Trumps Börsengeschäfte: Verdacht auf Insiderhandel im Weißen Haus

Auffällige Börsengeschäfte:US-Präsident Trump wegen Insiderhandel unter Verdacht

von Anne Sophie Feil, Washington, D.C.

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US-Präsident Donald Trump steht wegen millionenschwerer Börsengeschäfte unter Druck. Kritiker werfen seinem Umfeld mögliche Nutzung von Insiderinformationen vor.

Memorial Day Trump

Das US-Finanzamt darf Trumps Steuererklärungen nicht mehr prüfen - einer der Gründe, warum die Frage, ob sich der US-Präsident im Amt selbst bereichere, immer wieder im Raum steht.

20.05.2026 | 3:12 min

US-Präsident Donald Trump steht im Verdacht, persönliche finanzielle Vorteile aus politischen Entscheidungen gezogen zu haben. Im Mittelpunkt stehen umfangreiche Wertpapiertransaktionen sowie eine Vereinbarung mit dem US-Justizministerium, die Trump rückwirkend vor der Steuerfahndung schützt.

Bericht legt Aktiengeschäfte Trumps offen

Die US-Ethikbehörde Office of Government Ethics (OGE) veröffentlichte einen 113-seitigen Bericht über die Wertpapiergeschäfte des Präsidenten. Dieser verzeichnet für das erste Quartal 2026 eine hohe Handelsaktivität in einem auf Donald Trump registrierten Depot.

Der Bericht listet 2.346 Käufe und 1.296 Verkäufe von Aktien und börsengehandelten Fonds (ETFs) innerhalb von 90 Tagen. Das gehandelte Volumen wird auf 220 bis 750 Millionen Dollar geschätzt. Damit agiert Trump an den Finanzmärkten deutlich aktiver als frühere US-Präsidenten.

Das Weiße Haus bei Nacht

Immobilien, Lizenzen, Netzwerke: In Folge 1 werden die Ursprünge des Systems rund um Trump untersucht und gefragt, ob Geschäftsstrategien und politische Macht miteinander verwoben sind.

10.03.2026 | 37:55 min

Vorwürfe zu Insiderhandel und Marktmanipulation

Einige der Trades werfen Fragen hinsichtlich des Zeitpunkts auf. So teilte Trump am 23. März beispielsweise in einem Truth-Social-Post, dass man "sehr gute und produktive Gespräche" mit Iran führe. Der demokratische Kongressabgeordnete Steven Horsford stellt fest, Händler hätten bereits 47 Minuten vor Trumps Ankündigung mit Millionensummen auf sinkende Ölpreise gewettet. Kurz darauf sanken diese tatsächlich.

Entwicklung des Ölpreises am 23. März

ZDFheute Infografik

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"Das ist kein Zufall, das ist ein Muster", sagte Horsford Ende April. "Und die einzigen Personen, die vorab Zugang zu diesen Informationen haben, befinden sich innerhalb dieser Regierung."

Das wirft ernste Fragen auf hinsichtlich Marktmanipulation und Insiderhandel innerhalb der Trump-Administration.

Steven Horsford, Demokratischer Abgeordneter des US-Repräsentantenhauses

Insiderhandel bezeichnet den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren unter Nutzung wesentlicher, nicht öffentlicher Informationen, die den Börsenwert beeinflussen könnten. In den USA untersagt die Börsenaufsichtsbehörde SEC mit der Regel 10b-5 Insidern sowie Empfängern von "Tipps", aus vertraulichem Wissen Profit zu schlagen oder Verluste zu vermeiden. Bei Verstößen drohen zivil- und strafrechtliche Konsequenzen sowie hohe Bußgelder.

Quelle: US-Börsenaufsichtsbehörde SEC


Verdachtsfälle bereits bei Zollpolitik

Auch kurz bevor Trump im April 2025 eine Zollpause angekündigt hatte, sollen Horsford zufolge Händler "enorme Summen auf einen steigenden Markt" gesetzt haben. Am selben Tag teilte Trumps Assistentin Margo Martin ein Video des Präsidenten auf X, der den US-Milliardär Charles Schwab im Oval Office empfing. Darin zeigte Trump auf Schwab und sagte: "Er hat heute 2,5 Milliarden gemacht."

