Straße von Hormus: Experten sehen Iran auf Eskalationskurs

Teheran meldet Angriff auf US-Schiff:Straße von Hormus: Experten sehen Iran auf Eskalationskurs

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Iran hat nach eigenen Angaben zwei Raketen auf ein US-Militärschiff abgefeuert. Experten sehen darin einen Bruch der Waffenruhe. Eine einfache militärische Lösung gebe es nicht.

Nahost-Experte Schindler

Die Revolutionsgarden würde die USA mit dem Angriff auf ihr Kriegsschiff “ausbluten lassen” wollen, sagt Nahost-Experte Schindler – und ordnet ein, was das für die Waffenruhe bedeutet.

04.05.2026 | 5:54 min

Iran hat nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars zwei Raketen auf ein US-Militärschiff in der Straße von Hormus abgefeuert. Das US-Militär bestreitet, dass das Schiff getroffen wurde. Dennoch zeigt der Vorfall laut Experten eine gefährliche Zuspitzung der Lage. Bei ZDFheute live ordneten der Nahost-Experte Hans-Jakob Schindler und der Experte für maritime Sicherheit, Moritz Brake, die Situation ein.

Schindler: Interner Machtkampf in Iran

Der Raketenbeschuss sei als Eskalation der iranischen Revolutionsgarden zu werten, sagte Schindler. Ob das Schiff tatsächlich getroffen wurde, sei zwar unklar: "Erfolgsmeldungen des iranischen Militärs muss man immer mit einer sehr großen Prise Salz nehmen." Wichtig sei jedoch, "dass sie definitiv geschossen haben". Damit hätten die Revolutionsgarden die Verhandler in ihrem eigenen System "ausmanövriert".

Das Regime sei "nicht besonders kohärent", so Schindler. Es gebe Teile des Regimes, die verhandeln möchten und wüssten, dass der wirtschaftliche Druck "nicht mehr lange durchhaltbar" sei.

Aber es gibt Teile der Revolutionsgarden, die die Amerikaner noch weiter ausbluten lassen wollen, indem sie die Straße von Hormus als Druckmittel nutzen.

Hans-Jakob Schindler, Nahost-Experte

Sie würden hoffen, dass US-Präsident Donald Trump politisch irgendwann "einknicken" wird.

 Nahost-Experte Hans-Jakob Schindler
Quelle: ZDF

... ist Nahost-Experte und "Senior Director" beim "Counter Extremism Project". Er arbeitete unter anderem in der Forschung und für den UN-Sicherheitsrat im Bereich Terrorismusüberwachung. Schindler schrieb seine Doktorarbeit über internationalen Terrorismus an der schottischen Universität in St. Andrews. 


Iran hat Waffenruhe laut Experte gebrochen

Die Waffenruhe bewertet Schindler zudem als faktisch gebrochen - durch Iran selbst. Die Vereinbarung sei zustande gekommen, "weil die Iraner garantiert haben, dass sie die Straße von Hormus öffnen". Dies hätten sie "zu keiner Stunde seit dem Beginn der Waffenruhe" getan. Insofern bestehe der Verstoß gegen die Waffenruhe "seit Beginn".

Am 26. April 2026 ist im Nordwesten von Teheran ein Banner mit der Aufschrift „Märtyrer Ayatollah Ali Khamenei“ entlang der Promenade zu sehen.

Die Verhandlungen im Iran-Krieg stagnieren: Irans Außenminister trifft Putin, Trump plant eine Krisensitzung - Kanzler Merz wirft den USA das Fehlen einer Strategie vor.

27.04.2026 | 2:28 min

Brake: "Keine einfachen militärischen Lösungen"

Die Situation in der Straße von Hormus sei verfahren, sagte der Experte für maritime Sicherheit, Moritz Brake. Eine rein militärische Lösung gebe es nicht. Die Straße von Hormus lasse sich "nicht einfach mit Marine sichern und anschließend im Friedensmodus betreiben".

Solange der Iran in der jetzigen Form fortbesteht und Angriffe ausführen kann, wird es keine Rückkehr zum Friedensmodus geben.

Moritz Brake, Experte für maritime Sicherheit

Marineexperte Brake

Die Straße von Hormus lasse sich nicht einfach mit Marine sichern und anschließend im Friedensmodus betreiben, solange der Iran in der jetzigen Form fortbestehe, sagt Marineexperte Brake.

