Reformen als "Lackmustest" für Regierung:Experte Rocholl kritisiert Finanzhilfen "mit der Gießkanne"
Ökonom Rocholl kritisiert pauschale Finanzhilfen und fordert gezielte Entlastung für Geringverdiener. Für Schwarz-Rot würden Renten-, Gesundheits- und Steuerreformen zum Test.
"Mit jedem Tag gibt es größere Herausforderungen", sagt Jörg Rocholl, Präsident der European School of Management and Technology.
27.04.2026 | 4:52 minRente, Gesundheit, Steuern - die schwarz-rote Koalition steht vor enormen Aufgaben. Doch bislang dringen eher Unstimmigkeiten zwischen Union und SPD nach außen. Aus Sicht von Ökonom Jörg Rocholl steht die Regierung vor einer entscheidenden Phase:
Das wird jetzt der große Lackmustest sein, denn jetzt kommen die großen Reformen und jetzt muss sich die Koalition zusammenreißen und diese Reformen angehen. Denn sie sind bitter nötig.
Jörg Rocholl, Präsident Wirtschaftsuniversität ESMT Berlin
Die CDU trifft sich zur Fraktionsklausur und es könnte tatsächlich ein erstes, großes Reformprojekt ins Kabinett kommen. Über das Wie bei den Reformen herrscht in der Koalition allerdings Uneinigkeit.
27.04.2026 | 2:24 minRocholl fordert gezielte Unterstützung
Deutschland stecke in einer strukturellen Krise, die Wirtschaft wachse letztlich seit 2019 nicht mehr und stehe unter Druck durch externe Krisen, betonte der Präsident der privaten Wirtschaftsuniversität ESMT Berlin und Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats des Bundesfinanzministeriums im ZDF-Morgenmagazin.
Deshalb ist es bitter nötig, zu diesen Reformen zu kommen.
Jörg Rocholl, Präsident Wirtschaftsuniversität ESMT Berlin
Bislang aber scheinen die großen Themen ungelöst - Ergebnis der Klausur der Koalitionsspitzen Mitte April waren der Tankrabatt und die geplante freiwillige Entlastungsprämie von 1.000 Euro. Außerdem will Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) am Mittwoch den Gesetzentwurf für die Reform der Gesetzlichen Krankenversicherung durch das Bundeskabinett bringen.
Ab dem 1. Mai gilt eine befristete Steuersenkung auf Benzin und Diesel von rund 17 Cent. Bundestag und Bundesrat haben außerdem die Entlastungsprämie beschlossen.
24.04.2026 | 2:36 minExperte Rocholl betont, dass viele Verbraucher bereits klug reagiert hätten, weniger Auto gefahren werde und freiwillig weniger Energie verbraucht werde. Unterstützung fordert er für Menschen mit geringeren Einkommen.
Das heißt gerade die sozial Schwachen zu unterstützen, statt jetzt mit der Gießkanne alle zu unterstützen. Also auch diejenigen, für die jetzt diese Erhöhung der Spritpreise zwar ärgerlich, aber letztlich dennoch verkraftbar ist.
Jörg Rocholl, Präsident Wirtschaftsuniversität ESMT Berlin
Die Preise an deutschen Tankstellen bleiben hoch – und die Ölkonzerne verdienen kräftig mit. Denn in Deutschland haben wenige Großkonzerne eine große Marktmacht, etwa im Bereich der Raffinerien.
14.04.2026 | 8:38 minExperte: Wichtige Reformen mit großen Auswirkungen
Mit Blick auf die drei großen geplanten Reformen zu Gesundheit, Rente und Steuern sagte Rocholl:
Alle drei Reformen sind wichtig, denn sie haben vielfältige Auswirkungen.
Jörg Rocholl, Präsident Wirtschaftsuniversität ESMT Berlin
Als Beispiel nannte er die Beitragssätze der Arbeitnehmer. Hier sei es wichtig, die Lohnnebenkosten "in Zaum zu halten" oder zu senken. Beim Thema Rente müsse der Staatszuschuss in das Rentensystem stabilisiert werden. Und die Einkommensteuer müsse gesenkt werden, um die Konsumneigung anzuregen.
"Auf jede Krise mit noch mehr Schulden zu reagieren ist nicht sinnvoll", erklärt der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Steffen Bilger (CDU). Vielmehr wäre eine Haushaltsreform nötig.
27.04.2026 | 4:53 minRocholl: Nicht über neue Schulden nachdenken
Rocholl sprach sich im ZDF auch klar gegen eine Lockerung der Schuldenbremse angesichts der angespannten weltpolitischen Lage und des Iran-Kriegs aus.
Wir sollten ja betrachten, dass schon jetzt das Sondervermögen des letzten Jahres einen großen Impuls in die Wirtschaft gibt.
Jörg Rocholl, Präsident Wirtschaftsuniversität ESMT Berlin
Das Sondervermögen führe dazu, "dass wir nicht unter die Null geraten, sondern dass wir so ein ganz schwaches Wachstum zumindest in der Prognose haben".
Deshalb bin ich strikt dagegen, jetzt wieder über neue Schulden nachzudenken, bevor wir nicht tatsächlich darüber nachgedacht haben, wie wir insgesamt die Effizienz der staatlichen Ausgaben, aber auch die Funktionsfähigkeit der Systeme auf Trab bringen.
Jörg Rocholl, Präsident Wirtschaftsuniversität ESMT Berlin
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