Journalist schildert Morddrohungen:Millionenschwere Online-Wetten auf den Iran-Krieg
von Nils Metzger
Internetnutzer schließen millionenschwere Wetten auf den Iran-Krieg ab. Ein israelischer Journalist berichtet nun von Morddrohungen, weil sein Bericht einer Wette in die Quere kam.
In Israel trafen iranische Raketen unter anderem ein Wohnhaus - zwei Menschen kamen dabei ums Leben. Israel greift unterdessen erneut die libanesische Hauptstadt Beirut an.
18.03.2026 | 0:20 minAm 10. März schlug eine iranische Rakete nahe der israelischen Stadt Bet Schemesch ein. In den lokalen Medien war es eine kleine Meldung - keine Verletzten, kein Sachschaden. Ein Journalist, der so eine Meldung schrieb, war Emanuel Fabian, Korrespondent des Nachrichtenportals "Times of Israel".
Dann kommen die ersten Drohschreiben
Wenige Stunden später seien die ersten Nachrichten in seinem Postfach angekommen. Fabian habe einen Fehler gemacht. Es sei keine Rakete eingeschlagen, sondern nur ein Trümmerteil einer abgefangenen Rakete abgestürzt - so schildert es Fabian in einem Artikel der "Times of Israel". Fabian verwies auf seine Informationen aus dem israelischen Militär und passte den Artikel nicht an.
Um diesen Raketeneinschlag geht es
Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von X nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von X übertragen. Über den Datenschutz dieses Social Media-Anbieters können Sie sich auf der Seite von X informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.
Tags darauf seien weitere Zuschriften gekommen - mal mit kryptischen Versprechen, er werde vielen Menschen Gutes tun, wenn er den Satz in seiner Meldung anpasse. Mal mit der versteckten Drohung, man werde sich "sehr gut kennenlernen", wenn der Satz nicht geändert werde. Es folgen anonyme Anrufe und Drohschreiben über verschiedene soziale Medien des bekannten Journalisten.
Iran hat die Tötung zweier hochrangiger Funktionäre, darunter Sicherheitschef Laridschani, bei einem israelischen Angriff bestätigt. US-Präsident Trump kritisierte die Nato wegen fehlender Unterstützung.
18.03.2026 | 2:48 minSpuren führen zu umstrittenem Wettanbieter
Der wahrscheinliche Hintergrund dieser Nachrichten: Nutzer der Online-Wettplattform Polymarket. Polymarket ist ein seit wenigen Jahren rasant wachsender Wettanbieter aus den USA, bei dem Nutzer auch auf tagespolitische Ereignisse Geld setzen können.
Aus den öffentlich einsehbaren Wetten geht hervor, dass zu dem Zeitpunkt bereits mehrere Tausend Nutzer insgesamt rund 15 Millionen Dollar auf die Frage gesetzt hatten, ob Israel am 10. März Ziel eines erfolgreichen iranischen Angriffs wird. Der Einschlag bei Bet Schemesch entschied darüber, welche Wettpartei gewinnt.
Nachdem du dafür gesorgt hast, dass wir 900.000 Dollar verloren haben, werden wir genauso viel investieren, um dich fertigzumachen.
WhatsApp-Nachricht an Emanuel Fabian
Er habe die Nachrichten an die Polizei weitergegeben, schreibt Fabian. Polymarket reagierte mit einer Nachricht auf X und verurteilte die Drohungen. Man habe die Konten der Beteiligten gesperrt.
Reaktion von Polymarket
Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von X nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von X übertragen. Über den Datenschutz dieses Social Media-Anbieters können Sie sich auf der Seite von X informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.
Verdacht auf Insider-Wetten auf Polymarket
Die Plattform Polymarket steht seit Längerem in Kritik - nicht nur wegen Wetten auf Krieg und Krisen, sondern auch weil sie nach Ansicht von Experten anfällig für Insider-Deals ist. Personen, die in Behörden oder Unternehmen arbeiten, können dort ihr exklusives Wissen zu Geld machen.
Das ist zwar in vielen Ländern, auch in Deutschland illegal, aber unter der Trump-Administration haben die USA viele staatliche Aufsichtsbehörden personell geschwächt. Außerdem ist Donald Trump Jr. über seine Investmentfirma 1789 Capital selbst an Polymarket beteiligt und sitzt in einem Beratergremium des Unternehmens.
Die Militäroperation hat sich zu einem Krieg ausgeweitet, den US-Präsident Trump gemeinsam mit Israel begonnen hat – entgegen seinem Versprechen, keine neuen Konflikte zu führen. In den USA wächst die Kritik: Eine Mehrheit der US-Amerikaner lehnt den Krieg ab.
18.03.2026 | 2:34 minIn den vergangenen Monaten hatten US-Medien mehrfach über auffällige große Wetteinsätze kurz vor Aktionen der Trump-Administration berichtet - etwa die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro oder nun jüngst der Angriff auf Iran.
Gesicherte Belege, dass Trump-Insider solche Wetten abgeschlossen haben, gibt es bislang nicht. Polymarket hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, sich an alle geltenden gesetzlichen Regelungen zu halten. In Israel wurde im Februar bereits ein Militärangehöriger wegen der Nutzung geheimer Informationen bei Polymarket-Wetten angeklagt.
Mehr zum Iran-Krieg
Militäreinsatz an der Straße von Hormus:Wegen Iran: Trump poltert gegen Deutschland und die Nato
mit Video2:32- Faktencheck
Erfundene Gerüchte über Israels Premier:Nein, Netanjahu wurde nicht bei einem Raketenangriff getötet
von Nils Metzger und Jan Schneidermit Video2:06 Chef des iranischen Sicherheitsrats:Iranischer Funktionär Laridschani von Israel getötet
mit Video1:52- Interview
Iran-Krieg:Experte zur Straße von Hormus: Deutsche Hilfe "wäre richtig"
mit Video6:18