Eskalation im Nahen Osten:Krieg gegen Iran: Öl- und Spritpreise steigen
Die Eskalation des Iran-Konflikts lässt den Ölpreis steigen. Auch die Preise von Benzin und Diesel gehen nach oben. Ökonomen warnen vor neuen Inflationsrisiken.
Als Reaktion auf die US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf Iran ist der Ölpreis innerhalb weniger Stunden um zehn Prozent gestiegen.
02.03.2026 | 1:44 minNach den Angriffen der USA und Israels gegen Iran und dessen Gegenschlägen haben die Ölpreise zunächst kräftig zugelegt. Auch die Spritpreise gingen nach oben und werden voraussichtlich weiter steigen.
Höhere Preise an Tankstellen erwartet
Am Montag stiegen die Spritpreise kräftig, nachdem sie schon am Wochenende angezogen hatten. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt kostete am Sonntag ein Liter Super E10 mit 1,794 Euro bereits 1,6 Cent mehr als am Freitag - so viel wie seit Mai 2024 nicht mehr. Diesel verteuerte sich um 1,3 Cent auf 1,759 Euro je Liter - den höchsten Wert seit April 2024.
Am Montag beschleunigte sich der Preisanstieg: "Die Zahlen am Vormittag deuten auf eine Dimension von drei bis vier Cent", sagt der Kraftstoffmarktexperte des ADAC, Christian Laberer.
Deutlich höhere Spritpreise befürchten offenbar auch Tankstellenkunden - und füllen ihre Tanks noch mal auf. Der Andrang sei schon am Sonntag groß gewesen, sagte der Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands, Herbert Rabl:
Überall in Deutschland gibt es lange Schlangen an den Tankstellen.
Herbert Rabl, Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands
Die Sorge vor einer Preisexplosion beim Tanken wächst. Iran blockiert weiterhin die Straße von Hormus, Öltanker sitzen fest. Auch an der Börse ist der Rohölpreis gestiegen.
02.03.2026 | 0:19 minÖl- und Gaspreise gestiegen
Am Ölmarkt waren in der Nacht zum Montag die Preise für Brent-Öl aus der Nordsee und Rohöl aus den USA ebenfalls stark gestiegen. Brent erreichte in der Spitze den höchsten Stand seit Juli 2024 und US-Öl auf den höchsten Stand seit Juni 2025, sanken aber im Verlauf des Montags wieder etwas. Für Brent mussten zuletzt noch 78,30 Dollar je Barrel (159 Liter) gezahlt werden, für US-Öl noch 71,71 Dollar. Das waren je rund sieben Prozent mehr als vor dem Wochenende.
Auch der Erdgasmarkt reagiert auf die Entwicklungen in Nahost. Der für europäisches Erdgas richtungsweisende Terminkontrakt TTF stieg im Vergleich zu Freitag um etwa ein Viertel. Das ist der stärkste Preissprung seit August 2023.
Die Eskalation im Nahen Osten beeinflusst auch die Weltwirtschaft. Der Ölpreis ist in den letzten Stunden stark gestiegen. Valerie Haller berichtet.
02.03.2026 | 0:58 minSorge um Energietransporte durch Straße von Hormus
Iran ist der drittgrößte Produzent der Organisation erdölexportierender Länder (Opec). Das persische Öl macht etwa 4,5 Prozent der globalen Ölversorgung aus. Seit Samstag sind Lieferungen von Rohöl, Treibstoff und Flüssigerdgas LNG durch die Straße von Hormus beeinträchtigt. Das betrifft auch die Öllieferungen aus Irak, Kuwait und Saudi-Arabien.
Laut Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, bringe die fragile Lage in Nahost zwei wirtschaftliche Risiken mit sich: "Aus ökonomischer Sicht lauten diese Risiken, dass die Ölförderanlagen in der Region durch Iran systematisch zerstört werden und dass der Transportweg durch die Straße von Hormus absehbar für lange Zeit geschlossen bleibt."
Eskalation im Golf verschärft Risiko für Handelsschifffahrt
Carsten Duif vom Verband Deutscher Reeder erklärt, im Bereich der Meerenge und dem angrenzenden Seegebiet habe es Angriffe mit Verletzten und Toten gegeben. Deutsche Schiffe oder Seeleute seien bisher nicht betroffen. Soweit derzeit bekannt, sei die Straße von Hormus nicht blockiert.
Eine durchgehend militärisch abgeriegelte Meerenge - etwa durch Kriegsschiffe, Minen oder systematische Kontrollen - besteht aktuell nicht.
Carsten Duif, Pressesprecher des Verbands Deutscher Reeder
"Es liegen jedoch Warnungen und Funksprüche iranischer Stellen vor, wonach Schiffe aufgefordert werden, die Passage nicht zu nutzen", so Duif. Die Lage könne sich jedoch kurzfristig ändern. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters ankern mindestens 150 Tanker vor der Meerenge - darunter Öl- und Gastanker.
Warum die Straße von Hormus so wichtig ist
18.06.2025 | 1:13 minHandel: Höhere Preise und Lieferverzögerungen möglich
Für Unternehmen können dauerhaft hohe Ölpreise den Transport von Waren spürbar verteuern. Experten erwarten zudem höhere Frachtraten für Tanker. Reißen Lieferketten, könnten die Kosten für die Unternehmen noch größer werden.
Da wegen politischer Unruhen zurzeit auch der Suezkanal nicht durchquert würde, verlängern sich Lieferzeiten für viele Güter wahrscheinlich entsprechend, so Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Reederverbands. "Wie und wann das für welche Güter spürbar ist, kann man noch nicht sagen."
Die Havarie des Containerschiffs "Evergiven" blockierte 2021 den Suezkanal. Weltweite Lieferketten rissen. Nur ein Vorbote für die riesigen neuen Herausforderungen des Systems "Globalisierung"?
06.03.2024 | 43:45 minLänger anhaltender Konflikt könnte Konjunktur drücken
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer ordnet ein: "Zöge sich der Krieg mehrere Monate hin, würde die Inflation im Euroraum wohl mindestens um ein Prozentpunkt steigen und das Wirtschaftswachstum einige Zehntel Prozentpunkte geringer ausfallen." Da sowohl Deutschland als auch die Euro-Zone nach bisherigen Prognosen in diesem Jahr um etwa ein Prozent wachsen dürften, wäre dies bereits schmerzlich.
Auf der ganzen Welt sind die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten zu spüren. Wegen des gesperrten Luftraums dort sitzen Zehntausende Reisende fest, wie etwa am Berliner Flughafen.
02.03.2026 | 0:22 minEntsprechend wachsam sind auch Kapitalanleger. Die Aktienkurse von Reiseunternehmen und Airlines gaben zum Wochenauftakt deutlich nach. Weiträumige Luftraumsperrungen und Tausende Flugstreichungen an zentralen Drehkreuzen wie Doha behinderten das operative Geschäft massiv, während gleichzeitig der starke Ölpreisanstieg die Treibstoffkosten in die Höhe trieb.
Der Dax hat mit moderaten Abschlägen reagiert, weil die Marktteilnehmer zur Stunde nicht mit wesentlichen Konsequenzen des Iran-Krieges für die Weltwirtschaft rechnen.
Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank
Im Gegensatz dazu verzeichneten Rüstungskonzerne und globale Energieriesen kräftige Kursgewinne.
"Die Frage nach einem Regimewechsel im Iran ist ökonomisch eher langfristig relevant", sagt Kater. Beruhige sich der Konflikt und öffne sich das Land, ergäben sich auf lange Sicht enorme wirtschaftliche Potenziale in der Region.
Israel und USA greifen Iran an - die Entwicklungen im Liveblog: