Nein, Netanjahu wurde nicht bei einem Raketenangriff getötet

Faktencheck

Erfundene Gerüchte über Israels Premier:Nein, Netanjahu wurde nicht bei einem Raketenangriff getötet

von Nils Metzger und Jan Schneider

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Pro-iranische Internetnutzer verbreiten Gerüchte über den Tod des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu. Warum man die vermeintlichen Belege leicht widerlegen kann.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu spricht während einer Pressekonferenz mit seinem indischen Amtskollegen Modi.

Unzählige Social-Media Posts behaupten, der israelische Premier sei tot oder schwer verletzt. ZDF-Faktenchecker Jan Schneider erklärt, welche KI-Fälschungen im Netz kursieren.

18.03.2026 | 2:06 min

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu, tot oder schwer verwundet, wie er aus den Trümmern eines Gebäudes gezogen wird - solche Fotos oder Videos werden in den sozialen Medien seit Tagen tausendfach geteilt.

Sie sind Teil einer Flut an pro-iranischer Propaganda, die verheerende Auswirkungen der Raketen- und Drohnenangriffe Irans und seiner Verbündeten auf Israel belegen sollen. Doch die Belege, Fotos und Videos, die so große Verbreitung finden, sind gefälscht oder aus dem Zusammenhang gerissen. Ein Faktencheck.

KI-Bilder sollen Netanjahu in den Ruinen seines Hauses zeigen

In mehreren Varianten gibt es kurze Videoclips oder Fotos, die zeigen sollen, wie Netanjahu von Soldaten oder Rettungskräften aus seiner zerstörten Residenz geborgen wird. Diese Aufnahmen finden sich auf verschiedenen Plattformen wie X, TikTok oder Instagram und erreichen dort Millionen Nutzer.

Benjamin Netanjahu, KI-Fake

Zwei der kursierenden Fake-Bilder, die eine Tötung von Benjamin Netanjahu bestätigen sollen. Sie sind nicht echt.

Quelle: X.com / ZDFheuteCheck

Eines der erfolgreichsten Videos wurde mit Googles KI-Dienst Gemini erstellt. Es weist für KI-Videos typische Fehler auf: etwa, dass eine Rettungskraft sich spontan in zwei Personen aufteilt. Dass es zweifelsfrei ein KI-Video ist, zeigt auch das enthaltene SynthID-Wasserzeichen, das Gemini bei einer Analyse des Videos auffinden kann. Auch bei anderen Bildern lassen sich klare Anzeichen für KI finden, etwa dass Details in den israelischen Flaggen auf Uniformen verwaschen angezeigt werden.

Die verschiedenen Belege sind auch nicht einheitlich. Auf verschiedenen Fotos trägt Netanjahu einen dunklen Anzug, im Video ein blaues T-Shirt.

Teheran: Trümmer bedecken das Gelände der 12.000 Zuschauer fassenden Halle im Azadi-Sportkomplex in der iranischen Hauptstadt, nachdem eine Reihe von Angriffen seitens der USA und Israels die Anlage zerstört haben.

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Altes Video aus den USA wird als neu ausgegeben

Andere Videos sollen die brennende Netanjahu-Residenz zeigen. Tatsächlich wird hier aber ein Video aus einem ganz anderen Kontext zweckentfremdet. Mit Bilderrückwärtssuchen lässt sich schnell herausfinden, dass das Video tatsächlich ein Feuer im US-Bundesstaat New Jersey am 10. Februar zeigt.

Benjamin Netanjahu, KI-Fake

Das Video einer brennenden Villa stammt tatsächlich aus den USA, was man mit Bildern auf Google Maps verifizieren kann.

Quelle: X.com / Google Maps / ZDFheuteCheck

Die echte Netanjahu-Residenz sieht völlig anders aus - sowohl das offizielle Anwesen des Premierministers, das Netanjahu seit mehreren Jahren nicht mehr bewohnt, als auch seine privaten Immobilien in Caesarea und Jerusalem. Es kursieren auch gefälschte Nachrichten, etwa eine des Büros des Premierministers auf X zu Netanjahus Verbleib - man "versuche Kontakt aufzunehmen". Das ist eine Fälschung, der offizielle Regierungskanal hat keine solche Nachricht verbreitet.

Benjamin Netanjahu, KI-Fake

Eine gefälschte Mitteilung des Büros des israelischen Premierministers.

