Iran und USA: Die lange Vorgeschichte des Iran-Kriegs

Schah, Scharia und Raketen:Wie die USA und Iran zu Erzfeinden wurden

von Gert Anhalt

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Operation Epic Fury war der Höhepunkt - und noch lange nicht der Schlusspunkt - der vergifteten Beziehungen zwischen den USA und Iran. Wo liegen die Ursachen dieses Konfliktes?

Donald Trump, Ruhollah Khomeini mit der US-Flagge im Hintergrund

Der Krieg zwischen den USA und Iran hat eine lange und komplexe Vorgeschichte. Seit der islamischen Revolution ist das Verhältnis beider Länder von Hass, Gewaltandrohung und Misstrauen geprägt.

30.04.2026 | 43:31 min

Es gibt wohl weltweit keine zweite Staatenbeziehung, die über so lange so zerrüttet und hasserfüllt war die zwischen Teheran und Washington. Einige Beispiele:

  • Der Sturz von Premier Mossadegh durch die CIA
  • Die amerikanische Unterstützung für den verhassten Schah
  • Die Besetzung der US-Botschaft in Teheran
  • Die US-Hilfe für Irak im ersten Golfkrieg gegen Iran
  • Der Abschuss des iranischen Airbus mit 290 Toten
  • Die Zuordnung Irans zur "Achse des Bösen"
  • Die US-Rakete auf General Soleimani.

Montage: Die Flagge des Iran auf einer Wand, rechts dazu das Zeichen für Radioaktivität. Als Schatten auf der Wand mehrere militärische Raketen.

Eine Frage, die die Welt umtreibt: Haben iranische Fundamentalisten die Hand an der Bombe? Trotz massiver Sanktionen bauten sie über Jahrzehnte hinweg eine eigene Atomindustrie auf.

15.03.2023 | 44:40 min

Der Schah und die schiitischen Geistlichen

"Nieder mit den USA" und "Nieder mit Israel" erklingt es seit der islamischen Revolution immer wieder auf den Hasskundgebungen des iranischen Regimes. Vor 1979 war Iran fast 40 Jahre lang von Reza Pahlavi, dem Schah, regiert worden, der sowohl mit Amerika als auch mit Israel gute Beziehungen unterhielt.

Reza Pahlavi, der im Exil lebende Sohn des ehemaligen iranischen Staatschefs Schah Mohammad Reza Pahlavi, hält eine Pressekonferenz im Bundeshaus für Presse in Berlin ab.

Der Sohn des ehemaligen iranischen Schahs, Reza Pahlavi, ist auf einem Besuch in Berlin. Dass die deutsche Regierung nicht mit ihm sprechen wollte, kritisierte er scharf.

23.04.2026 | 1:54 min

Sehr schlecht aber waren seine Beziehungen zu den schiitischen Geistlichen. Die nämlich bangten um ihre Macht, hielten seine Modernisierungsversuche für Teufelszeug und warnten vor dem üblen Einfluss des Auslandes. Religiöses Erwachen, soziale Spannungen und die brutale Unterdrückung der Opposition gipfelten im Umsturz und der Vertreibung des Schahs. Und aus dem Exil schwebte Ayatollah Khomeini in Teheran ein, um den Gottesstaat zu gründen.

Revolutionswächter: Wie Irans Revolutionsgarde entstand

Zur Machtsicherung ließ er eine Miliz, die sogenannten Revolutionswächter, formen, später das "Corps der iranischen Revolutionsgarde" kurz IRGC. Jung, fanatisiert und zum Märtyrertod entschlossen, warfen sie sich 1980-1988 in die Schlachten des ersten Golfkrieges, erlitten hohe Verluste und waren danach die Helden der Republik. Nichts schweißte sie so zusammen wie der Hass auf "den kleinen und den großen Satan" Israel und die USA.

Ein Mitglied der iranischen paramilitärischen Basij-Truppe zeigt bei einer Militärparade außerhalb von Teheran das Victory-Zeichen.

Der Krieg zwischen den USA und Iran stärkt vor allem die iranischen Revolutionsgarden. Sie sind inzwischen die Herrscher im Land und schwören das Volk auf einen langen Kampf ein.

