Fußball-Talente sollen gefördert werden:Profiklubs gründen Liga für Nachwuchsspieler
von Frank Hellmann
Zu wenig Talente schaffen den Sprung in die Bundesliga. Deshalb gründen die 36 Lizenzvereine am Dienstag eine U21-Liga, um die Durchlässigkeit zu erhöhen.
Vor kurzer Zeit noch in der Hoffenheimer U23, jetzt bei Eintracht Frankfurt: Ayoube Amaimouni Echghouyab (links).
Quelle: ImagoAls sich Julian Nagelsmann und Rudi Völler den Bundesliga-Gipfel zwischen Borussia Dortmund und Bayern München ansahen, dürften Bundestrainer und DFB-Sportdirektor zufrieden gewesen sein. Elf deutsche Spieler in den beiden Startformationen trugen zum hohen Unterhaltungswert bei, darunter standen bei Anpfiff gleich neun aktuelle Nationalspieler auf dem Rasen.
Die Quote beim Bundesliga-Spitzenspiel stimmte also, doch ansonsten läuft in der Liga gerade vieles schief, was die Einsatzzeiten heimischer Akteure angeht. Besonders Besorgnis erregend: die geringe Durchlässigkeit für eigene Talente. Erst kürzlich zählte Marc Lenz aus der Geschäftsführung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) auf, wie schlecht sich die entscheidenden Kennziffern lesen.
Zu wenige Talente schaffen den Sprung
Die in der Bundesliga selbstausgebildeten Spieler kommen nur noch auf 7,5 Prozent der Spielminuten, zwischen 2018 und 2023 schafften lediglich 141 Spieler den Übergang vom Nachwuchs zu den Profis - in der Premier League waren es im selben Zeitraum 332.
"Da dürfen wir gegenüber England nicht schlechter sein", mahnte Lenz kürzlich auf dem Sportbusinesskongress Spobis in Hamburg.
Wenn wir kapitalseitig nicht mithalten können, müssen wir in der Nachwuchsentwicklung sportlich top sein.
Marc Lenz aus der DFL-Geschäftsführung
Das kann Deutschland schon lange nicht mehr behaupten. England, Frankreich und Spanien bringen deutlich mehr Perspektivspieler über die Nachwuchszentren heraus, auch Nationen wie Portugal und Niederlande sind als Talentquelle teils viel besser.
Neue Liga soll am Dienstag gegründet werden
Für DFB-Sportgeschäftsführer Andreas Rettig schrillen die Alarmglocken: "Make or Buy (Machen oder kaufen, Anm. d. Red.) ist auch im Fußball die entscheidende Frage. Und wir müssen im Make deutlich besser werden." Sowohl die DFL als auch der DFB haben sich im Austausch mit den Klubs darauf verständigt, dass bei der DFL-Mitgliederversammlung am heutigen Dienstag endlich gehandelt wird.
Dem deutschen Fußball mangelt es trotz Erfolgen an Nachwuchs. Könnte eine eigene U21-Liga wie in England das Problem lösen? DFB-Geschäftsführer Rettig im Bolzplatz über Strategien des Verbandes.
18.09.2025 | 14:39 minDie 36 Lizenzvereine werden eine U21-Nachwuchsliga ins Leben rufen, um für mehr Spielpraxis zu sorgen. Die Pflöcke sind hinter den Kulissen längst eingeschlagen, da die Teilnahme für die Klubs freiwillig ist.
Während die TSG Hoffenheim und der VfB Stuttgart beispielsweise eine U23 in der 3. Liga unterhalten, bei der es ausgiebig Spielpraxis für die jüngeren Jahrgänge gibt, besitzen Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg gar keine zweite Mannschaft mehr.
Krösche: "Bilden zu schlecht aus"
Eintracht Frankfurt hatte ein solches Team lange abgemeldet, ehe Sportvorstand Markus Krösche erst vor vier Jahren wieder eine U21 ins Leben rief, die aktuell in der Hessenliga antritt.
Für ihn steht fest: "Wir bilden einfach zu schlecht aus, das ist der Kern unseres Problems. Es ist ein viel zu kleiner Pool, mit dem wir arbeiten." Es werde selbst für die Zweitligisten "extrem dünn", wenn sie deutsche Spieler verpflichten möchten.
Der deutsche Fußball hat ein Nachwuchsproblem. Viele Talente schaffen nicht den Sprung nach oben.
30.11.2023 | 14:54 minKrösche gehörte zu der im Herbst 2025 gegründeten DFL-Expertengruppe, die sich auf den Start der U21-Liga bereits zur Saison 2026/27 geeinigt hat. Beteiligt waren auch Jürgen Klopp als Chef aus dem Red-Bull-Kosmos und Weltmeister Sami Khedira als externer Experte.
Kosten sollen gering bleiben
Einen weiteren Aufschub kann es nach Meinung von Krösche nicht geben. "Wir haben genügend Studien aufgestellt, Debatten geführt, der ganze Krempel - es hilft nichts, wenn wir nicht ins Machen kommen."
Die Regularien für die U21-Liga sehen eine hohe Flexibilität vor. So wird anfänglich unter Ausschluss der Öffentlichkeit gespielt. Auswechslungen sollen unbegrenzt möglich sein, die Spielzeiten variabel sein.
Um die Reisen zu begrenzen, sind neutrale Spielorte möglich, damit die Spiele im Umkreis von maximal 250 Kilometern stattfinden. Bis zu vier ältere Profis pro Team sollen zugelassen werden, um beispielsweise Rückkehrern aus Verletzungspausen Einsatzzeit zu geben. Die Kader werden kurzfristig benannt.
Den Abschluss des in zwei Phasen aufgegliederten Wettbewerbs mit je sechs Begegnungen soll ein Final‑Four‑Turnier bilden. Nur dieses Turnier, deutete DFL-Geschäftsführer Marc Lenz an, könne auch in die Fernsehvermarktung gehen.
Für Lenz geht es nicht um den "dritten, vierten Hochglanzwettbewerb", der möglichst viel Geld bringen soll. Einzig und allein die Spielpraxis jener jungen Akteure soll im Vordergrund stehen, die es in den aufgeblähten Kadern ansonsten schwer haben, aus ausreichend Spielminuten zu kommen. Die DFL will der U21-Liga einen flexiblen Rahmen verpassen, um die Kosten pro Klub bei rund 30.000 Euro zu deckeln.
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