Nach Treffen mit Netanjahu:Trump kündigt "Übernahme" von Gazastreifen an
US-Präsident Trump plant, den Gazastreifen unter Kontrolle der USA zu bringen und die Bewohner umzusiedeln. International stößt das Vorhaben auf massive Kritik.
Die USA wollen laut Donald Trump die Kontrolle über den Gazastreifen übernehmen. Nach einem Treffen mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte der US-Präsident:
Die USA werden die Kontrolle über den Gazastreifen übernehmen, und wir werden damit auch gute Arbeit leisten.
Donald Trump, US-Präsident
Die USA würden unter anderem "für die Entfernung aller gefährlichen nicht explodierten Bomben und anderer Waffen in diesem Gebiet verantwortlich sein", führte Trump aus und verkündete seine Vision der "Riviera des Nahen Ostens".
Dabei wiederholte Trump seine frühere Aussage, die rund zwei Millionen Menschen, die dort leben, müssten das Gebiet verlassen - und versuchte, seine Pläne als Sorge um das Wohlergehen der Palästinenser darzustellen.
Man kann jetzt nicht in Gaza leben. Ich denke, wir brauchen einen anderen Ort.
Donald Trump, US-Präsident
US-Präsident Trump will, dass die USA den Gazastreifen kontrollieren und dass die palästinensischen Bewohner umgesiedelt werden. Doch der Vorschlag wird weltweit kritisiert.
06.02.2025 | 2:39 minZDF-Korrespondentin: "Nicht sehr realistisch"
Was Trump als "blumige Version von einem großartigen Frieden für die Region" verkaufe, sei allerdings nicht sehr realistisch, sagt ZDF-Korrespondentin Claudia Bates in Washington. Gleichzeitig habe man den Eindruck, dass Trump die Situation aus der Perspektive des Immobilienentwicklers sehe, der von der Lage des Gazastreifens am Meer und dem guten Wetter schwärme.
Trumps Äußerungen lösten sowohl international als auch in den USA scharfe Kritik aus. Ein solcher Schritt verstoße gegen das Völkerrecht, sagen Experten. Die UN warnten vor einer "ethnischen Säuberung".
Weißes Haus weicht Fragen zu Trumps Gaza-Plänen aus
Unterdessen äußerte sich das Weiße Haus etwas zurückhaltender: Auf die Frage einer Journalistin, ob die US-Regierung bereit sei, die Menschen mit Zwang aus ihrer Heimat zu vertreiben, reagierte Sprecherin Karoline Leavitt am Mittwoch ausweichend.
Sie erklärte, der Präsident sei dazu bereit, "den Gazastreifen für die Palästinenser und alle Menschen in der Region wieder aufzubauen", und sprach von einem nicht bewohnbaren "Abrissgelände". Sie betonte erneut, Ägypten und Jordanien müssten dafür palästinensische Flüchtlinge "vorübergehend" aufnehmen.
ZDFheute Infografik
Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.
Trump schließt Entsendung von US-Truppen nicht aus
Die Entscheidung, den Gazastreifen "übernehmen" zu wollen, sei "nicht leichtfertig" getroffen worden, hatte der US-Präsident erklärt. Er erwarte aber, dass die Inbesitznahme durch die USA "langfristig" sei.
Dazu schloss er eine Entsendung von US-Soldaten nicht aus. "Wir werden tun, was notwendig ist", entgegnete er auf die Frage eines Journalisten, ob er Truppen in den Gazastreifen schicken werde, um das Sicherheitsvakuum zu füllen.
Durch die Übernahme der USA sollen laut Trump "eine unbegrenzte Anzahl von Jobs und Wohnraum für die Menschen in diesem Gebiet" geschaffen werden. Den Gazastreifen selbst bezeichnete Trump nach gut 15 Monaten Krieg zwischen Israel und der Hamas als "elendes Loch".
Weißes Haus: Gaza-Wiederaufbau ohne US-Steuergelder
Sprecherin Leavitt sagte, die USA würden aber nicht für den Wiederaufbau des Gazastreifens zahlen. Trumps Plan bedeute "nicht, dass die amerikanischen Steuerzahler diese Bemühungen finanzieren werden".
Es bedeutet, dass Donald Trump - der beste Geschäftemacher der Welt - entsprechende Vereinbarungen mit Partnern in der Region treffen wird.
