Irans getöteter oberster Führer :Repression, Gewalt, Zensur: Wer war Ali Chamenei?
Ali Chamenei hielt den Iran mit harter Hand unter Kontrolle. Proteste ließ der Ajatollah brutal niederschlagen, Freiheiten systematisch unterdrücken.
Knapp 37 Jahre lang stand Ajatollah Ali Chamenei an der Spitze Irans. Nun wurde das geistliche Oberhaupt bei den Angriffen Israels und der USA getötet.
01.03.2026 | 1:48 minUS-Präsident Donald Trump verkündete die Weltsensation: Ajatollah Ali Chamenei, "einer der bösesten Menschen in der Geschichte", sei tot, erklärte er am Samstag in seinem Onlinedienst Truth Social. Am Sonntagmorgen bestätigte auch das iranische Staatsfernsehen den Tod des 86-Jährigen und verkündete eine 40-tägige Staatstrauer. Getötet wurde Chamenei bei US-israelischen Luftangriffen, die seine Residenz in Teheran in Schutt und Asche legten.
Als geistliches Oberhaupt des Iran lenkte Chamenei mehr als drei Jahrzehnte lang die Geschicke der Islamischen Republik. Den Posten übernommen hatte er 1989 nach dem Tod von Republikgründer Ajatollah Ruhollah Khomeini.
Das geistliche Oberhaupt Irans, Ajatollah Ali Chamenei, ist tot - das bestätigte das Staatsfernsehen. Er soll bei den israelisch-amerikanischen Luftangriffen getötet worden sein.
01.03.2026 | 0:33 minChamenei überstand mehrere Krisen
Seither überstand er mehrere Krisen wie einen Studentenaufstand 1999, Massenproteste wegen einer umstrittenen Präsidentenwahl 2009, niedergeschlagene Demonstrationen 2019 und die landesweiten Proteste nach dem Tod der Kurdin Mahsa Amini 2022. Zuletzt hatte die iranische Führung im Januar erneut Proteste niedergeschlagen. Ausgelöst worden waren sie durch die schlechte wirtschaftliche Lage des Landes.
Wie ernst meint es US-Präsident Trump mit seinen Aussagen? Dazu eine Einschätzung von ZDF-Korrespondentin Claudia Bates aus Washington.
28.02.2026 | 1:01 minDer 1939 als Sohn eines Geistlichen in der ostiranischen Pilgerstadt Maschhad geborene Chamenei gehörte seit seinen Studientagen an den Religionsseminaren in Ghom zum innersten Kreis um Ajatollah Khomeini. Schon früh fiel der junge Geistliche als geschliffener Redner auf.
Aktivitäten gegen Schah-Herrschaft
Wegen seiner Aktivitäten in der Opposition gegen die Herrschaft des Schahs wurde er wiederholt inhaftiert, nach dem Sieg der Islamischen Revolution 1979 stieg er dann rasch in die Staatsführung auf.
Am 4. Juni 1989, einen Tag nach Khomeinis Tod, wählte ihn der Expertenrat, neben dem Wächterrat das höchste Gremium der Islamischen Republik, überraschend zu dessen Nachfolger als "Revolutionsführer". Den dazugehörigen religiösen Ehrentitel eines Ajatollahs erhielt er damals nur unter Murren der schiitischen Geistlichkeit.
Doch der Ajatollah vertrat ein streng konservatives Weltbild, das er mit aller Härte durchsetzte. Die Öffnung des politischen Systems lehnte er ebenso ab wie jede Lockerung der strengen Kleiderregeln oder der scharfen Zensurmaßnahmen.
Die iranische Opposition im In- und Ausland ist zerstritten. Trotzdem gilt besonders eine Figur als Gegenspieler des Mullah-Regimes und möglicher Kandidat für eine neue Regierung.
28.02.2026 | 3:13 minMisstrauen gegenüber USA
Vor allem aber widersetzte er sich einer Annäherung an die USA, denen er zutiefst misstraute: Chamenei war nicht bereit, ihre Unterstützung für das autoritäre Schah-Regime zu vergessen, ebenso wie die US-Schützenhilfe für den irakischen Machthaber Saddam Hussein im Iran-Irak-Krieg zwischen 1980 und 1988. Die feindselige Politik mehrerer US-Präsidenten bis hin zu Donald Trump bestätigte sein Misstrauen gegenüber dem "Großen Satan" nur.
Eine der größten Herausforderungen seiner Macht erlebte Chamenei, als nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad 2009 Hunderttausende Iraner auf die Straße gingen und einen Systemwechsel forderten. Doch die sogenannte Grüne Bewegung ließ Chamenei ebenso brutal niederschlagen wie die Proteste, die Ende 2019 nach einer Erhöhung der Benzinpreise das Land erschütterten oder wie die Massendemonstrationen nach dem Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini, die im September 2022 nach ihrer Festnahme wegen angeblichen Verstoßes gegen die Kleiderordnung gestorben war.
US-Präsident Trump meldete sich mit einer Videobotschaft zu Wort – aufgezeichnet in der Nacht in seinem Privatanwesen in Florida. Welche Botschaft sendet er damit an Amerika und an den Iran?
28.02.2026 | 4:11 minUnterstützung für Hisbollah und Hamas
Jahrelang demonstrierte Chamenei mit seinem konfrontativen Kurs gegenüber den USA und Israel seine Stärke und unterstützte pro-iranische Milizen wie die libanesische Hisbollah oder die palästinensische Hamas, während er gleichzeitig einem direkten Konflikt auswich. Diese Strategie fand im vergangenen Jahr ein abruptes Ende: Israel griff den Iran mit Unterstützung der USA im Juni militärisch an, um dessen Atomprogramm zu zerstören. In einem zwölftägigen Krieg wurde die militärische Unterlegenheit des Iran deutlich.
Bedroht war aber auch das physische Überleben Chameneis, denn Israel tötete damals reihenweise hochrangige Militärchefs und Atomwissenschaftler des Iran mit gezielten Angriffen. Trump soll damals jedoch nach Angaben eines US-Regierungsvertreters noch Einspruch gegen einen israelischen Plan eingelegt haben, Irans geistliches Oberhaupt direkt zu töten. Dieses Mal war es offensichtlich anders.
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