Präsidenten unter Druck:Trump und Putin: Risse in den Systemen?
von Narîn Şevîn Doğan
Einer in Iran, einer in der Ukraine: Donald Trump und Wladimir Putin führen Kriege, die ihnen militärisch und innenpolitisch zusetzen. Die Debatte im auslandsjournal-Podcast.
Die Machtbasis scheint zu bröckeln bei Trump und auch bei Wladimir Putin. Während Putin aktuell auf maximale Eskalation setzt, regt sich in der russischen Bevölkerung Kritik.
27.05.2026 | 55:57 minAm Wochenende hat Russland heftige Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew gestartet und 600 Drohnen und 90 Raketen abgefeuert. Damit ist eine neue Eskalationsstufe erreicht. In der neuen Folge vom auslandsjournal-Podcast "Der Trump Effekt" wertet ZDF-Sonderkorrespondentin Katrin Eigendorf Putins Vorgehen als Zeichen wachsenden Drucks: Es sei ein russisches Regime, ein russischer Präsident, der sich scheinbar in die Ecke gedrängt fühle und militärisch um sich schlage.
In der Bevölkerung und sogar bei den eigenen Anhängern rege sich spürbare Kritik gegen Wladimir Putin.
Jetzt fangen die Leute aus dem System an, Kritik zu äußern.
Katrin Eigendorf, Internationale Sonderkorrespondentin des ZDF
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20.05.2026 | 14:04 minPutins Politik wirtschaftlich nicht tragbar
Die Stimmen gegen Putins Politik häufen sich. Im April kritisierte Robert Nigmatulin, Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, die wirtschaftlichen Entwicklungen Russlands: "Jetzt haben wir alles verloren und sind nach wie vor die Ärmsten", sagte er beim Moskauer Wirtschaftsforum.
Deshalb sage ich, dass man die Wirtschaft so nicht führen darf, und wir müssen diese Idee dem Präsidenten vermitteln, denn alles hängt von ihm ab.
Robert Nigmatulin, Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften
So eine Aussage von einem Mann des Systems Putins sei bemerkenswert, analysiert Katrin Eigendorf im Podcast. Es sei sehr mutig, eine Bestandsaufnahme dieser Art zu machen.
Aber Putin wird nicht direkt angegriffen, sondern der Präsident muss im Prinzip darauf aufmerksam gemacht werden, wie schlimm es im Land aussieht.
Katrin Eigendorf, Internationale Sonderkorrespondentin des ZDF
"Putin weiß, dass dieser Krieg auf dem Schlachtfeld nicht enden wird und dass er verhandeln muss. Dafür wolle er eine starke Position", berichtet ZDF-Russland-Korrespondent Armin Coerper.
11.05.2026 | 4:37 minPutin stehe im Moment an einem Scheidepunkt, sagt Eigendorf. Denn auch militärisch gebe es Probleme. Besonders beim Personal. Man setze alles daran, neue Rekruten zu finden.
Sie haben einfach keine Soldaten mehr in der Masse, wie sie das bräuchten.
Ulf Röller, Leiter ZDF-Studio Brüssel
Putin soll aus Angst vor Attentaten und Putschversuchen viel Zeit in Bunkern verbringen. Und in Russland wächst der Unmut: Die Wirtschaft schwächelt, der Krieg gegen die Ukraine zieht sich hin.
07.05.2026 | 41:45 minInnenpolitische Risse auch bei Trump
In den USA liegt der Fokus viel mehr auf dem Konflikt mit Iran. Die Ukraine spiele in Washington aktuell "fast keine Rolle öffentlich", sagt Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios Washington. Die Unzufriedenheit mit Donald Trump wachse zunehmend, meint Theveßen: "Natürlich steht Amerika nicht am Abgrund, aber die Menschen stöhnen. Und man sieht sehr deutlich in den Umfragen, dass das Donald Trump auf die Füße fällt."
Also immer mehr Menschen sind unzufrieden. Seine Zustimmungsrate sinkt immer weiter.
Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios Washington
Selbst im eigenen Lager bröckele die Unterstützung, so Theveßen. Allerdings sei die Lage nicht mit der in Russland vergleichbar, betont er. Dennoch stelle sich die Frage, ob Trump "ein Stück weit sein Fingerspitzengefühl" verliere und sich zunehmend nur noch mit loyalen Anhängern umgebe.
Die Republikaner verschieben eine wichtige Migrations-Abstimmung gegen Trumps Willen, auch wegen Entschädigungszahlungen an Kapitolstürmer. Wie viel Rückhalt hat Trump? ZDFheute live analysiert.
22.05.2026 | 28:41 minKriegsführung der Zukunft
Ein verbindendes Element beider Kriege in Iran und in der Ukraine sei eine neue Form der Kriegsführung. Moderne Technologien wie Drohnen könnten die Machtverhältnisse grundlegend verändern: "Mit günstigen Mitteln […] kann man relativ viel Schaden anrichten", so Theveßen. Dabei seien diese Innovationen oft "aus der Not geboren", etwa in der Ukraine, erklärt Katrin Eigendorf. Und trotzdem gerieten dadurch Mächte wie Russland unter Druck.
Was da passiert, ist jetzt schon ein Blick auf die Kriegsführung der Zukunft. Und die Großen dieser Welt stellen fest, wir sind dafür eigentlich nicht richtig aufgestellt.
Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios Washington
Gleichzeitig arbeite Russland daran, technologisch auch wieder aufzuholen, sagt Eigendorf. Sowohl Trump als auch Putin stehen innenpolitisch in der Kritik, setzen außenpolitisch aber alles daran, Erfolge zu erzielen.
Narîn Şevîn Doğan ist Redakteurin und Reporterin der ZDF-Sendung auslandsjournal.
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