Karoline Leavitt, Sprecherin des Weißen Hauses
UN mahnen: Völkerrecht beachten
Weltweit stießen Trumps Pläne auf Empörung und Ablehnung. "Jede Zwangsvertreibung von Menschen kommt einer ethnischen Säuberung gleich", sagte der Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres, Stéphane Dujarric. Man dürfe "bei der Suche nach Lösungen das Problem nicht verschlimmern", zitierte Dujarric zudem aus einer Rede, die Guterres später am Tag halten sollte. "Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir den Grundfesten des Völkerrechts treu bleiben." Man halte an der Zweistaatenlösung fest.
Eine zwangsweise Umsiedlung der gut zwei Millionen Bewohner des Gazastreifens ist mit internationalem Recht nicht vereinbar. Es gibt Ausnahmen - die allerdings in Bezug auf den Gazastreifen kaum zutreffen dürften. Relevant ist Regel 129 des internationalen Völkergewohnheitsrechts. Vom Deutschen Roten Kreuz gibt es eine Übersetzung der in der Rechtsdatenbank des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) hinterlegten englischen Texte, und da heißt es wörtlich:
"Die an einem internationalen bewaffneten Konflikt beteiligten Parteien dürfen die Zivilbevölkerung eines besetzten Gebiets, in ihrer Gesamtheit oder teilweise, nicht verschleppen oder zwangsweise überführen, sofern dies nicht im Hinblick auf die Sicherheit der betroffenen Zivilpersonen oder aus zwingenden militärischen Gründen geboten ist."
Das Völkergewohnheitsrecht ist nach IKRK-Erläuterungen genauso wie die vier Genfer Konventionen von 1949 zum Schutz von Verwundeten, Kriegsgefangenen und Zivilisten Teil des Völkerrechts. "Völkergewohnheitsrecht (...) leitet sich aus einer "als Recht anerkannten allgemeinen Praxis" ab. Eine solche Praxis ist in offiziellen Berichten über Militäroperationen zu finden, widerspiegelt sich aber auch in verschiedenen anderen offiziellen Dokumenten, darunter Militärhandbüchern, nationalen Gesetzgebungen und Fallrecht." (Quelle: dpa)
Die Arabische Liga sprach von einem "Rezept für Instabilität". Die Türkei nannte den Plan "inakzeptabel". Die Nachbarländer Jordanien und Ägypten lehnten eine Aufnahme von Palästinensern aus dem Gazastreifen kategorisch ab. Die islamistische Hamas nannte Trumps Vorhaben "rassistisch". In Saudi-Arabien erklärte das Außenministerium, dass das Königreich eine Normalisierung seiner Beziehungen zu Israel von der Gründung "eines unabhängigen palästinensischen Staates mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt" abhängig mache.
US-Demokrat: Trump "total durchgedreht"
Auch in Europa gab es Kritik. Europaparlaments-Präsidentin Roberta Metsola sagte dem "Handelsblatt", Trumps Vorstoß drohe "die seit langem bestehenden Konflikte in der Region weiter anzuheizen". "Gaza gehört - ebenso wie die Westbank und Ostjerusalem - den Palästinenserinnen und Palästinensern", betonte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne). Die dortige Bevölkerung bilde "den Ausgangspunkt für einen künftigen Staat Palästina".
Auch bei den oppositionellen US-Demokraten stießen Trumps Ankündigungen auf vehemente Kritik. "Er ist total durchgedreht", schrieb der Senator Chris Murphy im Onlinedienst X. Trump zeigte sich unbeeindruckt von der breiten Kritik an seinem Vorhaben. "Alle lieben ihn", sagte er am Mittwoch zu Journalisten im Weißen Haus über seinen Plan.
