Nato-Treffen in Ankara:Trump teilt bei Gipfel aus - und spricht dann von Einigkeit
US-Präsident Trump hat beim Nato-Gipfel in Ankara die Verbündeten kritisiert, teilweise brüskiert. In seiner Abschlussrede zog er dann aber eine positive Bilanz.
Trotz des schwierigen Gipfels in Ankara spricht Nato-Generalsekretär Rutte von einer Allianz, die eng zusammenstehe. Bundeskanzler Merz schwärmt von einer immer europäischer werdenden Nato.
08.07.2026 | 1:49 minScharfe Attacken gegen Verbündete und ein erneuter Griff nach Grönland: US-Präsident Donald Trump hat seine europäischen Verbündeten beim Nato-Gipfel in Ankara öffentlich brüskiert. Er kündigte am Rande des Treffens an, die Handelsbeziehungen mit Spanien wegen fehlender Unterstützung im Iran-Krieg zu beenden und nannte das Land einen "furchtbaren Partner". Auch Deutschland zählte er zu den Ländern, die die USA im Stich gelassen hätten.
Trumps versöhnliches Schlusswort
Seine Gipfelbilanz fiel dann aber ganz anders aus. Er sprach in seiner Abschluss-Pressekonferenz von einem "sehr erfolgreichen Nato-Gipfel", lobte die "unglaubliche Liebe" und Einigkeit im Raum. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zitierte Trump aus der Runde hinter verschlossenen Türen mit den Worten: "There is a feeling of love in the air" - "es liegt ein Gefühl der Liebe in der Luft". Der CDU-Politiker zeigte sich in seiner Gipfelbilanz äußerst zufrieden und sprach weiterhin von einem neuen "Geist von Ankara" und von einer "neuen Nato".
Er meint ein Bündnis, in dem die Europäer mehr Verantwortung übernehmen, um die Amerikaner an Bord zu halten. "Ich fahre jedenfalls in dem sicheren Gefühl zurück nach Deutschland, dass wir einen großen Beitrag geleistet haben, dass die Nato zusammenbleibt, dass sie stärker wird", sagte Merz.
Ex-Nato-General Ramms sagt, die wichtigen Punkte der Allianz werden in der Schlusserklärung des Gipfels von Ankara betont, etwa die Gültigkeit von Artikel 5.
08.07.2026 | 2:33 minVor dem Gipfel hatte es Spekulationen gegeben, Trump könnte entweder gar nicht kommen, vorzeitig abreisen oder ein Veto gegen die Veröffentlichung der Abschlusserklärung einlegen, in der die Alliierten sich Beistand im Fall eines Angriffs versichern. So kam es dann nicht. Doch in mehreren öffentlichen Auftritten brachte er seinen Verbündeten zunächst nicht die Liebe entgegen, die er am Ende gespürt haben will.
Vor allem Spanien bekam das ab. Das Land verweigert den USA seit Beginn des Iran-Kriegs die Nutzung von Militärbasen und bekennt sich als einziges Mitglied nicht zum Nato-Ziel, fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Verteidigung auszugeben. "Sie nehmen nicht teil, sie zahlen nicht", sagte Trump bei seinem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte. "Ich will mit ihnen keinen Handel mehr treiben."
Rutte widerspricht "Daddy"
Das ging selbst Rutte zu weit, der als Trump-Versteher Nummer eins unter den Europäern gilt. Seine Besänftigungsversuche sind legendär, beim letzten Nato-Gipfel in Den Haag nannte der Nato-Generalsekretär Trump sogar "Daddy". In Ankara gab er ihm ungewöhnlicherweise Widerworte, fiel ihm sogar ins Wort. 5.000 Flugzeuge seien zur Unterstützung der US-Offensive gegen Iran aus Europa abgehoben, sagte er. Damit bezog er sich auf Starts der US-Luftwaffe, insbesondere von amerikanischen Militärstützpunkten wie Ramstein in Rheinland-Pfalz.
CDU-Politiker Laschet kritisiert das iranische Verhalten in der Straße von Hormus. Gleichzeitig betont er, die USA und der Westen hätten im Iran-Krieg versagt.
08.07.2026 | 4:24 minTrump beklagte daraufhin, dass nicht alle Verbündeten die Nutzung von US-Basen auf ihrem Territorium für Angriffe gegen Iran erlaubt hätten. "5.000 ist ...", setzte Trump an, nur um von Rutte unterbrochen zu werden: "gewaltig", sagte der Nato-Chef.
Anderer Trump hinter verschlossenen Türen
Auch das Thema Grönland warf Trump auf offener Bühne erneut auf, er bekräftigte seinen Anspruch auf die Insel, die zum Königreich Dänemark gehört - ebenfalls ein Nato-Partner.
Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen trat er hinter verschlossenen Türen beim Gipfel allerdings ganz anders auf, "in keiner Weise vorwurfsvoll", wie es hieß. Grönland sei kein Thema gewesen, Spanien auch nicht. Der öffentliche Auftritt stehe "in einem gewissen Kontrast" zum internen.
Trump droht Iran - und spielt Eskalation später herunter
Belastet wurde der Gipfel auch durch eine neue Eskalation im Iran-Krieg. Das US-Militär bombardierte in der Nacht zu Mittwoch unmittelbar nach Beginn des Nato-Gipfels als Reaktion auf Attacken gegen Tanker in der Straße von Hormus Dutzende Ziele in Iran. Der Krieg der USA gegen Iran war von vielen europäischen Verbündeten schon in der frühen Phase kritisiert worden, auch wenn sie das Ziel teilen, dass Iran keine Atomwaffen produzieren darf.
Nach dem Ende der Waffenpause verschärft sich der Konflikt. Die USA greifen erneut Ziele im Iran an, Teheran reagiert mit Gegenangriffen.
08.07.2026 | 2:20 minBeim G7-Gipfel westlicher Wirtschaftsmächte im Juni hatte das Rahmenabkommen für ein Kriegsende zwischen Washington und Teheran Europäer und Amerikaner noch zusammengeschweißt. Nun jedoch steht die Frage im Raum, ob der Waffenstillstand überhaupt noch existiert. "Ich denke, es ist vorbei. Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Sie sind Abschaum", sagte Trump.
Wenige Stunden später spielte er die erneute Eskalation allerdings herunter. Er glaube nicht, dass der Krieg wieder aufflammen werde, sagte der Präsident bei einer Pressekonferenz im Anschluss an den Nato-Gipfel. Stattdessen rechne er damit, dass der Konflikt zeitnah wieder beigelegt werde.
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