Niederlage im US-Senat:Wie geschlossen stehen die Republikaner hinter Trump?
Die Republikaner blockieren ein Vorhaben des Präsidenten - und versetzen Trump eine seltene Niederlage. Experte Müller-Kaler erklärt, wie sehr Trumps Macht wirklich bröckelt.
Die Republikaner verschieben eine wichtige Migrationsabstimmung gegen Trumps Willen, auch wegen Entschädigungszahlungen an Kapitolstürmer. Wie viel Rückhalt hat Trump? ZDFheute live analysiert.
22.05.2026 | 28:41 minEs rumort bei den Republikanern. Mit einem riesigen Finanzpaket wollte US-Präsident Donald Trump Milliarden an Steuergeldern verplanen - und nebenbei einen Fonds eröffnen, mit dem die Kapitol-Stürmer vom Januar 2021 entschädigt werden könnten. Doch der US-Senat verschob die Abstimmung, Trumps eigene Leute blockierten das Vorhaben. Wie viel Kontrolle hat der Präsident noch über seine eigene Partei?
Trumps Machtbasis sei noch immer stark, erklärt Politikwissenschaftler Julian Müller-Kaler bei ZDFheute live. "Es ist nach wie vor davon auszugehen, dass Trump seine Partei fest in den Händen hält", so Müller-Kaler weiter. Die Niederlage im Senat sei eher eine "Warnung" an den Präsidenten.
Trotz Frist von US-Präsident Trump: Der republikanisch geführte Senat hat ein Votum über ein Gesetzespaket zur Finanzierung der US-Einwanderungsbehörde verschoben.
22.05.2026 | 0:39 minTrumps Beliebtheitswerte im freien Fall
Der US-Experte rechnet damit, dass der Präsident mit seinen Parteifreunden einen Kompromiss finden werde - immerhin habe Trump den Republikanern neue Wählergruppen erschlossen. Allerdings sinken Trumps Beliebtheitswerte kontinuierlich.
Nur rund 35 Prozent der US-Amerikaner sind laut einer Reuters-Umfrage zufrieden mit der Arbeit ihres Präsidenten. Das habe mit den steigenden Spritpreisen zu tun, vor allem aber mit dem Krieg gegen Iran, meint Experte Müller-Kaler. Immerhin sei Trump mit dem Versprechen angetreten, Kriege zu beenden - und nicht neue anzufangen.
Da fühlen sich viele von seinen Anhängern doch eher an der Nase herumgeführt.
Julian Müller-Kaler, Politikwissenschaftler am Stimson Center
"Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Demokratische Partei selbst extrem unbeliebt ist", ergänzt Müller-Kaler. Die fallenden Zustimmungswerte für Demokraten und Republikaner seien ein Symptom dafür, dass die Wähler das Vertrauen in die Institutionen verlören.
...arbeitet als Senior Fellow für das Stimson Center in Washington D.C. Der Politikwissenschaftler berät auch die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik in Fragen rund um das transatlantische Verhältnis und Populismus in westlichen Demokratien.
Wenn Trump den Iran-Krieg beende, könnten auch seine Beliebtheitswerte wieder steigen - und damit die Chancen bei den Kongresswahlen im Herbst. Die Partei habe er dabei hinter sich, so Müller-Kaler. Schon bei parteiinternen Vorwahlen sei Trumps Einfluss sichtbar: Republikanische Kandidaten, die den Präsidenten kritisierten, scheiterten bei den Abstimmungen deutlich.
Der Kongress hat über die US-amerikanischen Angriffe auf Iran diskutiert. Von den US-Demokraten und auch einigen Republikanern kommt Kritik.
04.03.2026 | 1:48 minRepublikaner in Sorge vor Midterms
Doch die großen Kongresswahlen im Herbst machten die Republikaner nervös, meint Müller-Kaler. Die Partei versuche sich Vorteile zu verschaffen, indem sie noch vor den Abstimmungen die Wahlbezirke neu zuschneide.
Trotz solcher Maßnahmen könnten die Demokraten das US-Repräsentantenhaus für sich entscheiden, glaubt der Experte. Im Senat sei die Lage dagegen schwieriger. Doch wieso profitieren die Demokraten nur so zaghaft von Trumps negativen Schlagzeilen?
Also wenn man die Leute in Amerika aktuell fragt, für was die Demokratische Partei steht, dann ist die einzige Antwort eigentlich, dass sie gegen Trump sind.
Julian Müller-Kaler, Politikwissenschaftler am Stimson Center
Trump selbst habe hingegen vor seinen Wahlsiegen Themen angesprochen, für die die Wähler zuvor kein Gehör geschenkt bekommen hätten. Der US-Präsident sei Ausdruck einer "tief sitzenden Sehnsucht nach Veränderung".
Die hohen Preise in den USA sind weiterhin das laut Umfragen drängendste Problem des Landes. Werden steigende Lebenshaltungskosten die Zwischenwahlen im November entscheiden?
06.05.2026 | 1:26 minExperte: Das können Demokraten von Trump lernen
Mit seinem Fokus auf Arbeitslosigkeit und Drogentodeszahlen habe Trump die republikanische Partei auch für die Arbeiterschicht geöffnet. Mit ihm hätten Wähler in den abgelegeneren Bundesstaaten eine "Stimme für ihre Wut" bekommen, glaubt Müller-Kaler. Die Demokraten setzten dagegen nur auf eine pauschale Ablehnung des Präsidenten.
Dann darf man sich nicht wundern, dass Trumps Politik eigentlich als alternativlos gilt.
Julian Müller-Kaler, Politikwissenschaftler am Stimson Center
Die Demokraten sollten mehr auf Inhalte setzen, statt sich an Trump abzuarbeiten, rät der Experte. Und er warnt vor einem erneuten Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten. "Ich glaube, dass das ein großer Fehler für die Demokraten wäre", so Müller-Kaler. Trump könnte sonst die Chance nutzen, sich erneut als Gegner eines Establishments zu präsentieren.
Eine bröckelnde Infrastruktur, eine riesige Schere zwischen arm und reich - an Themen mangele es vor den Kongresswahlen kaum, glaubt Müller-Kaler.
Das Interview führte ZDFheute-live-Moderator Marc Burgemeister. Zusammengefasst hat es Julian Schmidt-Farrent.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zu US-News
Streit um Entschädigungsfonds:Republikaner gegen mögliche Gelder für Kapitol-Stürmer
mit Video0:39US-Präsidentschaftswahl 2028:Kamala Harris erwägt erneut Kandidatur: "Denke darüber nach"
mit Video0:49US-Zwischenwahlen im November:Wird der teure Alltag zum Risiko für Trump?
Fränzi Meyer, Washington, D.C.mit Video1:26Gesetzliche Frist endet:Trump erklärt Kämpfe in Iran für beendet - wegen Zeitdruck?
mit Video0:29