Benzin und Diesel kosten über zwei Euro:Spritpreise: Kartellamt dämpft Hoffnung auf Kontrolle
Die Spritpreise steigen wegen des Iran-Kriegs immer weiter. Wirtschaftsministerin Reiche kündigt eine Kartellamtsprüfung an. Die Behörde dämpft die Erwartungen auf rasche Hilfe.
Die Kriegsfolgen zeigen sich auch an den Tankstellen: Die Benzinpreise klettern auf über zwei Euro. Manche Autofahrer weichen ins Ausland aus, denn dort sind die Spritpreise noch günstiger.
05.03.2026 | 1:50 minDer Iran-Krieg treibt die Preise an den Tankstellen in Deutschland weiter in die Höhe - und befeuert die Debatte über mögliche Schritte der Politik zur Entlastung der Verbraucherinnen und Verbraucher. Einen Tag nach dem Dieselkraftstoff hat am Donnerstag auch die günstigste gängige Benzinsorte Super E10 die Marke von zwei Euro pro Liter im bundesweiten Durchschnittspreis überschritten.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kündigte eine Überprüfung der Preise an: "Wir werden prüfen, dass nicht eine Situation ausgenutzt wird, die sich an den Märkten abbildet, aber nicht in dieser Höhe", sagte Reiche im Podcast von "Table.Briefings". Darüber sei sie mit dem Bundeskartellamt im intensiven Austausch. Eine Spritpreisbremse hatte Reiche zuvor ausgeschlossen.
Die Bundesregierung plant laut Bundeswirtschaftsministerin Reiche keine Spritpreisbremse zur Entlastung von Autofahrern.
04.03.2026 | 0:22 minKlingbeil: Darf "keine Abzocke" geben
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) drohte Mineralölkonzernen im ZDF mit Konsequenzen, sollten sie versuchen, aus der aktuellen Lage Kapital zu schlagen.
Es darf da jetzt keine Abzocke geben, und da muss Politik natürlich auch handeln und muss da klar und konsequent vorgehen.
Lars Klingbeil, Bundesfinanzminister
Die Gründe für die hohen Preise sind der Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus vor der Küste des Landes. Sie spielt für Öl- und Gaslieferungen eine wichtige Rolle. Seit der Eskalation am vergangenen Samstag sind auch Rohöl und Gas deutlich teurer geworden.
Kartellamt dämpft Erwartungen auf "kurzfristige Abhilfe"
Das Bundeskartellamt selbst teilte am Donnerstag mit, dass die Preisentwicklung für Kraftstoffe "ohnehin fortlaufend" analysiert werde. Behördenpräsident Andreas Mundt erklärte:
Sollten sich Hinweise auf kartellrechtswidriges Verhalten der Mineralölkonzerne zeigen, werden wir konsequent dagegen vorgehen.
Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts
Es gebe aber kein Instrumentarium, "um geopolitisch getriebene Preissteigerungen quasi auf Knopfdruck zu verhindern", fügte er hinzu. "Selbst ein ungewöhnlich hoher Abstand zwischen der Entwicklung des Rohölpreises und den Preisen an der Tankstelle, den wir zumindest bei E5/E10 bislang auch gar nicht sehen, würde keinen unmittelbaren Verdacht auf ein illegales Verhalten der Konzerne darstellen."
Diesel und Benzin werden im Zuge des Nahost-Krieges gerade teurer. ZDF-Wirtschaftsexperte Frank Bethmann erklärt, wie die Preise entstehen und wie die weiteren Aussichten sind.
04.03.2026 | 1:51 minDie für die Preisbildung sehr entscheidende Raffinerie- und Großhandelsebene werde derzeit ebenfalls untersucht. "Wenn wir hier Störungen des Wettbewerbs ausmachen, werden wir diese abstellen", kündigte der Kartellamtspräsident an. Für steigende Weltmarktpreise schaffe auch das allerdings "keine kurzfristige Abhilfe".
Diesel und E10 im Höhenflug
In der Preisspitze am Morgen kostete ein Liter Super E10 im Schnitt 2,003 Euro, wie der ADAC mitteilte. Am Vortag war er mit 1,995 Euro am Morgen knapp unter der Zwei-Euro-Marke geblieben.
Auch Diesel verteuert sich weiter: Am Morgen erreichte der Kraftstoff im bundesweiten Durchschnitt 2,086 Euro. Am Mittwoch waren es noch 2,054 Euro.
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Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Mittwochs - er ist für längerfristige Vergleiche aussagekräftiger, weil er die oft starken Schwankungen im Tagesverlauf ausgleicht - hatte ein Liter Diesel 2,005 Euro gekostet. Das sind 25,9 Cent mehr als am Freitag vor Ausbruch des Krieges. E10 kostete am Dienstag im Tagesschnitt 1,935 Euro pro Liter - 15,7 Cent mehr als am Freitag.
Eine Spritpreisbremse sollte gut überlegt sein. Aber wenn es in kurzer Zeit zu sehr hohen Preisen kommen sollte, müsse es zu einer Intervention kommen, sagt Top-Ökonom Felbermayr.
04.03.2026 | 19:50 minDiesel ist normalerweise billiger als E10, weil der Kraftstoff niedriger besteuert wird. Sein Preis ist aber krisenanfälliger. Auch in der Anfangsphase des Ukraine-Krieges hatte er stärker reagiert als der Benzinpreis. Einer der Gründe ist, dass Diesel auch als Ersatz für Gas verwendet wird und für die Industrie eine größere Rolle spielt.
E10 und Diesel so teuer wie zuletzt 2022
Dass E10 oder Diesel im Tagesdurchschnitt mehr als zwei Euro kosteten, war zuletzt 2022 der Fall. Daraufhin hatte der Staat die Steuern auf Diesel und Benzin von Juni bis August deutlich gesenkt, um die Autofahrer angesichts der hohen Preise zu entlasten. Damals hatte es teilweise deutliche Kritik gegeben, dass die Erleichterung die Verbraucher nur teilweise erreicht habe.
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