Oreschnik-Rakete abgefeuert:Komplexer Luftangriff sorgt für verheerende Schäden in Kiew
von Christian Mölling und András Rácz
Ein russischer Luftangriff überfordert Kiews Luftverteidigung. In Saporischschja drängt die Ukraine russische Kräfte zurück. Heftige Kämpfe auch im Osten. Die Militäranalyse.
Russland hat Kiew in der Nacht massiv angegriffen, auch mit Hyperschallraketen. Dabei wurden auch Schulen und Wohngebäude getroffen. Mindestens vier Menschen starben.
24.05.2026 | 1:44 minIn der Nacht vom 23. auf den 24. Mai führte Russland einen der komplexesten Luftangriffe auf Kiew durch, bei dem insgesamt rund 690 Waffen zum Einsatz kamen. Kinschal-Luft-Boden-Raketen, ballistische Raketen, Marschflugkörper sowie Hunderte von Drohnen wurden gleichzeitig gegen die Hauptstadt abgefeuert. Diese Kombination überforderte die Luftverteidigung Kiews teilweise.
Es gab mehrere Treffer in den zentralen Stadtbezirken, ein Einkaufszentrum brannte vollständig aus, und mehrere Wohngebäude wurden schwer beschädigt. Darüber hinaus feuerte Russland eine Oreschnik-Rakete auf die Stadt Bila Zerkwa nahe Kiew ab, vermutlich auf den dortigen Militärflughafen.
Sowohl das Präsidialamt von Wolodymyr Selenskyj als auch die US-Botschaft hatten im Vorfeld detaillierte Warnungen herausgegeben, und dank dieser war die Zahl der Opfer in und um Kiew relativ gering.
Russland hat in der Nacht die Hauptstadt der Ukraine mit Drohnen und Raketen angegriffen.
24.05.2026 | 0:20 minSaporischschja: Ukraine kann Russen zurückdrängen
Die ukrainischen Streitkräfte gewinnen in der Region Saporischschja östlich des zerstörten Stausees von Nowa Kachowka allmählich an Boden. Es gelang ihnen, die russischen Streitkräfte aus dem größten Teil der Stadt Stepnohirsk sowie aus den angrenzenden Dörfern zu verdrängen.
Die russischen Streitkräfte leiden weiterhin unter Problemen bei der Befehlskette sowie unter zunehmend gravierenden logistischen Schwierigkeiten.
... ist Senior Advisor beim European Policy Centre. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themenkomplexen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement. Für ZDFheute analysiert er regelmäßig die militärischen Entwicklungen im Ukraine-Konflikt.
... ist Associate Fellow im Programm Sicherheit und Verteidigung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. Er forscht und publiziert zu Streitkräften in Osteuropa und Russland und hybrider Kriegsführung.
Die Ukraine hat in der russischen Stadt Noworossijsk am Schwarzen Meer mit einer Drohne ein Öllager angegriffen und in Brand gesetzt.
23.05.2026 | 0:23 minUkrainische Drohnen jagen Lastwagen
Die ukrainischen Streitkräfte sind zunehmend erfolgreich bei Angriffen auf die russische Logistik 30 bis 50 Kilometer hinter der Frontlinie. Ukrainische Drohnen, darunter auch teilweise KI-gesteuerte, jagen aktiv russische Lastwagen, Tankwagen und andere Logistikfahrzeuge und verursachen damit erhebliche Versorgungsschwierigkeiten.
Diese Angriffe zwingen die russischen Behörden dazu, die Autobahn R-280 "Novorossiya", die von Rostow am Don nach Mariupol führt, sowie die Krim-Autobahn ab dem 21. Mai für den zivilen Verkehr zu sperren.
Die Ukraine will vollwertiges EU-Mitglied werden und lehnt einen Sonderstatus ohne Stimmrecht ab. Selenskyj fordert die Vollmitgliedschaft.
