15-WM, teilt ein DFB-Sprecher mit.
In dieser Altersklasse befinden wir uns zu diesem Zeitpunkt noch in einem fortlaufenden Sichtungs- und Entwicklungsprozess und möchten daher bewusst noch keinen festen Kader für ein internationales Turnier nominieren.
Statement des DFB
DFB will Talente vor Beratern schützen
Der Verband ist der Auffassung, dass internationale Wettbewerbe in diesem Alter nicht sinnvoll seien. "Aus unserer Sicht sollten Talente nicht zu früh den Begleiterscheinungen des professionellen Fußballgeschäfts ausgesetzt werden", sagt ein DFB-Sprecher auf ZDF-Anfrage.
Dazu gehöre unter anderem ein erhöhter Erwartungsdruck, eine frühe öffentliche Bewertung der Leistungen von Kindern sowie ein frühzeitiges Interesse aus dem Berater- und Marktumfeld.
Kennet Eichhorn und Francis Onyeka sowie Mirja Kropp und Maj Schneider sind vom DFB mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold geehrt worden.
15.09.2026 | 1:03 minNeben Deutschland verzichten auch die USA, Nordkorea, Eritrea und Libyen sowie 17 europäische Länder. Darunter ist auch die Schweiz, die "sportliche und technische Gründe" nennt.
DFB-Strategie passt nicht zur Entwicklung in Europas Top-Ligen
Der DFB will nach drei erfolglosen Weltmeisterschaften der A-Nationalmannschaft nicht den Anschluss an die Weltspitze verlieren. Die Strategie des DFB steht jedoch im Widerspruch zur Entwicklung im internationalen Spitzenfußball. Die Karrieren der besten Spieler beginnen mittlerweile immer früher. Frei nach dem Motto: Wer gut genug ist, spielt - auch bei den Profis.
So feierte Spaniens Superstar Lamine Yamal (19) im April 2023 mit gerade einmal 15 Jahren und 290 Tagen sein Debüt für den FC Barcelona.
Für Arsenal spielten gleich zwei Spieler vor ihrem 16. Geburtstag
Diese Entwicklung ist einem Mann, der beim DFB ab dem 1. Januar 2027 unter anderem die Nachwuchsförderung verantwortet, nicht fremd: Per Mertesacker, künftig Sport-Geschäftsführer des Verbandes, leitete bis zum vergangenen Sommer acht Jahre lang die Jugendakademie des FC Arsenal.
Zum Ende wurde es nochmal emotional: Mit warmen Worten und eigenwilligen Geschenken wird der langjährige ZDF-Experte Per Mertesacker von seinen Kollegen verabschiedet.
01.10.2026 | 5:39 minIn enger Zusammenarbeit mit Gunners-Coach Mikel Arteta kamen in seiner Zeit mehrere Spieler vor ihrem 16. Geburtstag zu ihrem Profidebüt. Ethan Nwaneri (aktuell bei Borussia Dortmund) debütierte etwa mit gerade einmal 15 Jahren und 181 Tagen. Max Dowman absolvierte sein erstes Spiel für die Profimannschaft des Londoner Klubs ebenfalls mit 15 Jahren und 235 Tagen.
Auch in Deutschland ist dieser Trend längst angekommen. Am jüngsten war bislang Youssoufa Moukoko, der mit 16 Jahren und einem Tag sein Bundesligadebüt gab.
Viele Kinder hören früh mit dem Fußballspielen auf
Die Probleme in der Nachwuchsförderung beginnen in Deutschland allerdings noch vor dem Sprung in den Profibereich, beobachtet der DFB. Viele junge Spieler hören zwischen der D- und B-Jugend mit dem Fußballspielen auf.
Deutschlands Jugendfußball steckt im Wandel: Immer mehr Kinder hören auf, Vereine kämpfen ums Überleben. Warum verliert Fußball seinen Nachwuchs?
01.06.2026 | 17:22 minUm gegenzusteuern, entwickelte der DFB unter der Leitung von Hannes Wolf eine neue Trainingsphilosophie. Mithilfe kleinerer Spielformen soll jedes Kind häufiger am Ball sein, mehr Entscheidungen treffen und stärker eingebunden werden.
Das soll Kinder im Alter von zwölf bis 15 Jahren in Deutschland zum Fußballspielen motivieren - also die Altersgruppe, die sich bei der U15-WM ab dem Wochenende misst.