Neuer Verdacht auf Insider-Deals im Trump-Umfeld - mit Ölwetten

FAQ

Mysteriöse Öl-Wetten vor Iran-Post:Neuer Verdacht auf Insider-Geschäfte im Trump-Umfeld

von Nils Metzger und Oliver Klein

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Unbekannte haben kurz vor Trumps jüngster Iran-Ankündigung Hunderte Millionen auf fallende Ölpreise gesetzt. Es ist nicht der erste Verdacht auf Insider-Handel in Trumps Umfeld.

US-Präsident Donald Trump spricht am 23. März 2026 vor dem Einsteigen in die Air Force One am Palm Beach International Airport in West Palm Beach, Florida, mit Reportern. Präsident Donald Trump erklärte am Montag, es gebe „wesentliche Übereinstimmungen“ in den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran, die seiner Meinung nach dazu führen müssten, dass Teheran seine nuklearen Ambitionen und seine Bestände an angereichertem Uran aufgibt. Trump sagte, die Gespräche – deren Existenz der Iran bestreitet – würden mit einer „Spitzenpersönlichkeit“ geführt, jedoch nicht mit dem obersten Führer des Landes.

Erst setzt Donald Trump Iran ein Ultimatum wegen der blockierten Straße von Hormus. Nach "produktiven Gesprächen" mit Iran ist es verschoben. Iran dementiert Gespräche mit den USA.

23.03.2026 | 2:48 min

Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump am Montag, Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur vorerst zu verschieben, hat weltweit vorsichtige Hoffnung auf ein diplomatisches Ende des Krieges genährt - und einigen Personen offenbar sehr viel Geld eingebracht.

Beobachter stellten mehrere auffällige Börsentransaktionen unmittelbar vor Trumps Bekanntmachung fest: Nach Berechnungen der "Financial Times" setzten Händler mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar auf sinkende Ölpreise. Ist es wahrscheinlich, dass sie vorab informiert waren?

Korrespondent Elmar Theveßen im Interview.

Um den Druck auf Iran zu erhöhen, könnte der US-Präsident mit Bodentruppen drohen, so Elmar Theveßen. Etwa um Karg Island zu besetzen, wo sich Öl-Terminals des Regimes befinden.

24.03.2026 | 2:17 min

Wie funktionierte das Börsengeschäft?

Um 07:05 Uhr Ortszeit veröffentlichte Trump auf seiner Plattform Truth Social die Nachricht, dass man mit Iran "sehr gute und produktive Gespräche bezüglich einer vollständigen Beilegung der Kampfhandlungen" geführt habe. Das ließ die Ölpreise an den Weltbörsen sofort massiv einbrechen.

Doch eine Viertelstunde vorher, gegen 06:50 Uhr, handelten unbekannte Börsianer Tausende sogenannte Future-Kontrakte für mehrere Ölsorten. Solche Produkte sind eine Wette auf den zukünftigen Preis des Rohstoffs, ob er steigt oder fällt. Laut "Financial Times" hatten sie einen Wert von 580 Millionen US-Dollar. Wie viel Gewinn die Händler am Ende gemacht haben, ist nicht klar - das hängt vom Zeitpunkt des Verkaufs ab.

Entwicklung des Ölpreises am 23. März

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Auch wegen der Uhrzeit stechen die Deals heraus: So früh am Morgen war der Börsenhandel ruhig - bis auf diese Riesengeschäfte. Ähnlich auffällige Future-Wetten wurden zeitgleich auch auf den US-Aktienindex S&P500 gemacht. Dessen Kurs ging nach dem Trump-Post deutlich nach oben.

Was sind die Anzeichen für ein Insidergeschäft?

Als Insiderhandel bezeichnet man Börsendeals, bei denen man Geschäfte auf Basis von Informationen tätigt, die nicht öffentlich zugänglich sind. Das können Geschäftszahlen, aber auch politische oder regulatorische Vorhaben sein. In den USA wie in Europa ist Insiderhandel eine Straftat.

US-Präsident Donald Trump und Chameneis Sohn Modschtaba werden vor einer Iran-Karte abgebildet.

"Produktive Gespräche" statt Angriffe auf iranische Energieanlagen: Warum US-Präsident Trump sein Ultimatum an Iran verlängert hat, analysiert ZDFheute live.

23.03.2026 | 34:14 min

Bei Regierungsinformationen sind gegebenenfalls noch Gesetze über deren Vertraulichkeit bis hoch zum Geheimnisverrat betroffen. Mitglieder der Trump-Administration dürfen ihre vertraulichen Informationen nicht für Finanzgeschäfte nutzen - ihre Verwandten oder befreundete Unternehmer ebenso wenig.

Dass Trump von seiner Drohung gegen Iran wieder abrücken könnte, wurde zwar in den Tagen zuvor bereits breit diskutiert, aber ohne genaue Kenntnis des Zeitpunkts der Entscheidung wäre eine solche Terminwette über Hunderte Millionen Dollar ein enormes Risiko gewesen, das kaum ein normaler Investor eingehen würde.

Christoph Kaserer, Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der TU in München, erklärt auf Anfrage von ZDFheute, dass die 580 Millionen Dollar allein zunächst nicht ungewöhnlich seien, angesichts der Milliardensummen, mit denen solche Produkte jeden Tag gehandelt werden. Aber:

Da die Mitteilung Trumps um 7 Uhr morgens veröffentlicht wurde, also zu einer Zeit, in der die Terminmärkte zwar offen, aber relativ ruhig sind, ist der Ausschlag im Handelsvolumen schon sehr auffällig und kaum mit normalen Ausschlägen zu erklären.

Christoph Kaserer, Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte

Ähnlich schätzt auch Florian Heider, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE, die Lage gegenüber ZDFheute ein. Das allein reiche aber nicht aus, um Insiderhandel zu belegen, so der Experte, es müsse etwa ein belastbarer Vorsatz nachgewiesen werden.

Timing allein ist kein Beweis. Es ist häufig schwierig, solche Vorwürfe im Detail zu beweisen.

Florian Heider, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung

ZDF-Korrespondenten Elmar Theveßen und Phoebe Gaa

Trump hat sein gegenüber Iran angekündigtes Ultimatum um fünf Tage verschoben. Die ZDF-Korrespondenten in Washington und Istanbul über die Entwicklungen.

23.03.2026 | 2:32 min

Gab es vergleichbare Vorfälle in der Vergangenheit?

Es ist nicht die erste verdächtige Transaktion der vergangenen Monate: Ein Bericht des US-Investigativportals "ProPublica" deckte verschiedene Fälle auf, in denen führende Beamte kurz vor Trumps Zoll-Ankündigung Anfang April 2025 Aktienpakete verkauften.

Als Trump am 9. April diese Zölle zeitweise zurücknahm, schrieb er unmittelbar davor auf Truth Social: "Das ist eine großartige Zeit, um zu kaufen!!!"

US-Präsident Donald J. Trump hört sich während einer Kabinettssitzung im Kabinettssaal des Weißen Hauses in Washington, DC, USA, am 10. April 2025 die Bemerkungen an.

Bereits vor einem Jahr stand der Verdacht von Insider-Handel im Raum: Trumps Aussagen sorgten für Kursschwankungen an der Börse.

11.04.2025 | 2:17 min

Die Geschäftsinteressen der Trump-Familie überschneiden sich häufiger mit Regierungsentscheidungen - seien es Beteiligungen an Drohnenherstellern, Geschäfte mit Krypto-Anbietern oder Investments im Nahen Osten.

Ein Sprecher des Weißen Hauses teilte der "Financial Times" mit:

Das Weiße Haus toleriert nicht, dass Vertreter der Administration illegal von Insiderwissen profitieren und jede Unterstellung ohne Belege, dass sich Vertreter an solchen Aktivitäten beteiligten, entbehrt jeder Grundlage.

Sprecher des Weißen Hauses

Linke Bildhälfte zeigt Grafik mit Aktionkursen (Symbolbild), rechte Bildhälfte frontal-YouTube-Host Marta Orosz vorm Reichstag.

Bundestagsabgeordnete können über Milliarden entscheiden – und handeln womöglich selbst mit Aktien, die davon profitieren. Insiderwissen ist Gold wert. Doch ihre Deals sind kaum zu kontrollieren.

05.11.2025 | 13:13 min

Im Fokus steht auch der digitale Wettanbieter Polymarket. Dort hatten anonyme Nutzer mehrfach große Geldbeträge auf weltpolitische Ereignisse gesetzt - unmittelbar vor der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und auch direkt vor dem US-israelischen Angriff auf den Iran. Eine Investmentfirma von Donald Trump Jr. ist an Polymarket beteiligt und er selbst sitzt im Beratergremium der Firma.

Wird der Fall von den Behörden untersucht?

Wer diese Geschäfte tätigte, auch ob es eine Person oder mehrere waren, ist derzeit nicht öffentlich bekannt. Diese Informationen liegen den beteiligten Banken oder Finanzdienstleistern jedoch vor.

Er hoffe, dass sich die Aufsichtsbehörden diese Fälle näher anschauen, sagt Experte Kaserer. Das wäre hier die US-Börsenaufsicht SEC. Eigentlich habe sie einen Ruf, gegen Insidervergehen sehr rigoros vorzugehen, so Kaserer. Typischerweise seien das aber Verfahren um unternehmensinterne Informationen - nicht Zugang zum US-Präsidenten.

Heider merkt an, dass der US-Präsident aufgrund seiner Immunität für viele Handlungen gar nicht belangt werden könne. "Dazu kommt noch, dass Aufsichtsbehörden, das FBI und die Justiz mit loyalen Mitarbeitern besetzt wurden."

mimareporter-iran

Mehr als drei Millionen Menschen aus dem Iran sind auf der Flucht, einige erreichen den Irak. ZDF-Reporterin Golineh Atai spricht mit Betroffenen über Angst, Verlust und Hoffnung

23.03.2026 | 4:44 min

Vergangene Woche trat die Leiterin der SEC-Ermittlungsabteilung, Margaret Ryan, von ihrem Posten zurück. Reuters berichtete am Montag, Ryan sei bei Ermittlungsvorhaben im Umfeld des US-Präsidenten von SEC-Chef Paul Atkins ausgebremst worden.

Laut Reuters haben im vergangenen Jahr Hunderte SEC-Mitarbeiter die Behörde verlassen. Ihre Fähigkeit, gegen Insiderhandel und andere Formen der Wirtschaftskriminalität vorzugehen, sei unter Trump erheblich eingeschränkt worden.

Über das Thema berichtete das ZDF heute journal im Beitrag "Iran-Krieg: Trump verlängert Ultimatum" am 23.03.2026 ab 21:45 Uhr.

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