Szenarien:Nach Chameneis Tod: Wie geht es in Iran jetzt weiter?
Wie geht es weiter in Iran nach dem Tod des mächtigsten Mannes im Land - Ajatollah Ali Chamenei? Kippt das Herrschaftssystem? Einige Szenarien.
Das geistliche Oberhaupt Irans, Ajatollah Ali Chamenei, ist tot - das bestätigte das iranische Staatsfernsehen.
01.03.2026 | 0:33 minIrans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei hat Iran in seinen fast vier Jahrzehnten an der Macht geprägt wie niemand sonst. Sein Tod markiert eine Zäsur, das Herrschaftssystem der Islamischen Republik ist erschüttert. Wie geht es weiter?
Was bedeutet Chameneis Tod für Iran?
Dem Staatsapparat dürfte es schwerfallen, während der laufenden US-israelischen Angriffe das Machtgefüge neu zu ordnen. Aber bricht es in sich zusammen? Zumindest kurzfristig sehen Experten das skeptisch: Das Herrschaftssystem hat sich in Jahrzehnten massiv gefestigt und kontrolliert über seinen Sicherheitsapparat das öffentliche Leben. Der Iran-Experte Ali Fathollah-Nejad erklärte im ZDF heute-journal:
Auch wenn Chamenei tot ist - eine zentrale ideologische Figur - bedeutet es nicht, dass wir ein Ende des Regimes sehen müssen.
Ali Fathollah-Nejad, Politikwissenschaftler
Welche Pläne verfolgen die USA und Israel mit den Angriffen auf Iran? ZDF-Korrespondenten Thomas Reichart aus Tel Aviv und Claudia Bates aus Washington ordnen ein.
28.02.2026 | 5:29 minThomas Juneau, Professor an der kanadischen Universität Ottawa, schrieb auf der Plattform X: Die Islamische Republik könne "den Verlust mehrerer Schlüsselfiguren verkraften", genauso wie mehrtägige Luftangriffe.
Solange sich Chameneis Nachfolger auf regierungstreue Sicherheitskräfte stützen können, um mögliche Proteste zu unterdrücken und es keine Palastrevolte innerhalb der Führungszirkel gibt, könnte das System Bestand haben.
ZDF-Korrespondentin Golineh Atai bezeichnet die Situation in den Golfstaaten nach den iranischen Angriffen als sehr kritisch. Der Iran habe eine rote Linie überschritten.
28.02.2026 | 2:42 minWer hat jetzt in Iran das Sagen?
Vorübergehend soll staatlichen Medien zufolge ein Dreier-Gremium die Führung des Landes übernehmen: Präsident Massud Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi und ein Jurist des sogenannten Wächterrats. Unumstritten unter Experten ist, dass ein neuer Religionsführer zunächst kaum die gleiche Autorität genießen werde wie Chamenei.
Wie ernst meint es US-Präsident Trump mit seinen Aussagen? Dazu eine Einschätzung von ZDF-Korrespondentin Claudia Bates aus Washington.
28.02.2026 | 1:01 minWelche Szenarien sind denkbar?
- Kontinuität: Irans Führung stellt sich neu auf, die Sicherheitskräfte unterdrücken mögliche Proteste, Teheran verkraftet die Luftschläge und erhöht mit Gegenschlägen die Kosten für die Angreifer. Dann würden die Staaten in der Region unruhig werden und sich um eine Vermittlungslösung bemühen, schreibt etwa Iran-Experte Vali Nasr, Professor an der US-Universität Johns Hopkins, auf X. Falls US-Präsident Donald Trump keinen schnellen Sieg vermelden kann, dürfte er nach einem Ausweg suchen, so die Argumentation.
- Massenproteste: Schon in der Nacht auf Sonntag kam es Berichten zufolge mancherorts zu Freudenfeiern - ob es Einzelfälle waren oder verbreiteter Jubel, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Massenproteste im Inland könnten die neue Führung zusätzlich unter Druck setzen. Bislang haben die Sicherheitskräfte Proteste aber immer wieder brutal unterdrückt.
- Palastrevolte: Theoretisch könnte im komplexen Herrschaftssystem der Islamischen Republik auch ein Flügel aufbegehren und die Macht an sich reißen, etwa seitens des Militärs oder der mächtigen Revolutionsgarden. Bislang schien die Führungsriege aber immer treu zum System zu stehen.
US-Generalleutnant a.D. Ben Hodges wirft der US-Regierung vor, sie habe keinen Plan für den Iran nach einem Regimewechsel. Das iranische Raketenprogramm sei keine Bedrohung für die USA.
28.02.2026 | 5:56 min- Schah-Sohn für den Übergang: Der im Exil lebende Sohn des 1979 gestürzten Schahs von Persien, Reza Pahlavi, bringt sich als Übergangsführer ins Spiel. Er wolle den Weg hin zu einer neuen Verfassung und Wahlen frei machen. Pahlavi ist eine der bekanntesten Figuren der Opposition im Exil - wie groß sein Rückhalt im Land tatsächlich ist, ist unklar.
- Regionaler Krieg: Der Iran-Experte Ali Vaez von der Denkfabrik Crisis Group schrieb auf X, Vergeltungsmaßnahmen des Irans würden wahrscheinlich nicht nur direkt, sondern asymmetrisch erfolgen, möglicherweise an mehreren Fronten gleichzeitig - etwa durch die Hisbollah im Libanon oder die Huthi im Roten Meer. Dann könne aus einem bilateralen Konflikt "ein regionaler Krieg" im Nahen Osten werden. Mit einer Blockade der für den globalen Öltransport wichtigen Straße von Hormus würde zudem die Weltwirtschaft unter Druck geraten.
Nach den Luftangriffen durch Israel und die USA hat Iran mit Vergeltungsschlägen reagiert. Außerdem wurde die für die Ölindustrie wichtige Schifffahrtsstraße von Hormus gesperrt.
01.03.2026 | 0:29 minAlle Entwicklungen zur Eskalation in Nahost finden Sie in unserem Liveblog: