Szenarien:Nach Chameneis Tod: Wie geht es in Iran jetzt weiter?
Wie geht es weiter in Iran nach dem Tod des mächtigsten Mannes im Land - Ajatollah Ali Chamenei? Kippt das Herrschaftssystem? Einige Szenarien.
Bei den Angriffen der USA und Israel auf Iran sind mehrere wichtige Führungspersonen getötet worden, darunter Oberhaupt Chamenei. Iran hat mit Gegenangriffen reagiert.
01.03.2026 | 1:46 minIrans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei hat Iran in seinen fast vier Jahrzehnten an der Macht geprägt wie niemand sonst. Sein Tod markiert eine Zäsur, das Herrschaftssystem der Islamischen Republik ist erschüttert. Wie geht es weiter?
Laut der Zeitschrift "Atlantic" soll die iranische Führung ihn um einem Gespräch gebeten haben. Israel kündigte dennoch an, die Angriffe auf Teheran zu verstärken.
01.03.2026 | 1:46 minWas bedeutet Chameneis Tod für Iran?
Dem Staatsapparat dürfte es schwerfallen, während der laufenden US-israelischen Angriffe das Machtgefüge neu zu ordnen. Aber bricht es in sich zusammen? Zumindest kurzfristig sehen Experten das skeptisch: Das Herrschaftssystem hat sich in Jahrzehnten massiv gefestigt und kontrolliert über seinen Sicherheitsapparat das öffentliche Leben. Der Iran-Experte Ali Fathollah-Nejad erklärte im ZDF heute-journal:
Auch wenn Chamenei tot ist - eine zentrale ideologische Figur - bedeutet es nicht, dass wir ein Ende des Regimes sehen müssen.
Ali Fathollah-Nejad, Politikwissenschaftler
Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei wurde bei US- und israelischen Angriffen getötet. ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa ordnet die Folgen für das Regime ein.
01.03.2026 | 2:24 minAuch die Nahost-Expertin Marie-Theres Sommerfeld erwartet keinen abrupten Systembruch. "Es gibt relativ festgefahrene Wege", sagte sie ZDFheute live - eine Hierarchie und einen klaren Ablaufplan für die Zeit nach dem Tod des Revolutionsführers. Der Staatsapparat sei "darauf ausgelegt, der Islamischen Revolution zu dienen" und die Herrschaft aufrechtzuerhalten. Möglich sei sogar, dass ein neuer Revolutionsführer bestimmt werde, "ohne öffentlich benannt zu werden", um ihn vor Angriffen zu schützen.
Langfristig sieht Sommerfeld die größte Gefahr für das Regime weniger außenpolitisch als im Inneren: Ein Machtvakuum könne zu "längerfristigen internen Konflikten" führen - ob es zu einem echten Wandel komme, hänge davon ab, ob sich im Iran erneut Proteste formieren und wie brutal sie unterdrückt würden.
ZDF-Korrespondentin Golineh Atai bezeichnet die Situation in den Golfstaaten nach den iranischen Angriffen als sehr kritisch. Der Iran habe eine rote Linie überschritten.
28.02.2026 | 2:42 minWer hat jetzt in Iran das Sagen?
Vorübergehend soll staatlichen Medien zufolge ein Dreier-Gremium die Führung des Landes übernehmen: Präsident Massud Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi und ein Jurist des sogenannten Wächterrats. Unumstritten unter Experten ist, dass ein neuer Religionsführer zunächst kaum die gleiche Autorität genießen werde wie Chamenei.
ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa erklärte: Zwar hätten sich in den vergangenen Jahren mehrere Männer als mögliche Nachfolger in Stellung gebracht, doch diese Namen seien "nur gerüchteweise bekannt". Zudem sei unklar, wer von ihnen noch am Leben sei und welche Absprachen aus den bisherigen Machtzirkeln noch gelten.
Deshalb gehe ich davon aus, dass dieser Übergang nicht so reibungslos abläuft, wie sich das vielleicht in der Verfassung erst einmal liest.
Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin
Knapp 37 Jahre lang stand Ajatollah Ali Chamenei an der Spitze Irans. Nun wurde das geistliche Oberhaupt bei den Angriffen Israels und der USA getötet.
01.03.2026 | 1:48 minWelche Szenarien sind denkbar?
- Kontinuität: Irans Führung stellt sich neu auf, die Sicherheitskräfte unterdrücken mögliche Proteste, Teheran verkraftet die Luftschläge und erhöht mit Gegenschlägen die Kosten für die Angreifer. Dann würden die Staaten in der Region unruhig werden und sich um eine Vermittlungslösung bemühen, schreibt etwa Iran-Experte Vali Nasr, Professor an der US-Universität Johns Hopkins, auf X. Falls US-Präsident Donald Trump keinen schnellen Sieg vermelden kann, dürfte er nach einem Ausweg suchen, so die Argumentation.
- Massenproteste: Schon in der Nacht auf Sonntag kam es Berichten zufolge mancherorts zu Freudenfeiern - ob es Einzelfälle waren oder verbreiteter Jubel, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, erklärt ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa. Massenproteste im Inland könnten die neue Führung zusätzlich unter Druck setzen. Bislang haben die Sicherheitskräfte Proteste aber immer wieder brutal unterdrückt.
Thomas Reichart berichtet aus Tel Aviv von der Ankündigung Netanjahus. Aus Bagdad berichtet Golineh Atai über die aktuelle Lage in den arabischen Golfsaaten nach Irans Angriffen.
01.03.2026 | 2:50 min- Palastrevolte: Theoretisch könnte im komplexen Herrschaftssystem der Islamischen Republik auch ein Flügel aufbegehren und die Macht an sich reißen, etwa seitens des Militärs oder der mächtigen Revolutionsgarden. Bislang schien die Führungsriege aber immer treu zum System zu stehen.
US-Generalleutnant a.D. Ben Hodges wirft der US-Regierung vor, sie habe keinen Plan für den Iran nach einem Regimewechsel. Das iranische Raketenprogramm sei keine Bedrohung für die USA.
28.02.2026 | 5:56 min- Schah-Sohn für den Übergang: Der im Exil lebende Sohn des 1979 gestürzten Schahs von Persien, Reza Pahlavi, bringt sich als Übergangsführer ins Spiel. Er wolle den Weg hin zu einer neuen Verfassung und Wahlen frei machen. Pahlavi ist eine der bekanntesten Figuren der Opposition im Exil - wie groß sein Rückhalt im Land tatsächlich ist, ist unklar.
- Regionaler Krieg: Der Iran-Experte Ali Vaez von der Denkfabrik Crisis Group schrieb auf X, Vergeltungsmaßnahmen des Irans würden wahrscheinlich nicht nur direkt, sondern asymmetrisch erfolgen, möglicherweise an mehreren Fronten gleichzeitig - etwa durch die Hisbollah im Libanon oder die Huthi im Roten Meer. Dann könne aus einem bilateralen Konflikt "ein regionaler Krieg" im Nahen Osten werden. Mit einer Blockade der für den globalen Öltransport wichtigen Straße von Hormus würde zudem die Weltwirtschaft unter Druck geraten.
Nach den Luftangriffen durch Israel und die USA hat Iran mit Vergeltungsschlägen reagiert. Außerdem wurde die für die Ölindustrie wichtige Schifffahrtsstraße von Hormus gesperrt.
01.03.2026 | 0:29 minAlle Entwicklungen zur Eskalation in Nahost finden Sie in unserem Liveblog: