Lage in Iran: Welche Videos sind echt und welche fake?

Faktencheck

Beschuss von Mädchenschule und Hotels:Iran-Angriff: Welche Videos sind echt und welche fake?

von Nils Metzger und Jan Schneider

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Zum Angriff auf Iran und der Reaktion Teherans kursieren im Netz auch falsche Behauptungen und Videos, etwa zum tödlichen Beschuss einer Mädchenschule. Ein Faktencheck.

Archiv: Ajatollah Ali Chamenei (l), Oberster Führer des Iran, in einer Sitzung in Teheran.

Das geistliche Oberhaupt Irans, Ajatollah Ali Chamenei, ist tot - das bestätigte das Staatsfernsehen. Er soll bei den israelisch-amerikanischen Luftangriffen getötet worden sein.

01.03.2026 | 0:33 min

Der Angriff Israels und der USA auf den Iran und die Gegenschläge Teherans gegen Ziele in der gesamten Region beschäftigen das Netz. Nicht alle der Videos und Behauptungen, die sich dort mit großer Reichweite verbreiten, sind korrekt.

Videomaterial von zerstörter Mädchenschule ist verifiziert

Bei einem Luftangriff am Samstag auf eine Mädchenschule im südiranischen Minab sind iranischen Staatsmedien zufolge mindestens 85 Schülerinnen getötet worden. Diese Zahl der Opfer kann nicht unabhängig verifiziert werden; in Bild- und Videoaufnahmen von vor Ort sind mehrere Leichen von Kindern in den Trümmern zu erkennen. Die in den USA ansässige, unabhängige iranische Menschenrechtsorganisation HRA vermeldete auf ihrer Webseite Dutzende Todesopfer.

Iran Schule

Die Lage der Schule auf Satellitenbildern bei Google Maps.

Quelle: ZDFheute / Google Maps / Iranische Staatsmedien

Die Zerstörung ist durch zahlreiche Videoaufnahmen der Räumarbeiten belegt. Iranische Medien berichten intensiv von vor Ort und stellen das Ereignis ins Zentrum ihrer Regime-Propaganda. Im Netz kursieren zudem auch falsche Behauptungen.

Einige Nutzer und auch der KI-Dienst Grok warfen etwa dem ZDF vor, die Videoaufnahmen seien alt und würden von einem Taliban-Angriff auf eine Schule in Pakistan im Dezember 2014 stammen. Das ist nicht korrekt; das im ZDF gezeigte Videomaterial aus Minab ist aktuell und der Ort der Aufnahme unter anderem anhand von Satellitenbildern verifiziert.

Grok Screenshot

Screenshot eines Posts des KI-Dienstes Grok auf der Plattform X.

Quelle: ZDFheute / Grok / X.com

Das Videomaterial von 2014 aus Pakistan, auf das sich der Grok-Post von Samstag bezieht, zeigt andere Bilder und wird vom ZDF in der aktuellen Berichterstattung nicht genutzt. Es gibt keine Ähnlichkeiten zu den aktuellen Aufnahmen aus Minab. Von Nutzern auf diese Diskrepanz hingewiesen, antwortete Elon Musks KI-Dienst später, dass er sich geirrt habe und das vom ZDF verwendete Videomaterial aus Minab aktuell sei.

Grok bestätigt: Material ist aktuell

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Menschen beobachten von einem Dach aus, wie nach einem Angriff in Teheran eine Rauchwolke aufsteigt.

Bei den Angriffen der USA und Israel auf Iran sind mehrere wichtige Führungspersonen getötet worden, darunter Oberhaupt Chamenei. Iran hat mit Gegenangriffen reagiert.

01.03.2026 | 1:46 min

Video von iranischer Abfangrakete aus anderem Landesteil

Im Zusammenhang mit der zerstörten Schule wird auch häufiger behauptet, Iran selbst sei für die Bombardierung verantwortlich; Ursache sei eine fehlgeleitete Abfangrakete gewesen. Das Foto, das dafür als Beleg herangezogen wird, stammt jedoch nicht aus Minab, sondern wurde rund 1.300 Kilometer entfernt im nordiranischen Zanjan aufgenommen.

