Reformen bei der FIFA:Infantino zeigt sich gesprächsbereit
Gianni Infantino gibt seine Blockadehaltung auf: Der FIFA-Präsident zeigt sich erstmals offen für Reformen im Fußball-Weltverband.
FIFA Präsident Gianni Infantino ist in Zugzwang.
Quelle: Imago / Joerdan SteinsiekFIFA-Präsident Gianni Infantino hat auf die andauernde Kritik an seinem Führungsstil reagiert und seinen Gegnern erstmals Gespräche über mögliche Reformen im Fußball-Weltverband angeboten.
Der Schweizer kündigte in einem Brief an die Chefs der 211 Mitgliedsverbände und die Mitglieder des FIFA-Councils, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, eine unabhängige externe Überprüfung der FIFA-Governance sowie Konsultationen über eine Stärkung der Entscheidungsprozesse an, einschließlich der Rolle des Präsidenten.
FIFA-Präsident Gianni Infantino galt als unangreifbar. Doch ein gescheitertes Milliardenprojekt ohne frühe Einbindung wichtiger Gremien entfacht einen Machtkampf, der ihn das Amt kosten könnte.
17.09.2026 | 11:40 min"Erstens werde ich den FIFA-Rat fragen, ob er eine unabhängige externe Untersuchung des derzeitigen Governance-Systems der FIFA für große strategische Projekte in Auftrag geben möchte. Zweitens möchte ich vorschlagen, dass der Rat eine direkte, strukturierte und zeitlich begrenzte Konsultation mit Konföderationen, Mitgliedsverbänden und relevanten Interessengruppen durchführt", schreibt Infantino auf Englisch an die Fußball-Funktionäre weltweit.
Dabei solle "diskutiert werden, wie die Entscheidungsprozesse der FIFA weiter verbessert werden können", versichert der 56-Jährige, der nach einem Vorstoß zur Vermarktung der WM-Rechte durch externe Investoren im Sommer massiv unter Druck steht. Konkret bietet Infantino an, darüber zu diskutieren, wie die FIFA-Institutionen früher in große Projekte einbezogen werden können und welche Rolle dabei auch der FIFA-Präsident künftig haben soll.
Infantino: Kein Verzicht auf erneute Kandidatur
Infantino machte gleichzeitig klar, dass er die FIFA weiter anführen will. Von einem Verzicht auf eine Kandidatur für eine vierte Amtszeit beim Kongress im März 2027 ist nicht die Rede. Diesen fordern seine Kritiker um UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin. Auch der Deutsche Fußball-Bund um DFB-Chef Bernd Neuendorf, der auch im FIFA-Council sitzt, hat sich klar gegen Infantino positioniert. Eine Reaktion der Infantino-Gegner auf den Brief gab es bislang nicht.
Die UEFA will den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino verklagen. Wegen des WM-Investorendeals bereitet sie ein Strafverfahren wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung vor.
27.08.2026 | 0:22 min"Ich bleibe voll und ganz dazu verpflichtet, die FIFA zu führen, und bin zuversichtlich, was wir gemeinsam erreichen können. Unsere Verantwortung ist größer als jeder einzelne Vorschlag oder jede Meinungsverschiedenheit. Sie besteht darin, die Unabhängigkeit der FIFA zu schützen, ihre Institutionen zu stärken und sicherzustellen, dass der Fortschritt des Fußballs dem gesamten Fußball zugutekommt, überall auf der Welt", schrieb Infantino.
Vorschläge, die bis zur Sitzung des FIFA-Rates am 15. Oktober eingehen, können dort bereits berücksichtigt werden.
UEFA und CONCACAF gehen in die Opposition
Die Europäische Fußball-Union UEFA und die Fußball-Verbände aus Nord- und Mittelamerika verfolgen seit mehreren Wochen einen harten Oppositionskurs gegen Infantino. Einen Gegenkandidaten für die Präsidentschaftswahlen haben sie aber noch nicht benennen können.
Ende August eskalierte der Streit mit der Androhung eines Strafantrags vor Schweizer Gerichten im Zusammenhang mit den WM-Investorenplänen gegen Infantino. Dafür wurden bei US-Gerichten Informationen über die geplanten Geschäfte angefragt. Seinen Gegnern reichte Infantino nun durch das Schreiben symbolisch die Hand.
Die UEFA hatte nach den FIFA-Investorenplänen mit einem Boykott gedroht. Die U20-Frauen-WM in Polen startet nun am Samstag mit allen Verbänden.
01.09.2026 | 1:43 min"Die Behandlung eines Verbands wird nicht von seiner Position zu einem Vorschlag oder einer institutionellen Angelegenheit abhängen. Ich stehe weiterhin jedem von euch zur Verfügung. Jeder Mitgliedsverband hat das Recht, gehört zu werden. Einigkeit ist keine Voraussetzung für Dialog, und Meinungsverschiedenheiten sollten niemals den gegenseitigen Respekt verhindern", schrieb der Schweizer.
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