23.05.2026 | 1:44 minKämpfe um Kostjantyniwka
Unterdessen rückten russische Truppen in die Vororte von Kostjantyniwka vor. An den südöstlichen und südwestlichen Rändern der Stadt finden bereits Stadtkämpfe statt. Die Russen versuchen, die ukrainische Logistik zu unterbinden, indem sie die Hauptstraße nach Druschkiwka buchstäblich ununterbrochen angreifen. Die ukrainischen Verteidiger sind zunehmend auf Lieferungen per Drohne und die Evakuierung der Verwundeten angewiesen, da die Straße für normale Fahrzeuge viel zu gefährlich geworden ist.
Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog:
Übung der Nuklearstreitkräfte
Zwischen dem 19. und 21. Mai führte Russland eine große, unangekündigte Übung seiner Nuklearstreitkräfte durch, bei der der Abschuss von atomwaffenfähigen Raketen im Rahmen eines Szenarios zur Reaktion auf einen Angriff von außen geübt wurde.
Ein bemerkenswertes Detail ist, dass einige der schweren Tupolew Tu-95-Bomber, die an der Übung teilnahmen, danach nicht zu ihren sibirischen Stützpunkten zurückkehrten, sondern auf dem Luftwaffenstützpunkt Olenegorsk (Region Murmansk) verblieben und am 23. und 24. Mai an dem Luftangriff auf Kiew teilnahmen, indem sie Marschflugkörper abfeuerten.
Für die Menschen in Russland seien die Angriffe psychologisch ein heftiger Schlag. In der Ukraine verfolgten die Menschen die Ereignisse genau, so unsere Reporter bei ZDFheute live.
21.05.2026 | 14:43 minUkraine greift russische Drohneneinheit an
Am 23. Mai traf ein ukrainischer Drohnenangriff das Gebäude eines Studentenwohnheims in Starobilsk in der besetzten Region Luhansk. Russische Behörden behaupten, dass bei dem Angriff 18 Studenten der Pädagogischen Universität Luhansk getötet und Dutzende verletzt wurden. Putin forderte die russischen Streitkräfte öffentlich auf, Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen.
Unterdessen behaupten ukrainische Behörden, das Gebäude sei ein legitimes militärisches Ziel gewesen und habe eine Verbindung zur Elite-Drohnen-Einheit "Rubicon" gehabt. Es muss hinzugefügt werden, dass sich die beiden Aussagen technisch gesehen nicht gegenseitig ausschließen: Beide Seiten nutzen häufig zivile Infrastruktur als Tarnung für militärische Kommandoposten und Industrieanlagen.
Wie konnte die Ukraine die Region um die russische Hauptstadt Moskau mit hunderten Drohnen angreifen? Und welche Folgen haben die ukrainischen Erfolge für den Krieg? ZDFheute live analysiert.
21.05.2026 | 35:52 minZunehmende Erfolge der Abfangdrohnen
Die ukrainischen Behörden gaben bekannt, dass Abfangdrohnen bis Mai 2026 für das Abschießen von etwa 40 Prozent der anfliegenden russischen Drohnen, insbesondere vom Typ Geran, verantwortlich sind. Dies ist eine bemerkenswerte Leistung, wenn man bedenkt, dass die Massenproduktion der Abfangdrohnen erst Anfang dieses Jahres begann.
Es gab bereits einen dritten Fall, in dem eine russische Geran-Drohne gefilmt wurde, die eine auf dem Rücken montierte Luft-Luft-Rakete trug. Offenbar versucht Russland, seine Drohnen mit der Fähigkeit auszustatten, die sie angreifenden ukrainischen Hubschrauber und Flugzeuge abzuschießen.
Aufgrund der Ungeschicklichkeit der Geran-Drohnen stellen solche montierten Raketen für ukrainische Kampfflugzeuge keine wirkliche Gefahr dar, können jedoch für die langsameren Hubschrauber und alten Antonov-An-28-Flugzeuge, die zu Geran-Jägern umgerüstet wurden, leicht tödlich sein.