Folgen des Iran-Kriegs:Wirtschaftsweise Grimm warnt vor "Energieschock"
Steigende Ölpreise infolge der Eskalation im Nahen Osten belasten die deutsche Wirtschaft. Wirtschaftsweise Veronika Grimm warnt vor neuen Risiken für energieintensive Branchen.
Angesichts des Iran-Kriegs warnt Wirtschaftsweise Veronika Grimm vor einem neuen Energieschock.
03.03.2026 | 0:25 minDie Wirtschaftsweise Veronika Grimm hat vor einem neuen Energieschock für Deutschland durch die Eskalation im Nahen Osten gewarnt. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte Grimm am Montag:
Ein erneuter Energieschock würde eine Wirtschaft belasten, die sich noch immer von den vergangenen Preissprüngen erholt.
Veronika Grimm, Wirtschaftsweise
Analysten hielten einen Ölpreis von über 100 Dollar für möglich, wenn die Straße von Hormus faktisch gesperrt bleibe. Durch diese Meerenge verliefen rund ein Fünftel der weltweiten Öltransporte. Die Gaspreise seien zuletzt auf über 40 Euro gestiegen. Falls die LNG-Produktion in Katar nicht bald wieder aufgenommen werde, drohten weitere empfindliche Anstiege.
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Ölhandelsrouten der Welt. Doch der Schiffsverkehr kam weitgehend zum Erliegen, weil Iran drohte, auf Schiffe zu feuern.
03.03.2026 | 0:16 minGrimm sieht Deutschland in "fragiler Lage"
Deutschland treffe dies in einer ohnehin fragilen Lage, erklärte die Ökonomin, die seit 2020 dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung angehört. Besonders betroffen wären energieintensive Branchen wie Chemie, Stahl, Glas oder Papier.
Für Europa bedeutet das: steigende Energiekosten, wachsende Inflationsrisiken und zusätzliche Investitionsunsicherheit.
Veronika Grimm, Wirtschaftsweise
Sie forderte, Europas Energieversorgung widerstandsfähiger zu machen - durch diversifizierte Lieferketten, gut gefüllte Speicher, koordinierte europäische Beschaffung und einen beschleunigten Ausbau der eigenen Energieversorgung. Grimm warnte:
Wir müssen uns auf eine längere Phase erhöhter Unsicherheit einstellen.
Veronika Grimm, Wirtschaftsweise
Als Reaktion auf die US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf Iran ist der Ölpreis innerhalb weniger Stunden um zehn Prozent gestiegen.
02.03.2026 | 1:44 minEZB warnt vor höherer Inflation durch Energiepreise
Ein längerer Krieg im Nahen Osten kann nach den Worten von EZB-Chefvolkswirt Philip Lane die Inflation in der Euro-Zone anheizen und die Wirtschaft ausbremsen. Der "Financial Times" sagte Lane in einem Interview am Dienstag:
Ein Anstieg der Energiepreise übt tendenziell Inflationsdruck aus, insbesondere kurzfristig.
Philip Lane, EZB
Das könne sich auch negativ auf die Konjunktur auswirken. Die Folgen für die Inflation hängen von der Dauer des Konflikts ab, sagte der Notenbanker weiter. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde die Lage beobachten.
Lane verwies auf frühere Analysen der EZB. Demnach würde ein längerer Krieg zu einem "deutlichen Anstieg" der energiepreisbedingten Inflation und einem "starken Rückgang" der Wirtschaftsleistung führen, sollte es zu einem dauerhaften Rückgang der Energielieferungen aus der Region kommen.
Eine separate Analyse der EZB vom Dezember deutet darauf hin, dass ein dauerhafter Ölpreisanstieg in dieser Größenordnung die Inflation um 0,5 Prozentpunkte anheben und das Wachstum um 0,1 Prozentpunkte dämpfen könnte.
Grafikvideo zur Bedeutung der Meerenge
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