ADAC kritisiert Mineralölkonzerne:Spritpreise steigen wieder: Wie effektiv ist der Tankrabatt?
Verpufft der Tankrabatt? Die erhoffte Entlastung bei den Spritpreisen kommt laut ADAC nur teilweise bei Verbrauchern an. Die Mineralölwirtschaft widerspricht.
Nach 12 Uhr schnellen die Preise an den Tankstellen hoch. Warum spüren Verbraucher so wenig von den Maßnahmen zur Senkung der Kraftstoffpreise?
04.05.2026 | 1:30 minDie Spritpreise enttäuschen derzeit viele Autofahrer, die durch den Tankrabatt eine stärkere Entlastung erwartet hatten. Nach einem deutlichen Rückgang am ersten Tag der Steuersenkung geht es an den Zapfsäulen tendenziell wieder bergauf, wie Zahlen des ADAC und des Bundeskartellamts zeigen.
Bereits am Sonntag waren Superbenzin und Diesel pro Liter demnach im bundesweiten Tagesdurchschnitt nur noch zwischen 10 und 11 Cent billiger als am letzten Tag vor dem Start des Rabatts - also deutlich weniger als die 16,7 Cent pro Liter, um die die Steuern vorübergehend gesenkt wurden.
ADAC und Verbraucherzentrale üben Kritik
Der ADAC zieht aus den Zahlen den Schluss, dass die Energiesteuersenkung von knapp 17 Cent "noch immer nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben wurde". Eine Sprecherin kritisierte zudem, "dass die Mineralölkonzerne erneut Preise anheben, ohne dass dies durch einen steigenden Rohölpreis gerechtfertigt wäre".
Vom Verbraucherzentrale Bundesverband hieß es: "Statt Entlastung für Autofahrende droht erneut ein Konzernrabatt."
Die Befürchtungen bewahrheiten sich: Der Tankrabatt kommt nicht vollständig bei Verbraucherinnen und Verbrauchern an.
Verbraucherzentrale Bundesverband
Und SPD-Fraktionschef Matthias Miersch sagte bei RTL/ntv: "Das kann man sich nicht gefallen lassen." Eventuell müsse bei den Maßnahmen auch nachgeschärft werden.
Auch ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums betonte: "Es ist unsere klare Erwartung, dass die Mineralölkonzerne diese Steuersenkung weitergeben." Dies müsse nun beobachtet werden.
Entgegen der 12-Uhr-Regel erhöhten viele Tankstellen ihre Preise zuletzt mehrfach täglich. Jede vierte Tankstelle verstieß gegen die Vorgaben. Unklar bleibt, wer kontrolliert und wer Verstöße ahndet.
30.04.2026 | 1:55 minMineralölverband: "Tankrabatt wirkt"
Der Verband der Mineralölwirtschaft Fuels und Energie interpretierte die Zahlen anders: "Gemessen an den Tankstellenpreisen am 30. April wird der Tankrabatt von den Markentankstellen voll weitergegeben. Ohne die Steuersenkung wären die Preise rund 17 Cent je Liter höher."
Seit vergangener Woche seien die Produktpreise für Benzin und Diesel am Weltmarkt und damit die Einkaufspreise stark gestiegen. "Der Tankrabatt wirkt und schützt die Kunden in dieser Situation vor noch höheren Preisen."
Preise stiegen über das Wochenende
Am 30. April hatte Super E10 laut ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,126 Euro pro Liter gekostet, Diesel 2,215 Euro. Am Freitag ging es dann zwar deutlich auf 1,989 und 2,079 Euro nach unten. Bis zum Sonntag verteuerte sich E10 aber wieder um 2,8 Cent auf 2,017 Euro, Diesel um 2,5 Cent auf 2,104 Euro.
ZDFheute Infografik
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Das Bundeskartellamt kam in einer Auswertung zu annähernd gleichen Zahlen - die Unterschiede bewegen sich im Zehntel-Cent-Bereich. Der Präsident der Behörde, Andreas Mundt, betonte: "Die Steuersenkung soll Verbraucherinnen, Verbraucher und die Wirtschaft in einer schwierigen Phase entlasten."
Die Mineralölkonzerne sind allenfalls Treuhänder dieser Entlastung, sie ist nicht für sie bestimmt. Sie muss bei den Kunden ankommen.
Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts
Ende April beschloss der Bundestag: Ab dem 1. Mai soll eine befristete Steuersenkung auf Benzin und Diesel von rund 17 Cent gelten.
24.04.2026 | 2:36 minKartellamtspräsident rät zum Preisvergleich per App
Eine explizite Aussage darüber, ob dies im Moment der Fall ist, traf Mundt nicht. Er riet Autofahrern aber: "Der App-Vergleich ist momentan wichtiger denn je, weil Preiskurven vieler Tankstellen beziehungsweise Marken stärker variieren als sonst."
Seit Einführung der 12-Uhr-Regel springen die Preise um die Mittagszeit meist um mehr als 10 Cent nach oben, sinken dann aber am Nachmittag und noch einmal am Vormittag des nächsten Tages, bis der nächste Mittagssprung folgt.
Sprit-Diebstähle nehmen zu, vor allem an Baustellen und auf Rastplätzen wird Kraftstoff aus den Tanks von Baumaschinen und Lkws gezapft. Teilweise, während die Fahrer in den Kabinen schlafen.
24.04.2026 | 2:16 minTankstellenverband: Rabatt wirkt zeitverzögert
Der Tankstellenverband bft erklärte, es sei "ein übliches Marktphänomen", dass die Preise schwanken. Zudem wirke der Rabatt zeitverzögert, weil der Steuernachlass nur für den ab dem 1. Mai an die Tankstellen gelieferten Sprit gilt.
Eine sofortige und vollständige Weitergabe ist daher weder wirtschaftlich darstellbar noch regulatorisch vorgeschrieben.
Tankstellenverband bft
Laut bft wurde am 1. Mai "außergewöhnlich viel getankt". Durch die hohe Nachfrage sei es "stellenweise zu kurzfristigen Engpässen und leeren Tanks" gekommen - allerdings meist nur für wenige Stunden.
April war teuerster Tankmonat
Unterdessen bestätigte sich, dass der April der teuerste Tankmonat aller Zeiten war. Nach Berechnungen der Deutschen Presse-Agentur auf Basis von Daten des ADAC kostete ein Liter E10 im bundesweiten Monatsschnitt 2,11 Euro, ein Liter Diesel 2,27 Euro. Inflationsbereinigt sind dies allerdings keine Rekordwerte.
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