Massive Desinformation:Diese KI-Fakes zum Iran-Krieg gehen viral
von Jan Schneider und Oliver Klein
Millionen sehen angebliche Kriegsbilder aus dem Iran-Konflikt. Viele davon sind Fakes: Clips aus Videospielen, KI-Videos oder uralte Aufnahmen.
Die USA und Israel greifen Iran an, Teheran antwortet mit Raketen- und Drohnenangriffen. Die militärische Eskalation verschärft die Spannungen im Nahen Osten.
04.03.2026 | 7:59 minDer Krieg im Iran wird längst nicht mehr nur auf dem Schlachtfeld geführt, sondern auch im Netz: Noch nie zuvor kursierten in einem aktuellen Konflikt so viele gefälschte Bilder, Videos und angebliche Augenzeugenaufnahmen.
In den Sozialen Netzwerken verbreiten sich Clips und Fotos millionenfach, die dramatische Szenen zeigen sollen. Doch ein genauer Blick zeigt: Viele dieser Inhalte sind manipuliert, KI-generiert oder stammen aus ganz anderen Zusammenhängen. ZDFheute hat einige der reichweitenstärksten Falschnachrichten untersucht.
Luftkampf-Szene stammt aus Videospiel
Eines der meistgesehenen Videos zeigt einen spektakulären Luftkampf: Eine angeblich iranische Rakete verfolgt einen angeblichen US-Kampfjet. Mit waghalsigen Flugmanövern versucht der Jet der Rakete zu entkommen, sie lässt sich jedoch nicht abschütteln.
Allein das Posting bei Instagram wurde bisher über 80 Millionen Mal angezeigt. Die Kommentare legen nahe, dass viele den Clip für authentisch halten. Doch er stammt aus dem Videospiel "War Thunder", wie Verifikationsexperten der BBC mit einer Bilder-Rückwärtssuche herausfanden:
Exakt dieselbe Szene findet sich bei Youtube in einem Account, der täglich Clips von Videospielen postet. "Deine tägliche Dosis hochwertiger Militärsimulations-Inhalte", heißt es in der Beschreibung des Accounts. Auch die Macher des Spiels bestätigten gegenüber der BBC, dass die Szene aus ihrem Spiel stammt.
Aufnahmen aus einem Videospiel werden als echte Bilder eines Luftkampfs gepostet
Quelle: ZDFWeinende IDF-Soldaten sind KI-generiert
Ein weiteres virales Video bei X zeigt angeblich israelische Soldaten, die weinend hinter einer Mauer in Deckung gegangen sind. "Die israelische Armee erleidet massive Verluste in Jerusalem und Gaza inmitten zunehmender iranischer Raketen- und Drohnenangriffe", schreibt das Online-Portal "RKM Times" dazu auf seinem X-Account. Allein dort wurde der Clip bisher rund 1,6 Millionen Mal angezeigt.
Gleich mehrere Hinweise sprechen dafür, dass das Video KI-generiert ist: Einer der Soldaten trägt in einer Szene einen Aufnäher mit der Flagge Israels auf der Brust, der in einer anderen Szene nicht zu sehen ist. Die Schriftzeichen auf dem Aufnäher ergeben keinen Sinn - ein Fehler, der in KI-generierten Clips häufig zu sehen ist.
Mit KI erstelltes Video von weinenden israelischen Soldaten - in einer Szene trägt einer der Soldaten einen Aufnäher, in einer anderen Szene ist er verschwunden.
Quelle: ZDFNutzer weisen in den Sozialen Medien auf weitere Unstimmigkeiten hin:
- Die Uniformen entsprechen nicht der standardmäßig aktiven Kampfausrüstung der IDF-Truppen.
- Das Weinen der Soldaten wirkt aufgesetzt, wie typische KI-Mimik.
- Das Gewehr wirkt unrealistisch und weist seltsame Details auf.
