Straße von Hormus: Deutsche Hilfe wäre laut Experte "richtig"

Interview

Iran-Krieg:Experte zur Straße von Hormus: Deutsche Hilfe "wäre richtig"

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Die USA fordern von ihren Nato-Partnern Hilfe bei der Absicherung der Straße von Hormus. Deutschland schließt das bisher aus. Sicherheitsexperte Nico Lange hält das für falsch.

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Das ganze Interview mit Sicherheitsexperte Nico Lange im ZDF-Morgenmagazin sehen Sie hier.

18.03.2026 | 6:18 min

US-Präsident Donald Trump hat die Nato-Partner scharf dafür kritisiert, die Straße von Hormus nicht militärisch absichern zu wollen. Jetzt brauche er die Hilfe auch nicht mehr, sagte er. In der Nacht zum Mittwoch meldete das US-Militär den Einsatz bunkerbrechender Bomben gegen iranische Stellungen in der Straße von Hormus.

Sicherheitsexperte Nico Lange hält es nicht für klug, dass Deutschland und einige andere europäische Nato-Partner eine militärische Sicherung der Straße von Hormus ausgeschlossen haben.

Sehen Sie das ganze Interview mit Nico Lange im ZDF-Morgenmagazin oben im Video und lesen Sie es hier in Auszügen:

Warum wäre ein Engagement Deutschlands in der Straße von Hormus wichtig?

Es gebe gute Gründe für Deutschland, nicht "reflexhaft" Nein zu sagen, und sich stattdessen anders zu verhalten. Dazu gehöre etwa das "Trump-Management", also der Umgang mit dem US-Präsidenten. Bisher habe man zu allem, was Donald Trump vorschlägt, immer "Ja, aber…" gesagt, "weil wir ein Interesse daran haben, mit den Vereinigten Staaten zusammenzuarbeiten und weil wir ihn auch brauchen, zum Beispiel bei der Ukraine".

Das zweite Argument sei:

Wir sind sehr stark betroffen. Der freie Handel durch die Straße von Hormus betrifft uns, betrifft andere Europäer, betrifft die Energiepreise. Und wir können uns doch für unsere eigenen Interessen einsetzen.

Nico Lange, Sicherheitsexperte

Ein Engagement wäre laut Lange auch "ein gutes Zeichen". Auch unterhalb der Schwelle einer Mandatsverpflichtung oder Kriegsbeteiligung gebe es Möglichkeiten, etwas zu tun, "zumal andere Europäer ja etwas machen". Der französische Präsident Emmanuel Macron etwa hat eine Beteiligung Frankreichs nicht ausgeschlossen - für einen Zeitpunkt nach den Bombardierungen in Iran.

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Iran hat die Tötung zweier hochrangiger Funktionäre bei einem israelischen Angriff, darunter Sicherheitschef Laridschani, bestätigt. US-Präsident Trump kritisierte die Nato wegen fehlender Unterstützung.

18.03.2026 | 2:48 min

Welchen Nutzen hätte Deutschland von einem Engagement?

In der Sicherheitspolitik könnten mehrere Dinge gleichzeitig richtig sein, sagt der Sicherheitsexperte. Der Iran-Krieg sei ein Krieg, der "völkerrechtlich nicht legitimiert" sei. Gleichzeitig gebe es ein berechtigtes Interesse daran, dass "dieses schreckliche Mullah-Regime des Iran bekämpft wird, dass es nicht mehr in der Lage ist, die Region zu destabilisieren und auch die eigenen Leute zu terrorisieren".

Die Karte zeigt die Straße von Hormus, eine Meerenge zwischen Oman, den VAE und Iran. Etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und verflüssigten Gases (LNG) muss durch die Straße von Hormus.


Zugleich sei richtig, dass ein solcher Krieg ein erreichbares Ziel brauche. Dies sei allerdings für viele europäische Verbündete nicht erkennbar.

Aber das Interesse an freiem Handel in der Straße von Hormus sei vorhanden - sich da zu engagieren, "wäre aus deutscher Position richtig", betont Lange. Er hebt einen weiteren Aspekt hervor:

Wenn man jetzt Staaten der Golfregion in schwieriger Lage hilft, wäre das auch geostrategisch für uns nützlich.

Nico Lange, Sicherheitsexperte

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Die Militäroperation hat sich zu einem Krieg ausgeweitet, den US-Präsident Trump gemeinsam mit Israel begonnen hat – entgegen seinem Versprechen, keine neuen Konflikte zu führen. In den USA wächst die Kritik: Eine Mehrheit der US-Amerikaner lehnt den Krieg ab.

18.03.2026 | 2:34 min

Wie könnte sich Deutschland an der Straße von Hormus engagieren?

"Wir haben sehr gute Fähigkeiten in Deutschland in Bezug auf Minenjagd und Minenabwehr, Hochleistungssonare", so der Sicherheitsexperte. "Es gibt schon Dinge, die wir tun könnten. Wir sind nur in eine Diskussion gekommen, als ginge es um eine Kriegsbeteiligung, und die ist dann reflexhaft ausgeschlossen worden."

Aber Engagement - auch mit Macht - an der Straße von Hormus wird auch in Zukunft ein Thema für die Europäer sein.

Nico Lange, Sicherheitsexperte

Deswegen seien ja einige andere bereits unterwegs.

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Wie könnte der Iran-Krieg enden?

"Donald Trump steckt in einem Dilemma, er hat einen Krieg begonnen mit unklaren Zielen oder zumindest mit sehr optimistischen Ideen", sagt Lange. Nach dem "Enthauptungsschlag und der Zerstörung vieler militärischer Einrichtungen" sei das Regime aber nicht zusammengebrochen.

Israel habe aber nun mit der Tötung des iranischen Sicherheitschefs Ali Laridschani klargemacht, dass es bestimmen wolle, wer Iran künftig führen könne. Das Dilemma Trumps bestehe darin, "dass er einerseits sagt, er will einen Deal, aber andererseits auch sagt, er will die Führung abschaffen".

Die iranische Führung werde dafür kämpfen, "dass zunächst einmal anerkannt wird, dass ein Regimewechsel nicht möglich ist", um dann vielleicht in Gespräche einzusteigen. Deshalb könne es sein, dass dieser Krieg mit Angriffen der USA und Israels und Gegenschlägen Irans erstmal eine Weile so weitergehe.

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Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete das gemeinsame ZDF-Morgenmagazin am 18.03.2026 ab 05:30 Uhr.

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