Gipfel mit Konfliktpotenzial:Trump von Nato "sehr enttäuscht"
Der Nato-Gipfel in Ankara bietet Zündstoff. Während Bundeskanzler Merz auf Harmonie setzt und den "Geist von Ankara" wecken will, zeigt sich US-Präsident Trump "sehr enttäuscht".
Ein zentrales Thema beim Nato-Gipfel sind die Militärausgaben. Auch über die weitere Unterstützung der Ukraine wird diskutiert.
07.07.2026 | 1:50 minUS-Präsident Donald Trump sucht den Streit: Europas Hoffnungen auf harmonische Beratungen hat Trump schon bei der Ankunft einen Dämpfer verpasst. "Ich war sehr enttäuscht von der Nato", sagte er in Ankara und kritisierte die ausgebliebene Solidarität europäischer Alliierter im Iran-Krieg. Auch im Streit um Grönland, das die USA von Bündnispartner Dänemark übernehmen wollen, legte Trump nach.
Die 32 Mitgliedstaaten des Verteidigungsbündnisses wollen bis Mittwoch beraten, wie die Lasten in der Nato mehr auf die europäischen Alliierten und Kanada verteilt werden können. Die USA hatten angekündigt, Truppen aus Deutschland abzuziehen und weniger Streitkräfte für Planungen der Nato vorzuhalten.
"Von diesem Gipfel soll die Botschaft ausgehen: Wir bauen eine europäischere Nato, damit die Nato transatlantisch bleiben kann", hatte Kanzler Friedrich Merz (CDU) vor dem Abflug zum Gipfel gesagt.
Ich wünsche mir, dass es uns gemeinsam gelingt, einen Geist von Ankara zu wecken.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Merz: U-Boot-Geschäft mit Kanada "ein starkes Zeichen"
Zur Ankündigung von Kanadas Premierminister Mark Carney zur Beschaffung von bis zu zwölf U-Booten des Kieler Marineschiffbauers TKMS sagte der Kanzler, dies sei "einer der größten, wenn nicht der größte Rüstungsauftrag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland". Merz sieht in dem Geschäft "ein starkes Zeichen für die transatlantische und die europäische Zusammenarbeit".
Vor dem Nato-Gipfel in Ankara fordert US-Präsident Trump erneut höhere Verteidigungsausgaben. Zuvor kritisierte er, "dass die Europäer nicht genug leisten würden", so ZDF-Korrespondentin Schaefers.
07.07.2026 | 0:58 minBei der Erneuerung der in Deutschland stationierten Nato-Flotte von Awacs-Aufklärungsflugzeugen (Airborne Early Warning and Control System) kommt Kanada ebenfalls prominent zum Zuge. Wie Nato-Generalsekretär Mark Rutte ankündigte, sollen künftig Flugzeuge des kanadischen Herstellers Bombardier genutzt werden, die mit dem Aufklärungs- und Frühwarnsystem GlobalEye des schwedischen Rüstungskonzerns Saab ausgerüstet sind.
Ursprünglich waren US-Maschinen als Ersatz vorgesehen. Das Vorhaben wurde aber vorerst aufgegeben, nachdem die US-Regierung ihren Ausstieg aus dem Programm angekündigt hatte.
Nato-Gipfel für Erdogan ein Prestigeerfolg
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan empfing Trump auf dem Flugplatz Etimesgut. Für ihn ist das Treffen ein Prestigeerfolg - er kann die Türkei, das Land mit der zweitgrößten Armee im Bündnis, als wichtige Regionalmacht präsentieren.
Sehen Sie die Pressekonferenz mit US-Präsident Trump und dem türkischen Präsidenten Erdogan vor dem Nato-Gipfel in voller Länge.