Das Video von Trump-Assistentin Martin

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Horsford wies auf einen allgemeinen Trend hin, bei dem Zollankündigungen und plötzliche Kehrtwenden Trumps wiederholt die Märkte in Bewegung setzten. Er stellte infrage, wer möglicherweise Vorabinformationen hatte und davon profitieren konnte. Der Demokrat forderte eine Untersuchung.

Experte: Insiderhandel schwer nachweisbar

Kapitalmarktanalyst Martin Lück sagt im Podcast des ZDF-heute journals, Insiderhandel sei ein eindeutiger Gesetzesverstoß. Der sogenannte STOCK-Act verbiete es Inhabern politischer Ämter in den USA, mit Wissen aus dem Kongress eigene Börsengeschäfte durchzuführen. Oft sei es jedoch schwierig, die bewusste Ausnutzung solcher Informationen zu beweisen, so Lück.

Es ist eindeutig verboten, was der Präsident da macht. Der Punkt ist nur: Kann man es ihm nachweisen?

Dr. Martin Lück, Wirtschaftswissenschaftler und unabhängiger Kapitalmarktanalyst

Ein solcher Interessenkonflikt sei wahrscheinlich nur zu vermeiden, indem Personen in hohen öffentlichen Ämtern "einfach alle geschäftlichen Aktivitäten ruhen lassen", so Lück.

Helene Reiner und Dunja Hayali in "heute journal - der Podcast"

US-Präsident Trump beeinflusst die globalen Aktienkurse wohl so sehr wie kein anderer. Mit seiner Außenpolitik, mit Zöllen und dem Iran-Krieg sorgt er für massive Unsicherheit an den Börsen.

21.05.2026 | 44:05 min

Vereinbarung mit dem Justizministerium sorgt für Kritik

Parallel dazu hat das US-Justizministerium unter Todd Blanche der US-Steuerbehörde IRS dauerhaft untersagt, Steuererklärungen von Donald Trump, seiner Familie und seinen Unternehmen zu prüfen, wenn sie bis zum 18./19. Mai eingereicht wurden. Kritiker sehen darin eine erhebliche Einschränkung möglicher Verfahren im Zusammenhang mit früheren Steuer- und Behördenangelegenheiten.

Dieser Schritt ist Teil eines Vergleichs: Trump lässt im Gegenzug eine Zehn-Milliarden-Dollar-Klage gegen die IRS wegen der unrechtmäßigen Veröffentlichung seiner Steuerdaten fallen. Zudem wird ein umstrittener 1,8 Milliarden Dollar schwerer Fonds eingerichtet, um "Opfer politischer Instrumentalisierung zu entschädigen". Recherchen der "New York Times" zufolge könnte Trump durch den Stopp laufender Prüfungen über 100 Millionen Dollar an potenziellen Nachzahlungen sparen.

US-Präsident Donald Trump wendet sich an die Fotografen des Pressepools

Die US-Steuerbehörde IRS darf Donald Trumps frühere Steuererklärungen nicht mehr prüfen. Das steht in einem Vergleich mit dem Justizministerium - unterzeichnet von Justizminister Todd Blanche.

20.05.2026 | 0:44 min

Weißes Haus dementiert Vorwürfe gegen Trump

Eindeutige Beweise für Interessenkonflikte seiner Transaktionen gibt es bisher nicht. Vizepräsident JD Vance erklärte, dass die Anlageentscheidungen von unabhängigen Finanzberatern getroffen würden, an denen der Präsident nicht beteiligt sei.

Er ist ein wohlhabender, erfolgreicher Geschäftsmann. Er macht diese Transaktionen doch nicht selbst.

JD Vance, Vize-Präsident

Das Weiße Haus hatte Vermutungen der Bereicherung Trumps im Amt bereits im vergangenen Jahr als "völlig absurd" zurückgewiesen. Präsidentensprecherin Karoline Leavitt hatte erklärt, Trump habe vielmehr sein "Leben in Luxus" für den Dienst am amerikanischen Volk geopfert.

Über dieses Thema berichtete das heute journal am 20.05.2026 ab 21:45 Uhr.