22.04.2026 | 6:06 min

Nach Khomeini kam Khamenei. Zwei "Obersten Führern" im Iran standen in 47 Jahren acht US-Präsidenten gegenüber, von denen keiner es schaffte oder keiner daran interessiert war, die Beziehungen, wenn nicht zu normalisieren, dann wenigstens zu entschärfen.

Unter Präsident Obama kam 2015 immerhin jenes internationale Abkommen zustande, das Kontrollen des iranischen Atomprogramms gegen Aufhebung der Sanktionen vorsah, an dem auch die EU und China beteiligt waren. Ein diplomatischer Meilenstein nach jahrelangen Verhandlungen. Präsident Trump kündigte es drei Jahre später.

Trumps Entscheidung für den Krieg

Die Faszination dieses (übrigens ungedienten) Präsidenten mit militärischer Macht oder deren Androhung, der aggressive Kriegerkult seines "Kriegsministers" Hegseth, das Drängen seines Freundes Netanjahu, und der Schlag gegen Venezuela - all das mag den 47. Präsidenten in den Krieg getrieben haben, auf den keiner seiner Vorgänger sich einlassen wollte.

Am 26. April 2026 ist im Nordwesten von Teheran ein Banner mit der Aufschrift „Märtyrer Ayatollah Ali Khamenei“ entlang der Promenade zu sehen.

Die Verhandlungen im Iran-Krieg stagnieren: Irans Außenminister trifft Russlands Präsident Putin, US-Präsident Trump plant eine Krisensitzung - Kanzler Merz wirft den USA fehlende Strategie vor.

27.04.2026 | 2:28 min

Denn mit den Jahren war das IRGC immer reicher, radikaler und robuster geworden und zum gefährlichsten Störenfried im Nahen Osten. Es beherrschte alle Bereiche der iranischen Wirtschaft und führte mit seiner "Achse des Widerstandes" Hilfstruppen in Libanon, Syrien, Irak, Jemen und den Palästinensergebieten an, die Israel zermürben und am Ende vernichten sollten. Das Corps mit seinen ca. 200.000 Mitgliedern kontrolliert auch das Atomprogramm - das Israel im 12-Tage-Krieg 2025 mit Unterstützung Trumps für immer beenden wollte. Was nicht gelang, weswegen Epic Fury, der epische Zorn, folgte.

Wer hat die Macht in Iran?

Zwar konnte Israel die Schattenarmeen ringsherum schwächen, aber im Iran selbst haben die IRGC-Kommandeure das Mullah-Regime inzwischen ersetzt. Nicht nur würgten sie die Volksaufstände vom Januar 2026 mit Massakern ab - weswegen sie nun auf der Terrorliste der EU stehen.

Montage; Rechts: Benjamin Netanyahu hält auf der UN-Versammlung die Illustration einer Bombe hoch, die als Schaubild für veschiedene Eskalationsstufen dienen soll. Links Raketenspitzen.

Israel und Iran: die zentralen Gegenspieler in Nahost. Die erste Folge der Hintergrund-Dokumentation zeigt deren historischen Konflikt, die Atompolitik und geopolitische Rivalität.

21.02.2026 | 51:36 min

Mit ihren Angriffen auf die Golfmonarchien und dem Würgegriff an der Straße von Hormus halten sie ihre reichen Nachbarn und die Weltwirtschaft als Geiseln und haben mächtige Druckmittel in ihrem Überlebenskampf. Ironischerweise verdanken sie das Donald Trump.

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US-Präsident Trump hat die Waffenruhe mit Iran verlängert - das Tauziehen um die Straße von Hormus geht weiter. Alle Entwicklungen im Liveblog.
Die Halle im Azadi-Sportkomplex in der iranischen Hauptstadt liegt in Trümmern, nachdem eine Reihe von Angriffen der USA und Israels die Anlage zerstört hat
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Über dieses Thema berichtet die Dokumentation "Schah, Sharia, Raketen" online verfügbar ab 29.4.2026 um 17:30 Uhr.
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