07.07.2026 | 28:18 minKritik von Menschenrechtlern an seinem Vorgehen gegen Oppositionelle dürfte auf dem Gipfel keine große Rolle spielen. Bei Protesten gegen den Gipfel nahm die Polizei nach Angaben der türkischen Anwaltsvereinigung CHD mehr als 20 Menschen fest. Die Behörden hatten ein umfassendes Demonstrationsverbot rund um den Gipfel verhängt.
Trump erhebt erneut Anspruch auf Grönland
In Ankara bieten nicht nur die Kriege in Iran und in der Ukraine Zündstoff. So hatte Trump kurz vor dem Gipfel erneut die angeblich zu geringen Verteidigungsausgaben großer europäischer Partner wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien kritisiert. Ohne konkrete Ankündigungen zu machen, drohte er:
Wir könnten alle unsere Soldaten aus Europa abziehen.
Donald Trump, US-Präsident
Zudem bekräftigte der US-Präsident erneut seinen Besitzanspruch auf das zu Dänemark gehörende Grönland. Es bleibe dabei, dass die weltgrößte Insel von den Vereinigten Staaten und nicht von Dänemark kontrolliert werden sollte, sagte er bei einem Treffen mit Erdogan. Konkrete Handlungen drohte er aber auch in diesem Fall nicht an.
Europa sei heute ein ganz anderer Ort als noch vor 20 Jahren, sagte Trump. Wenn die Europäer bei ihrer Einwanderungs- und Energiepolitik nicht vorsichtig seien, werde es "kein Europa mehr geben".
"Mehr Resilienz heißt auch mehr Industrieproduktion für Rüstung in Europa", so Wolfgang Ischinger, Chef der MSC, zum deutsch-kanadischen U-Boot-Deal. "Das Geld darf nicht nur in den USA landen."
07.07.2026 | 6:35 minNato-Drohnenabwehr: Selenskyj bietet Kooperation an
Die Nato will laut Rutte in den kommenden fünf Jahren im Zuge einer neuen Initiative mehr als 40 Milliarden Dollar in Fähigkeiten zur Drohnenabwehr investieren. Zudem verpflichteten sich Alliierte, bis Ende 2027 fünfmal so viele Soldaten für den Einsatz von Drohnen auszubilden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rief die Nato zu schnelleren Vorbereitungen auf eine Kriegsführung mit und gegen Drohnen auf. Zugleich bot er eine Beteiligung an einer Initiative zur gemeinsamen Produktion unbemannter Systeme an. Merz sagte vor seinem Abflug: "Ankara könnte einen Einschnitt in diesem Krieg markieren."
Seit mehr als 75 Jahren garantiert die Nato Europas Sicherheit. Doch jetzt ziehen die USA militärische Fähigkeiten ab. Können die Europäer die Abschreckung gegenüber Russland aufrechterhalten?
01.07.2026 | 8:00 minDem Kreml dürfe langsam klar sein, dass Russland seine Kriegsziele nicht erreichen werde. Der Kanzler bezog sich darauf, dass es in Ankara auf deutsche Initiative eine Vereinbarung der europäischen Bündnismitglieder geben soll, die Ukraine mit weiteren Mitteln auszustatten. Zudem wolle man versuchen, die Einigkeit auszubauen, die kürzlich beim G7-Gipfel in Évian am Genfersee mit Trump gelungen sei.
USA und Europa vereinbaren Rüstungskooperationen
Die USA und europäische Verbündete wollen ihre Fähigkeiten zur Herstellung und Wartung von modernen Lenkflugkörpern gemeinsam ausbauen. Laut US-Angaben soll die Produktion von Raketen des Typs AMRAAM ausgeweitet und für PAC3-Lenkflugkörper des Flugabwehrsystems Patriot ein Wartungszentrum in Europa geschaffen werden.
Der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall will gemeinsam mit dem US-Hersteller Lockheed Martin Kurzstreckenraketen des Typs ATACMS bauen und unterzeichnete eine Absichtserklärung. Damit werde die erste Koproduktion dieser Raketen in Europa entstehen, teilte Rheinmetall mit.
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