04.05.2026 | 12:47 min

Deutschland und Europa müssten sich darauf einstellen, dass sie diese Situation "noch sehr lange begleitet". Die Blockade sei ein "Akt des Krieges, der sich von Anfang an auch direkt gegen uns richtet". Iran halte damit "die gesamte Region in Geiselhaft, aber auch die Weltwirtschaft".

Moritz Brake, Experte für maritime Sicherheit
Quelle: ZDF

... ist Experte für maritime Sicherheit. Er ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Nexmaris, Korvettenkapitän der Reserve der Deutschen Marine und Associate Fellow am Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies (CASSIS) der Universität Bonn.


Allerdings sei die Straße von Hormus militärisch kaum freizukämpfen, "solange man nicht tatsächlich den ganzen Iran ins Ziel nimmt". Brakes Fazit:

Die militärische Lösung zur Sicherung der Straße von Hormus ist der Regimechange.

Moritz Brake, Experte für maritime Sicherheit

Die autonome Drohne Seehund fährt im Hafenbecken am Marinestützpunkt Kiel.

Die Deutsche Marine bereitet sich auf einen möglichen internationalen Einsatz zur Sicherung der Straße von Hormus vor. Dafür gelten einige Bedinungen - vor allem eine Waffenruhe.

23.04.2026 | 2:41 min

Brake: "Project Freedom" bietet keine absolute Sicherheit

Die US-Initiative zur Eskorte von Handelsschiffen durch die Straße von Hormus "klingt eindrucksvoll", so Brake - doch das sogenannte "Project Freedom" könne keine hundertprozentige Sicherheit gewährleisten.

Karte: Persischer Golf mit den Golfstaaten
Quelle: ZDF

Brake verweist auf die ersten Kriegswochen: Es sei der Koalition aus USA und Israel "nicht gelungen, alle Angriffe auf die Anrainerstaaten am Golf abzufangen". Immer wieder seien Drohnen- und Marschflugkörper "erfolgreich in Israel niedergegangen", trotz fortschrittlicher Flugabwehrsysteme.

Vereinigte Arabische Emirate: Ein Tanker, der im Golf von Oman nahe der Straße von Hormus ankert.

Wegen der Blockade der Straße von Hormus stecken viele Schiffe dort fest. Die USA wollen sie herausführen. Mehrere Länder hatten laut US-Präsident Donald Trump um Hilfe gebeten.

04.05.2026 | 0:26 min

Militärische Sicherung der Straße von Hormus bleibt schwierig

Auch der Ressourcenverbrauch sei enorm: Bereits in den ersten zwei Wochen des Iran-Kriegs wurde etwa "die Jahresproduktion an Flugabwehrraketen verschossen", die die USA aufbringen können, so der Sicherheitsexperte. Wer die Straße von Hormus dauerhaft sichern wolle, habe "erstens keine absolute Sicherheit" und benötige zweitens Ressourcen, "die wir aktuell gar nicht haben und die wir an anderer Stelle dringend brauchen". Brake fordert:

Wir müssen technologisch ganz andere Antworten finden.

Moritz Brake, Experte für maritime Sicherheit

Hinzu kämen die technischen Herausforderungen: Gegen Minen müssten spezialisierte Schiffe vor Ort Räummaßnahmen durchführen, gegen Angriffe aus der Luft und dem Wasser bräuchte es Kriegsschiffe in der Nähe von Handelsschiffen. Doch diese seien "selten, sehr teuer und die kriegt man nicht schnell nach".

Zudem müssten sich Deutschland und Europa klarmachen, "wie sehr das (...) schon an unsere Grundfesten, unsere Existenz und Souveränität geht, was da passiert", sagte Brake. "Dass hier ein Akt des Krieges gegen uns stattfindet, sollte uns wachmachen, wie sehr wir verwundbar sind und wie sehr wir viel mehr noch auf unsere eigene Wehrhaftigkeit und Resilienz setzen müssen und auf Partnerschaften, die uns dabei helfen."

Die Interviews führte Christina von Ungern-Sternberg, ausgewertet hat sie Finia Dienst.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 04.05.2026 ab 14 Uhr.

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