Oberst Reisner zur Lage in der Ukraine:Moskau verschärft den Ton - Was das für den Krieg bedeutet
Aus der "Spezialoperation" sei ein Krieg geworden. Die Schuld gibt Moskau den Unterstützern der Ukraine - für Oberst Reisner ein Signal für eine neue Eskalationsstufe.
Moskau verschärft den Ton und spricht von echtem Krieg. Verantwortlich seien die Unterstützer der Ukraine. Laut Insidern lehnt Putin Friedensverhandlungen ab. ZDFheute live analysiert.
09.07.2026 | 33:06 minDer Krieg zwischen Russland und der Ukraine verschärft sich weiter. Experten beobachten eine deutliche Zuspitzung der Lage, nicht nur auf dem Schlachtfeld - sondern auch in der politischen Kommunikation.
Die Ukraine setzt verstärkt auf Angriffe gegen die russische Ölindustrie und versucht, die Krim von der Versorgung mit Treibstoff abzuschneiden. Moskau reagiert mit einer verschärften Rhetorik. In einem Interview spricht Kreml-Sprecher Dmitri Peskow von einem echten Krieg, der als "militärische Spezialoperation" begonnen habe. Mit dem Begriff wird von offiziellen Stellen in Russland die Militäroffensive in der Ukraine umschrieben.
Die Russen spüren den Krieg zunehmend auch persönlich: Aus Angst vor ukrainischen Drohnenangriffen bleiben die russischen Strände dieses Jahr weitgehend leer.
08.07.2026 | 6:28 minWie diese Entwicklungen einzuordnen sind und welche Rolle neue westliche Waffensysteme spielen, erklärte der Militärexperte Oberst Markus Reisner vom österreichischen Bundesheer bei ZDFheute live.
Das sagt Oberst Reisner ...
... zur russischen Eskalationsstrategie
Russland fühle sich von den ukrainischen Angriffen "zunehmend in die Enge gedrängt", erklärt Reisner. Man sehe "eine Verschärfung des Konflikts". Die russische Militärdoktrin unterscheide präzise zwischen verschiedenen Kriegstypen - vom lokalen bis zum globalen Krieg. Dabei gebe es 17 unterschiedliche Eskalationsstufen. Dass Kreml-Sprecher Peskow nun offen das Wort "Krieg" verwende, sei ein Signal für eine höhere Stufe auf dieser Eskalationsleiter.
Es werde "monate- oder jahrelang dauern", bis Kiew imstande sei, die Patriot-Raketen selbst zu produzieren, sagt Ukraines UN-Botschafter Melnyk. Man brauche sie aber schon heute - dringend.
09.07.2026 | 6:50 minDiese Einstufung gehe auch mit dem Einsatz spezieller Waffensysteme einher, erklärt Reisner:
Zum Beispiel beim Übergang vom regionalen zum großen Krieg ist es so, dass wir ab dem großen Krieg tatsächlich auch den Einsatz von Nuklearwaffen sehen.
Militärexperte Oberst Markus Reisner
Doch auch für die derzeitige Phase eines regionalen Krieges würden russische Theoretiker bereits darüber diskutieren, ob ein Einsatz von Nuklearwaffen zur Abschreckung erforderlich ist.
Trump hat den Verbündeten beim Nato-Gipfel gemischte Signale gesendet. Einig waren sich die Staaten jedoch bei den Hilfen für die Ukraine. So soll das Land bald selbst Patriot-Raketen bauen dürfen.
09.07.2026 | 2:31 minReisner betont jedoch: Das sei nur die Militärtheorie dahinter - was nicht bedeute, dass das auch so umgesetzt werde. Denn Russland sei immer davon abhängig, wie sich die anderen verhalten, und würde auf dieser Eskalationsleiter "nach oben oder nach unten" steigen.
... zu neuen Waffen und deren Abschreckungspotenzial
Die Ergebnisse des Nato-Gipfels in Ankara könnten ein Wendepunkt sein. Reisner nennt zwei zentrale Punkte: Zum einen, dass US-Präsident Donald Trump der Ukraine erlauben will, selbst Patriot-Raketen mit einer Lizenz zu produzieren. Der Mangel an Flugabwehr sei bisher die "Achillesferse" des Landes gewesen.
In der Nacht zu Montag hat Russland die Ukraine massiv mit Drohnen und Raketen angegriffen - bereits zum zweiten Mal in kurzer Zeit.
06.07.2026 | 1:36 minZum anderen ordnete Reisner die geplante Stationierung von US-Tomahawk-Marschflugkörpern in Deutschland ein:
Das wäre dann eine aktive Antwort auf die Iskander-Stationierung der Russen in Kaliningrad und würde quasi auch hier eine abschreckende Wirkung haben und Russland weiter einschüchtern.
Militärexperte Oberst Markus Reisner
Ziel dieser Maßnahme sei nicht Aggression - "es geht darum, ein Gleichgewicht der Abschreckung zu schaffen", erklärte Reisner. Durch dieses Kalkül solle Moskau zu Verhandlungen gezwungen werden.
Raketen hätten zuletzt ungehindert ihre Ziele in Kiew und dem Umland erreicht, sagt ZDF-Reporter Thurau. Der Bestand von Flugabwehrraketen neige sich wohl dem Ende zu.
09.07.2026 | 7:01 min... zu Russlands militärischen Optionen
Trotz der westlichen Unterstützung dürfe man Russland jedoch keinesfalls unterschätzen. Reisner betonte, dass der Kreml über eine "ganze Reihe von Möglichkeiten" verfüge, den Konflikt auch ohne Massenvernichtungswaffen weiter anzuheizen. Er verwies dabei auf den zunehmenden "hybriden Krieg", den wir bereits in Europa erleben würden. Dies beinhalte gezielte Beeinflussung sowie Sabotageaktionen.
Besonders besorgniserregend sei eine russische Liste von 120 europäischen Unternehmen, die Moskau als "legitime Kriegsziele" betrachte, weil sie für die Ukraine produzieren. Darüber hinaus könne Russland Antisatellitenwaffen einsetzen oder versuchen, wichtige Kommunikationslinien zu unterbrechen, um den Druck auf den Westen weiter zu erhöhen.
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