Das Portal "RKM Times" ist dafür bekannt, Desinformation, Fake-Bilder und Verschwörungstheorien zu verbreiten.
Über 20 Jahre alte Clips sollen aktuellen Krieg zeigen
Mehr als zwei Millionen Mal wurde allein ein Post auf X angesehen, der mehrere Explosionen in einer Stadt bei Nacht zeigt. Es wird nicht explizit genannt, wo die Szenen stattfinden sollen. Das Posting erweckt aber klar den Eindruck, es handle sich um aktuelles Bildmaterial aus der Konflikt-Region.
Aufnahmen aus dem Irak-Krieg im Jahr 2003 werden als aktuelle Videos gepostet.
Quelle: ZDFTatsächlich ist die Aufnahme mehr als 20 Jahre alt und stammt aus Bagdad - aufgenommen am 21. März 2003, dem ersten Tag der US-Großoffensive gegen die Herrschaft von Saddam Hussein im Irak. Das belegt eine Bilder-Rückwärtssuche mit Suchmaschinen.
Bild von Chamenei unter Trümmern ist Fälschung
Unter anderem auf Facebook und X wird aktuell ein Bild verbreitet, das angeblich die Bergung der Leiche des obersten Führers Irans, Ajatollah Ali Chamenei, zeigen soll. Das Bild ist jedoch mit Künstlicher Intelligenz erzeugt, wie eine Überprüfung mit Google Gemini zeigt: Teile des Bildes seien mit der Google-KI bearbeitet oder generiert worden, heißt es in der Analyse. Google fügt seinen mit KI erstellten Inhalten ein digitales Wasserzeichen hinzu und markiert sie damit.
KI-Fake soll Ali Chamenei unter Trümmern zeigen.
Quelle: ZDFZusätzlich deuten auch optische Merkmale des Bildes auf die Fälschung hin: So wäre es äußerst untypisch für Rettungskräfte, sich auf Trümmer zu stellen, unter denen eine Person so klar erkennbar ist.
Europa beobachte die Lage in Nahost genau, werde jedoch "mit Sicherheit nicht mit Truppen in diesen Krieg hineingezogen werden“, sagt Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP).
05.03.2026 | 5:11 min"Tehran Times" verbreitet gefälschtes Satellitenbild
"Eine amerikanische Radaranlage in Katar wurde heute bei einem iranischen Drohnenangriff vollständig zerstört", schreibt die iranische Tageszeitung "Tehran Times" in ihrem X-Account. Dazu postet sie jeweils ein Satellitenbild vor und nach dem Angriff.
Tatsächlich gelangen Iran Angriffe auf US-Stützpunkte in Bahrain und Katar, wie mehrere Medien berichteten. Auch Radarkuppeln wurden attackiert. Die von "Tehran Times" verbreitete Aufnahme von zerstörten Radarkuppeln sind aber nicht echt: Auf den Vorher-Nachher-Bildern sind teils unterschiedliche Gebäude zu sehen, Positionen von Straßen und Wegen, Strukturen auf Dächern weichen voneinander ab.
Gefälschtes Satellitenbild einer Radarstation in Bahrain - Positionen von Gebäuden sind unterschiedlich (türkise Markierungen), Autos parken an denselben Stellen (orange Markierungen).
Quelle: ZDFDas Vorher-Bild wurde im Februar 2025 aufgenommen und stammt vom Kartendienst Google Earth, wie OSINT-Spezialist Tal Hagin bei X schrieb. Das Nachher-Bild wurde vermutlich auf Basis dieses Satellitenfotos mit Künstlicher Intelligenz erstellt. Denn Autos, die auch auf dem Google-Earth-Foto zu sehen sind, stehen exakt an denselben Stellen.
Die "New York Times" wertete unterdessen echte Satellitenbilder des Standorts aus. Demnach sind die Schäden der Anlage sogar noch weitaus größer, als die Fake-Bilder der "Tehran Times" vermuten lassen.