Quelle: X.com / ZDFheuteCheck

Dazu kommt: Es gibt keinerlei Berichte von seriösen Medien über einen solchen Angriff, während andere Einschläge von Raketen in Israel direkt vermeldet und breit diskutiert werden.

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Video von Pressekonferenz wird falsch dargestellt

Auch hat sich Netanjahu seit Aufkommen der Gerüchte bereits mehrfach persönlich zu Wort gemeldet - etwa in Videoansprachen oder Pressekonferenzen. Eine Pressekonferenz am 12. März zum Stand der Militärkampagne gegen Iran wurde jedoch erneut als vermeintlicher Beleg für sein Ableben herangezogen. Der Auftritt Netanjahus sei mit Künstlicher Intelligenz erzeugt, mutmaßen einige Internetnutzer. Angeblich würde das Video eine falsche Zahl von Fingern an Netanjahus Händen zeigen - was tatsächlich lange Zeit eine Schwäche von KI-Programmen war.

Im Video, das gemeinsam mit dem Vorwurf meist gezeigt wird, hat Netanjahu jedoch eindeutig die natürliche Anzahl an Fingern an jeder Hand. Was mit viel Fantasie nach einem sechsten Finger aussehen könnte, ist einfach der Handballen.

Benjamin Netanjahu, KI-Fake

Screenshot einer Pressekonferenz von Benjamin Netanjahu am 12. März. Die Zahl seiner Finger ist korrekt.

Quelle: X.com / ZDFheuteCheck

Netanjahu zeigt sich beim Kaffeeholen

Die Gerüchte um seinen Tod kommentierte Netanjahu inzwischen sogar selbst - mit einem launigen Video, das ihn mit vollständiger Zahl an Fingern beim Kaffeeholen zeigt. Auch um dieses Video entbrannten aber sofort wieder Diskussionen im Netz. Einige Nutzer nutzten KI-Werkzeuge, um auch Irans Obersten Führer Modschata Chamenei oder Nordkoreas Obersten Führer Kim Jong-un statt Netanjahu in das Video zu kopieren. Andere Nutzer suchten ernsthafter nach Hinweisen auf KI-Manipulation, oder unterstellten, dass es sich um ein altes Video handelte.

Netanjahu zeigt sich in einem Café

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Vermeintlicher Beleg: Die Anzeige einer Kasse im Hintergrund des Cafés zeige das Datum "15.03.2024" an.

Als Beleg, dass das Video älter sei, führen einige Internetnutzer einen Screenshot einer Kasse im Hintergrund des Cafés an. Sie zeige das Datum "15.03.2024". Was sie meist mit verlinken, ist jedoch kein unbearbeiteter Screenshot aus dem Video, sondern eine mit KI angepasste Version. Im echten Video ist die Jahreszahl nicht so eindeutig zu erkennen und könnte auch 2026 lauten.

Das Café aus dem Video veröffentlichte auf seiner Instagram-Seite am Sonntag mehrere Fotos des Netanjahu-Besuchs, worauf man auch sieht, wie das Video gefilmt wurde.

In einer Ansprache am Dienstag nahm Netanjahu direkt Bezug auf die Tötung des iranischen Funktionärs Ali Larijani am gleichen Tag und traf sich mit dem US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee. "Ja, Mike, ich lebe", scherzte Netanjahu bei dem Termin.

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Bilder von Zerstörung sollen iranische Erfolge belegen

Dass Netanjahu am Leben ist, daran bestehen keine Zweifel. Die Kampagne im Netz reiht sich eine in eine Serie an falschen Behauptungen über das angebliche Ausmaß der Zerstörungen iranischer Angriffe auf Israel. Andere häufige Motive sind weinende israelische Soldaten, eine brennende Großstadt Tel Aviv oder versenkte US-Kriegsschiffe.

All das ist in diesen Wochen zentraler Bestandteil der iranischen Propaganda, mit der sie den Widerstandswillen der eigenen Bevölkerung stärken und internationalen Rückhalt gewinnen wollen. Nicht alle Videos von Angriffen sind jedoch gefälscht - sowohl aus Israel wie auch aus den arabischen Golfstaaten gibt es echtes Bildmaterial von Angriffen, bei denen quasi täglich Menschen zu Schaden kommen.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Diese KI-Fakes behaupten, Netanjahu sei tot" am 18.03.2026 um 10:14 Uhr.

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