Gabriel Felbermayr :Neuer Wirtschaftsweiser: Spritpreisbremse nur im Notfall
Gabriel Felbermayr soll die Bundesregierung als Wirtschaftsweiser beraten. Im ZDFheute-Interview positioniert er sich zur Spritpreisbremse anders als die Wirtschaftsministerin.
Eine Spritpreisbremse sollte gut überlegt sein. Aber wenn es in kurzer Zeit zu sehr hohen Preisen kommen sollte, müsse es zu einer Intervention kommen, sagt Top-Ökonom FeIbermayr.
04.03.2026 | 19:50 minDer Iran-Krieg lässt den Diesel-Preis an deutschen Tankstellen zeitweise über zwei Euro steigen. Zu einer Spritpreisbremse wie 2022 sagt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche aber: "Das steht nicht auf der Agenda".
Doch wenn der Ölpreis eine kritische Marke erreiche, müsse sich die Politik fragen, ob sie nicht doch gegensteuern soll, sagt Ökonom Gabriel Felbermayr. Die Bundesregierung hat den Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung nun als neues Mitglied ihres Beratergremiums, der "Wirtschaftsweisen", vorgeschlagen.
Sehen Sie das ganze Interview mit Felbermayr zu den Folgen des Iran-Krieges oben im Video oder lesen es hier in Auszügen nach.
...warum Spritpreise schnell steigen und nur langsam sinken
Die steigenden Spritpreise, erklärt Gabriel Felbermayr, hängen unmittelbar mit steigenden Rohölpreisen zusammen. Durch unvorhersehbare Ereignisse veränderten sich die Märkte, was zu höheren Einkaufspreisen für die Raffinerien führe, so der Experte.
Sobald sich die Einkaufspreise für Öl erhöhten, stiegen damit auch die Produktionskosten der Mineralölunternehmen.
Was so viel Unlust herstellt bei den Konsumentinnen und Konsumenten, das ist, wenn die Rohölpreise nach oben gehen, reagiert die Zapfsäule sofort und wenn sie mal nach unten gehen, dann passiert zunächst mal gar nichts.
Prof. Gabriel Felbermayr, Ökonom
Der Wiener Ökonom Gabriel Felbermayr rückt in den Rat der Wirtschaftsweisen auf. Der Handelsexperte soll auf Ulrike Malmendier folgen. Das hat das Bundeskabinett beschlossen.
04.03.2026 | 0:33 min...wann der Staat eingreifen soll
Der Experte verweist zunächst einmal darauf, dass die Ölpreise zur Wochenmitte nicht weiter gestiegen seien. Allerdings sei die Situation "sehr dynamisch" und es müsse verhindert werden, dass sich die Preise so stark wie nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine erhöhten. In so einem Fall sollten die europäischen Staaten und die USA reagieren und zunächst ihre strategischen Erdölreserven auf den Markt bringen, empfiehlt der Ökonom.
Die Bundesregierung plant laut Bundeswirtschaftsministerin Reiche keine Spritpreisbremse zur Entlastung von Autofahrern. Neben Benzin stieg zuletzt vor allem der Dieselpreis.
04.03.2026 | 0:22 minEine Spritpreisbremse oder einen Tankrabatt, mit dem im Sommer 2022 die Energiesteuer auf Benzin und Diesel deutlich gesenkt worden war, dürfe dagegen nur im Notfall angewendet werden. Denn grundsätzlich solle sich der Staat aus diesen Märkten heraushalten, so der Wirtschaftsexperte. Man dürfe eine solche Maßnahme aber auch nicht ausschließen, "wenn es zu hohen Preisentwicklungen kommt, die auch getrieben sein können von spekulativem Verhalten".
Diesen Anlass sehe er noch nicht. Das ändere sich aber, wenn der Ölpreis einige Tage oder eine Woche steige und eine kritische Marke erreiche:
Wenn wir bei 100 oder über 100 Dollar pro Fass liegen (...), wird man sich fragen müssen, ob nicht doch mit politischen Maßnahmen gesteuert werden muss.
Prof. Gabriel Felbermayr, Ökonom
Solche Preisentwicklungen hätten für viele Menschen eine psychologisch zentrale Bedeutung.
Die Preise für Diesel und Öl ziehen massiv an und schüren die Sorge vor Inflation. Was wird warum teurer?
04.03.2026 | 3:02 min...von welchem Iran-Szenario Deutschland profitieren könnte
Langfristig könnten die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs für Deutschland auch positiv sein, erklärt Felbermayr - vorausgesetzt, die Lage in dem Land stabilisiere sich in der Zukunft und Sanktionen würden aufgehoben.
Wenn der Iran in die Weltwirtschaft zurückkehren würde, wäre das für die deutsche und europäische Wirtschaft ein großer Vorteil.
Prof. Gabriel Felbermayr, Ökonom
Die Bevölkerung Irans sei gut ausgebildet, das Land rohstoffreich, so der Ökonom. Außerdem sei das Pro-Kopf-Einkommen seit den 1970er Jahren kaum gestiegen. Wenn Deutschland und Europa hier investierten, könne dies die Konjunktur in Deutschland positiv beeinflussen, meint er und beziffert das Potenzial mit 0,5 Prozentpunkten an wirtschaftlichem Wachstum.
Als Reaktion auf die US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf Iran ist der Ölpreis innerhalb weniger Stunden um zehn Prozent gestiegen.
02.03.2026 | 1:44 minEin Vergleich mit den kürzlich geschlossenen Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien oder den Mercosur-Staaten zeige: Die Effekte für die deutsche Wirtschaft wären hier mindestens doppelt so hoch.
Die Fragen stellte Barbara Parente.