Das im Hintergrund der Aufnahme zu sehende schneebedeckte Alborz-Gebirge, die am unteren Bildrand zu erkennenden Gebäude inklusive Leuchtreklame sowie der auf einem Dach angebrachte Funkmast ermöglichen eine Verortung der Aufnahmen.

Entfernung vom Ort des Raketenvideos zur Schule in Minab

Das Bild der fehlgeleiteten iranischen Rakete wurde über 1.300 Kilometer entfernt von der zerstörten Schule von Minab aufgenommen. Zahlreiche Details an mehreren Gebäuden, etwa die Formen der Dächer ermöglichen eine Verifizierung des Ortes.


Lag die Schule auf einem Gelände der Revolutionsgarde?

Unklar ist bislang, warum die Schule in Minab getroffen wurde. Sie lag in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer militärischen Einrichtung der Revolutionsgarde. Das zeigen bei Google Maps hinterlegte Bilder des Eingangsportals zu dem Gelände.

Die Schule war jedoch durch eine Mauer und eine separate Zufahrt klar von diesem Gebäudekomplex getrennt. Möglich ist, dass die Schule verwechselt und versehentlich ebenfalls als Ziel ausgewählt wurde.

Iran Schule

Die Lage der Schule in Minab (weiße Markierung) auf Google-Satellitenbildern. Die Gebäude der Revolutionsgarde sind durch Mauern abgegrenzt (orangene Markierung).

Quelle: ZDFheute / Google Maps

Auf Videoaufnahmen von vor Ort sind weitere Rauchsäulen zu erkennen, es ist also möglich, dass auch benachbarte Gebäude der Revolutionsgarde bombardiert wurden. Auf eine Anfrage der "New York Times" hin teilte das für die Region zuständigen Kommando der US-Streitkräfte mit:

Berichte über zivile Opfer als Resultat andauernder Militäroperationen sind uns bekannt. Wir nehmen diese Berichte ernst und untersuchen sie.

US-CENTCOM gegenüber der "New York Times"

In diesen Aufnahmen von Augenzeugen sind weitere Rauchsäulen auf dem Gelände der Revolutionsgarde zu erkennen:

Aufnahmen vom Komplex der Revolutionsgarde

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Falsche Behauptungen zu Angriffen auf Luxushotels

Auch zu den iranischen Gegenangriffen auf Ziele in den arabischen Golfstaaten kursieren verschiedene widerlegbare Behauptungen. Teils wird echtes Videomaterial falsch verortet, etwa Explosionen in Bahrain als Vorfall in Katar oder anderen Orten ausgegeben; teils werden Ereignisse übertrieben dargestellt.

Moderatorin im Schaltgespräch mit Korrespondent Sven Rieken

Durch den Krieg in Nahost ist unter anderem der Flugverkehr in der gesamten Golfregion massiv eingeschränkt. Korrespondent Sven Rieken berichtet über die aktuelle Lage in Dubai.

01.03.2026 | 1:32 min

Einen Angriff iranischer Drohnen auf das höchste Gebäude der Welt, den Burdsch Chalifa in Dubai, hat es nicht gegeben. Ein viel geteiltes Video ist eine optische Täuschung, bei der eine offenbar abgeschossene Drohne hinter dem Gebäude verschwindet und explodiert. Die brennenden Trümmer lassen es so erscheinen, als sei der Wolkenkratzer selbst getroffen worden. Das ebenso bekannte Hotel Burdsch Al Arab hingegen wurde tatsächlich getroffen.

Der Burdsch Chalifa wurde nicht direkt getroffen

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Ein viraler Clip mit Hunderttausenden Aufrufen auf Instagram und anderen Plattformen behauptet, iranische Raketen hätten ein Hotel im Besitz von Donald Trump in Dubai getroffen. Verbunden wird das teils mit der Behauptung, die iranischen Angriffe auf die Golfstaaten würden ausschließlich militärische Ziele oder solche mit Bezug zur US-Führung oder Israel treffen. Das ist falsch.

Bei dem Video handelt es sich um einen Einschlag am Fairmont Hotel auf der künstlichen Insel "The Palm" - eine Verbindung zu Trump ist hier nicht bekannt. Viele weitere Ziele, darunter zivile Flughäfen in mehreren Staaten, wurden von Iran angegriffen. Dabei wurden Zivilisten aus verschiedenen Ländern verletzt und getötet.

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