Mehr Nachrichten zu Donald Trump
Waffenstillstand verletzt:US-Marine entert iranischen Frachter: Regime will Vergeltung
mit Video1:36- Liveblog
Aktuelle Entwicklungen der Eskalation:Iran-Krieg: Alle Nachrichten im Liveblog
Gespräche in Islamabad:Trump verkündet neue Gespräche - Iran lehnt Teilnahme wohl ab
mit Video13:33Nachrichten | heute 19:00 Uhr:Trump will neue Verhandlungen mit Iran
von Christoph DestairelVideo1:36- Interview
Experte zur Hormus-Blockade:Schindler: "Das iranische Regime spielt mit der Weltwirtschaft"
mit Video13:33 US-Delegation vor Pakistan-Reise:Iran-Krieg: Trump kündigt neue Gespräche an
Video0:24Nach versöhnlichen Worten aus Rom:Papst-Klarstellung: Vizepräsident Vance dankt Leo XIV.
mit Video0:20Nach Streit mit US-Präsidenten:Papst bemüht um Deeskalation mit Trump
Video0:20Nachrichten | heute journal:USA und Iran "stark unter Stress"
Video2:49Bemühung um Deeskalation:Papst Leo: Kein Interesse an Streit mit Trump
Video0:23Nachrichten | Nachrichten in Bildern:"Untergräbt Trumps Glaubwürdigkeit stark"
Video2:27Nachrichten | heute 19:00 Uhr:Iran blockiert Straße von Hormus erneut
von Christoph DestairelVideo1:42Aussagen während Afrika-Reise:Papst Leo beschwichtigt im Streit mit US-Präsident Trump
mit Video0:23- FAQ
Teheran schließt Schiffsroute wieder:Trump zu Hormus-Schließung: Iran kann USA "nicht erpressen"
mit Video1:52 Iran-Krieg:Iran sperrt Straße von Hormus
Video0:27Iran-Krieg:Blockade iranischer Häfen soll bleiben
Video0:26Weil USA Teherans Häfen blockieren :Straße von Hormus: Iran macht Öffnung wieder rückgängig
mit Video0:26"Mythos" spürt Sicherheitslücken auf:Kehrtwende: US-Regierung trifft Anthropic - wegen Hacker-KI
mit Video0:48Verhandlungen im Iran-Krieg:Iran verkündet Hormus-Öffnung - Ölpreis sinkt, Kurse steigen
mit Video1:26- Faktencheck
Gebet des Verteidigungsministers:Hat Pete Hegseth versehentlich Pulp Fiction zitiert?
von Jan Schneidermit Video2:00 Signale von Trump:Iran: Hoffnung auf Kriegsende - Bundeswehr nach Hormus?
mit Video2:26Trump hatte Waffenruhe verkündet:Feuerpause: Libanon wirft Israel Verstoß vor
Video0:27Während Kamerun-Besuch:Papst Leo XIV kritisiert Kriegstreiberei
Video0:22Zehn Tage ab heute:Trump: Israel und Libanon einigen sich auf Feuerpause
mit Video3:27Krieg zwischen USA und Iran:Iran-Krieg: Pakistan bemüht sich weiter um Verhandlungen
mit Video0:24Trump kündigt Treffen an:Spitzengespräch zwischen Israel und Libanon geplant?
mit Video0:24Gespräch wohl auf höchster Ebene:Israel und Libanon: Trump kündigt Treffen an
Video0:24US-Präsident kritisiert Leo XIV.:Wie gefährlich wird der Papst-Streit für Donald Trump?
von Jan Fritschemit Video2:27- Analyse
Streit zwischen Papst und US-Präsident:Leo XIV.: Ein unterschätzter mächtiger Mann ohne Truppen
von Jürgen Erbachermit Video33:15 Rücktritt des Präsidenten gefordert:Magyar: Medienlandschaft soll umgekrempelt werden
mit Video1:06"Kann bitte jemand Papst Leo sagen...":Streit mit dem Papst: Trump legt nach
Nachrichten | ZDF-Morgenmagazin:Trump greift Papst an und erntet Kritik
Video2:36Nachrichten | heute 19:00 Uhr:"Erwartungen letztlich gering"
Video1:14USA sperren Hormus-Straße:"Für China ist das ein ernster Konflikt"
Video7:28US-Militär geht gegen Schiffe vor:Straße von Hormus: Wo die USA blockieren
Video10:29Trumps Jesus-Bild und Kritik am Past:Warum Meloni und Trump keine Freunde mehr sind
Barbara Lueg, Rommit Video2:09Kritik von Republikanern und Meloni:Warum selbst Trump-Fans nach seinem Jesus-Bild sauer sind
mit Video2:39- FAQ
Straße von Hormus:US-Blockade folgt auf Iran-Blockade: Was soll das bringen?
mit Video29:26