Deutsche Discounter in den USA :Warum immer mehr US-Amerikaner zu Aldi und Lidl gehen
von Fränzi Meyer, Washington, D.C.
Was vor 50 Jahren mit dem ersten Markt von Aldi Süd in Iowa begann, entwickelt sich zur Erfolgsgeschichte. Warum Aldi und Lidl in den USA so gut ankommen.
Filialen der deutschen Discounter Aldi und Lidl breiten sich in den ganzen USA aus. Im Vergleich zu US-Supermärkten sind sie vor allem günstig. Das scheint einen Nerv zu treffen.
18.04.2026 | 1:33 min"Aldi coming soon" steht an einem Laden direkt um die Ecke des Times Square in New York City. Aldi will allein in diesem Jahr rund 180 weitere Läden in mehr als 30 Bundesstaaten eröffnen. Dahinter steckt Aldi Süd.
Insgesamt soll es in den USA bis Ende des Jahres knapp 2.800 Filialen geben. In Deutschland ist Aldi Süd mit rund 2.000 Filialen vertreten.
- Aldi startet 1976 in den USA - und feiert im April 2026 sein 50-jähriges Bestehen im Land
- Lidl folgt deutlich später: Markteintritt 2017
- Aldi heute: mehr als 2.600 Filialen
- Lidl: rund 200 Filialen, vor allem an der Ostküste
- Aldi expandiert derzeit deutlich schneller als Lidl
Auch Lidl wächst in den USA, wenn auch langsamer. Der Discounter betreibt derzeit rund 200 Filialen im Land. In Deutschland gibt es Lidl rund 4.000 Mal. Woher kommt der Erfolg der deutschen Discounter in den USA?
Der starke Anstieg von Preisen für Lebensmittel liegt laut der Monopolkommission an der zu großen Marktmacht von vier Supermarkt-Konzernen.
21.11.2025 | 1:31 minKleine Supermärkte füllen Lücke im US-Markt
In beiden Discountern ist das Erlebnis in den USA ähnlich wie in Deutschland: vergleichbare Größe der Läden und simple Einrichtung. Teils findet man typisch deutsche Produkte wie Sauerkraut und Pumpernickel, aber vieles ist amerikanisiert: Bagels, "Mac and Cheese" und vor allem sehr viel größere Packungen als in Deutschland. Ungewöhnlich für die USA ist, dass es oft nur ein Produkt pro Kategorie gibt, meist als Eigenmarke.
In den USA dominieren große Supermärkte und sogenannte "Supercenter" - riesige Läden mit teils zehntausenden Produkten, oft kombiniert mit Kleidung, Elektronik oder sogar Tankstellen. Die Idee dahinter sei, alles an einem Ort, erklärt Edward Fox, Professor für Marketing mit Schwerpunkt Einzelhandel an der Southern Methodist University in Dallas. Das Konzept der deutlich überschaubareren deutschen Discounter “füllt eine Lücke im US-Markt”.
Blick auf Lidl: Ist das Obst und Gemüse tatsächlich so frisch wie behauptet? Wie fair werden die Mitarbeitenden behandelt?
18.07.2022 | 15:07 minGünstige Discounter für preisbewusste US-Verbraucher
Bei Lidl und Aldi sind die Produkte im Vergleich zu vielen anderen US-Supermärkten zudem sehr günstig. Das scheint einen Nerv zu treffen. Lebensmittelpreise sind seit Beginn der Corona-Pandemie in den USA um rund 30 Prozent gestiegen und damit deutlich stärker als die allgemeine Inflation, zeigen Daten des U.S. Bureau of Labor Statistics. Viele Verbraucher achteten deshalb stärker auf den Preis, sagt auch US-Handelsexperte Fox.
Aldi nutze diese Entwicklung strategisch, analysiert Branchenexperte Chad Lusk von der Beratungsfirma Alvarez & Marsal gegenüber der "Washington Post".
Aldis Geschäftsmodell ist im Grunde genau für diese Zeit gemacht.
Chad Lusk, Managing Director, Alvarez & Marsal Consumer- and Retail-Group
Bunte Jutebeutel sorgen für einen Ansturm auf die Filialen der Supermarktkette Trader Joe's - die zum Aldi-Kosmos gehört. Die limitierten Taschen erreichten durch Social Media sogar einen weltweiten Hype.
10.04.2026 | 2:08 minDas Prinzip hinter den niedrigen Preisen
Aber wie können Aldi und Lidl ihre Preise so niedrig halten? Die vielen Eigenmarken seien ein entscheidender Hebel, erklärt US-Handelsexperte Fox: "Kleinere Läden, aber mit effizientem Einkauf und vor allem Eigenmarken statt teurer Markenprodukte - so bleiben die Preise niedrig."
Hinzu kommt vergleichsweise wenig Personal. In vielen US-Supermärkten ist es üblich, dass extra angestelltes Personal die Ware an der Kasse einpackt. Bei Aldi und Lidl tüten die Kunden ihre Einkäufe selbst ein.
Ein Konzept, das die Discounter aus Europa mitgebracht haben und das in den USA immer besser funktioniert.
Fränzi Meyer ist Reporterin im ZDF-Studio Washington, D.C.
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