Experte: Härteste Gegenangriffe Irans stehen eventuell noch bevor

Interview

Krieg zwischen Israel, USA und Iran:Sicherheitsexperte warnt vor weiteren harten Angriffen Irans

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Sicherheitsexperte Nico Lange hält weitere Gegenangriffe Irans auf Israel und US-Stützpunkte für wahrscheinlich. Ein Regimewechsel durch Luftschläge sei dagegen unrealistisch.

Nico Lange

Irans Reaktion auf die Angriffe der USA und Israels werde nach Einschätzung von Sicherheitsexperte Nico Lange in mehreren Schritten erfolgen. "Möglicherweise stehen die härtesten Gegenschläge noch bevor".

02.03.2026 | 5:52 min

Die härtesten Gegenangriffe Irans auf Israel, US-Stützpunkte in der Region und die Golf-Staaten stehen laut Sicherheitsexperte Nico Lange möglicherweise erst noch bevor. Man müsse davon ausgehen, dass noch "erhebliche Kapazitäten für Raketenabschüsse" in Iran vorhanden sind, die etwa unterirdisch versteckt wurden, erklärt der Senior Fellow der Münchner Sicherheitskonferenz im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF.

Seit Samstag greifen die USA und Israel Iran aus der Luft an, wobei der oberste iranische Führer Ayatollah Ali Chamenei getötet wurde. Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel und US-Stützpunkte in der Golf-Region. Zuvor waren Verhandlungen über eine atomare Abrüstung Irans mit den USA gescheitert. Weitere Verhandlungen sind nicht in Aussicht. Der iranische Sicherheitschef Ali Laridschani schloss sie zuletzt aus, stattdessen war bei der iranischen Führung von Rache und Vergeltung die Rede.

In New York zeigen Tausende ihre Unterstützung für den US-Militäreinsatz.

Laut US-Präsident Trump wird es noch vier Wochen Angriffe auf Iran geben. Auch mit weiteren US-Opfern rechnet er. Derweil zeigten in New York Tausende ihre Unterstützung für den Militäreinsatz.

02.03.2026 | 0:33 min

Lange: Regimewechsel in Iran "optimistisch"

"Iran hat immer in mehreren Schichten reagiert auf solche Angriffe", erklärt Lange. Neben den eigenen militärischen Mitteln setze Iran zudem auch weiterhin auf seine "Proxys", Stellvertreter wie die Hisbollah, die ebenfalls bereits Israel angegriffen hat.

Eine iranische Rakete ist am 02.03.2026 am Himmel über der Stadt Nablus im Westjordanland zu sehen.

Eine iranische Rakete ist am 2. März am Himmel über der Stadt Nablus im Westjordanland zu sehen.

Quelle: epa

US-Präsident Donald Trump hatte am Samstag durchblicken lassen, dass ein Regimewechsel in Iran ein Ziel der Luftangriffe ist. Es sei "sehr optimistisch zu denken, dass man durch Luftschläge ein Regime zu Fall bringen kann", sagt Lange dazu. Nach allem, was man bisher sehen könne, hätten die iranischen Revolutionsgarden immer noch die Kontrolle im Land, die Kommandostrukturen funktionierten noch, berichtet der Sicherheitsexperte.

Nico Lange
Quelle: Tobias Koch

... ist Senior Fellow bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Von 2004 bis 2006 forschte und lehrte er in St. Petersburg - später leitete er die Auslandsbüros der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in der Ukraine und in den USA. Von 2019 bis 2022 war er Leiter des Leitungsstabes im Bundesministerium der Verteidigung.


Möglich sei also auch, dass die USA selbst mit der Zeit unter Druck geraten, weil die Angriffe gegen Israel und die US-Kräfte in der Region zunehmen. Lange schließt daher nicht aus, dass die USA ihre Ziele in Iran demnächst umdefinieren, "um wieder einen Weg herauszufinden aus dieser militärischen Kampagne."

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Experte: Europa hat keinen Einfluss in Nahost

Europa habe in diesem Konflikt seiner Meinung nach nur eine Möglichkeit:

Wir müssen uns ehrlicherweise eingestehen: Wir haben keinen Einfluss auf die Entwicklungen im Nahen Osten.

Nico Lange, Sicherheitsexperte

Stattdessen sollten die Europäer sich weiter mit aller Kraft für einen Waffenstillstand in der Ukraine einsetzen.

Das Interview führte Philip Wortmann, zusammengefasst hat es Marie Ahlers.

Quelle: ZDF, Reuters
Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 02.03.2026 ab 5:30 Uhr.

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