US-Zwischenwahlen im November:Wird der teure Alltag zum Risiko für Trump?
von Fränzi Meyer, Washington, D.C.
Steigende Preise belasten viele Amerikaner im Alltag - und setzen Präsident Trump unter Druck. Könnten die Lebenshaltungskosten zum entscheidenden Faktor bei den Midterms werden?
Die hohen Preise in den USA sind weiterhin das laut Umfragen drängendste Problem des Landes.
06.05.2026 | 1:26 minDer Alltag in den USA ist deutlich teurer geworden - beim Tanken, im Supermarkt, bei der Miete. Dabei hatte US-Präsident Donald Trump zu Beginn seiner Amtszeit ein "Goldenes Zeitalter" versprochen. Werden steigende Lebenshaltungskosten die Zwischenwahlen im November entscheiden?
Teurer Alltag dominiert Wahlkampf
Rund sieben von zehn US-Amerikanern beschreiben die wirtschaftliche Lage als schlecht, zeigt eine aktuelle Studie der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) in Kooperation mit der University of Chicago.
Dass wirtschaftliche Themen Wahlen deutlich prägen, sei bekannt, erklärt die US-Politikwissenschaftlerin Shana Kushner Gadarian. Sie forscht an der Syracuse University in New York zu Wählerverhalten und öffentlicher Meinung. Entscheidend sei diesmal jedoch, wie stark die Kosten in kurzer Zeit gestiegen sind.
In diesem Jahr ist vor allem eines anders: Die Lebenshaltungskosten sind in sehr kurzer Zeit drastisch gestiegen.
Shana Kushner Gadarian, US-Politikwissenschaftlerin
Gerade weil steigende Preise im Supermarkt oder an der Tankstelle unmittelbar spürbar sind, würden sie auch Menschen erreichen, die sich sonst kaum für Politik interessieren, so Gadarian.
Ich denke, steigende Lebenshaltungskosten werden in vielen Teilen des Landes im Mittelpunkt der Midterm-Wahlen stehen.
Shana Kushner Gadarian, US-Politikwissenschaftlerin
US-Präsident Trump will die Regeln für die Briefwahl verschärfen. Dabei wiederholte er die Vorwürfe, die Briefwahl sei für Betrug verantwortlich – Beweise gibt es dafür nicht.
01.04.2026 | 0:23 minIst Trump Schuld an den hohen Preisen?
So eindeutig ist die Verantwortung nicht: Ein Teil der Preisentwicklung begann bereits während der Pandemie - also vor Trumps Amtszeit. 2022 sind die Lebensmittelpreise beispielsweise so stark gestiegen wie seit 1979 nicht mehr. Doch neue Zölle der US-Regierung sowie gestiegene Energiepreise im Zusammenhang mit dem Krieg in Iran haben die Preise innerhalb kurzer Zeit spürbar steigen lassen - mit direkten Auswirkungen auf Benzinpreise und indirekten auf Transport- und Lebensmittelkosten.
Trump hatte allerdings im Wahlkampf 2024 versprochen, sich um einen günstigeren Alltag zu kümmern. Noch im April erklärte er wieder, die US-Wirtschaft "boome"; auf der Webseite des Weißen Hauses ist von einem "Golden Age", also einem "goldenen Zeitalter" die Rede. An genau diesen Versprechen werde Trump gemessen, so Gadarian.
Sowohl durch die Zölle als auch durch den Krieg mit Iran wurden diese Versprechen nicht eingehalten - die Preise sind nicht gesunken.
Shana Kushner Gadarian, US-Politikwissenschaftlerin
Die frühere US-Vizepräsidentin Kamala Harris erwägt eine erneute Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2028, wie sie auf einer Konferenz mitteilte. Bei der Wahl 2024 unterlag sie Donald Trump.
10.04.2026 | 0:49 minWarum selbst Republikaner besorgt sind
Auch innerhalb der Republikanischen Partei wächst die Sorge über die politische Wirkung der Entwicklung. "Gerade ist es schlecht. Die Menschen sind unzufrieden", sagt die republikanische Strategin Sarah Chamberlain gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Sie warnt, dass die steigenden Preise den Republikanern im Wahlkampf schaden könnten - vor allem, wenn die Benzinpreise hoch bleiben. Hoffnung gebe es aus ihrer Sicht vor allem dann, wenn sich die Lage im Konflikt mit Iran beruhigt und die Energiepreise wieder sinken.
Die Bürger im US-Bundesstaat Virginia haben für einen Neuzuschnitt der Wahlkreise gestimmt. Die Chance auf eine demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus bei den Zwischenwahlen steigt damit.
22.04.2026 | 0:28 minWas können die Midterms entscheiden?
Die Midterm-Wahlen gelten als eine Art Abstimmung über die Regierung. Dabei entscheiden die Wähler, wie die Macht im Kongress verteilt wird - und damit auch, wie gut die Regierung ihre Politik durchsetzen kann.
Häufig sind Zwischenwahlen ein Vorbote politischer Verschiebungen - so war es auch unter Barack Obama oder in der ersten Amtszeit von Donald Trump.
Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit kann sich das besonders stark auswirken, erklärt Gadarian.
Wirtschaftliche Sorgen schaden fast immer der Partei an der Macht.
Shana Kushner Gadarian, US-Politikwissenschaftlerin
Bleibt eine spürbare Entlastung aus, könnten steigende Lebenshaltungskosten direkten Einfluss auf das Wahlergebnis haben und die Mehrheiten im Kongress verschieben.
Die Demokratin Emily Gregory konnte bei einer Sonderwahl einen Wahlkreis des US-Bundesstaats Florida für sich gewinnen. Dort befindet sich das Anwesen von Präsident Trump, Mar-a-Lago.
25.03.2026 | 0:23 minWas das für die Demokraten bedeutet
Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen Lage bedeute nicht automatisch einen Sieg für die Opposition, macht Gadarian deutlich. Wähler würden nicht zwangsläufig die Partei wechseln, einige blieben auch einfach zu Hause.
Für die Demokraten bedeute das: Sie müssen mehr tun, als die Regierung zu kritisieren. Entscheidend sei, ob sie konkrete Antworten auf steigende Lebenshaltungskosten liefern - etwa bei Wohnen, Kinderbetreuung oder Gesundheitskosten, erklärt die Politikwissenschaftlerin.
Wenn der Alltag teurer bleibt, könnte das nicht nur die Stimmung, sondern auch die Machtverhältnisse in Washington verändern. Die Zwischenwahlen finden am 3. November statt.
Fränzi Meyer ist Reporterin im ZDF-Studio Washington, D.C.
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