Warum USA, Israel und die Golfstaaten Iran als Bedrohung sehen

Interview

Verhandlungen um Atomprogramm:Warum USA, Israel und Golfstaaten Iran als Bedrohung sehen

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In Genf ringen USA und Iran um das Atomprogramm. Eine Expertin erklärt die Interessen der USA, Israels und der Golfstaaten und zeigt mögliche Szenarien für einen Militärschlag.

Nahost-Analystin Marie-Theres Sommerfeld

Auch ohne Langstreckenraketen könne Iran Amerikaner angreifen, sagt Nahost-Analystin Sommerfeld.

26.02.2026 | 19:29 min

Die Verhandlungen zwischen USA und Iran in Genf bleiben vorerst ohne Ergebnis. Bei den jüngsten Gesprächen ging es unter anderem um das umstrittene Atomprogramm der islamischen Republik. Die USA wollen verhindern, dass die Führung in Teheran Atomwaffen entwickelt - und drohen mit einem Militärschlag. Irans Regierung bestreitet entsprechende Absichten, zeigt sich jedoch bereit, das Nuklearprogramm zu begrenzen.

Die Lage in der Region ist angespannt. Zwar erklärt Nahost-Analystin Marie-Theres Sommerfeld vom German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) dazu bei ZDFheute live:

An einem langfristigen Krieg hat natürlich niemand Interesse.

Marie-Theres Sommerfeld, Nahost-Analystin GIDS

Dennoch hätten die USA, Israel sowie die Golfstaaten durchaus Sicherheitsinteressen, so Sommerfeld. Ein Überblick.

Die ZDF-Korrespondenten Phoebe Gaa und Elmar Theveßen.

Trump wolle etwas erreichen, was noch niemandem vor ihm gelungen ist: Ein Atomabkommen mit Iran, am liebsten auch mit Russland und China, sagt ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen.

26.02.2026 | 7:30 min

Bedrohung durch Iran: Was steckt dahinter?

  • Aus Sicht der USA habe die "Islamische Revolution" in Iran im Jahr 1979 eine "komplette Kehrtwende in der Außenpolitik" des Landes verursacht, erklärt Sommerfeld. Seitdem stünden sich beide Staaaten feindlich gegenüber. Amerikanische Interessen seien durch das iranische Raketen- und Nuklearprogramm "bedroht", so die Expertin. Zwar kündigten die USA laut der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie an, "sich aus dem Nahen Osten herausziehen" zu wollen - dort stehe jedoch auch, "dass Handelswege frei bleiben müssen" sowie, dass die Ausbreitung von Terrorismus, für den Iran verantwortlich sei, aufhören müsse, so Sommerfeld.

Iran Karte Atomprogramm

Standorte des Atomprogramm von Iran. Irans Regierung bestreitet Bestrebungen nuklearer Aufrüstung.

Quelle: ZDF

  • Aus Sicht Israels bedeuten laut der Nahost-Analystin sowohl das Raketenprogramm Irans als auch das Nuklearprogramm des Landes eine "existenzielle Bedrohung", erklärt die Expertin. Der Ajatollah, das geistige Oberhaupt des Iran sowie die Iranische Revolution zielten darauf ab, das Existenzrecht Israels "zu negieren und letztlich auch zu revidieren". Ein atomar bewaffneter Iran wäre für Israel existenzbedrohend und könne zu einem Wettrüsten in der Region führen.

  • Für Saudi-Arabien sowie die Golfstaaten sei Iran "auch ein verfeindetes Regime", so Sommerfeld. Brisant: Weil die Region innerhalb der Reichweite iranischer Kurzstreckenraketen liege, müsse man dort mit "Vergeltungsschlägen auf die Ölinstallationen" rechnen.

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In Genf wird um das Atomprogramm gerungen. Da Trumps Ultimatum in Kürze ausläuft, ist die Verhandlung die wohl letzte Chance, eine militärische Eskalation zu verhindern.

26.02.2026 | 2:09 min

Was sind die Szenarien für einen Schlag gegen Iran?

Die USA haben ihre Militärpräsenz in der Region in den vergangenen Wochen extrem verstärkt und Flugzeugträger sowie Kriegsschiffe an den Golf verlegt. Ob es zu einem Angriff kommen wird, ist jedoch völlig unklar. US-Präsident Donald Trump hatte der iranischen Staatsführung vor einer Woche noch ein Ultimatum bis Anfang März gestellt.

Es gebe "verschiedene Möglichkeiten" für ein militärisches Eingreifen in Iran, so Sommerfeld. Ein Regimewechsel sei "offensichtlich auf dem Tisch", wenngleich hier das Bewusstsein existiere, dass dies nicht durch amerikanische Kräfte durchgeführt werden könne, "sondern aus dem iranischen Volk kommen müsste". Aktuelle Truppenbewegungen der USA könne man als Reaktion auf die blutig niedergeschlagenen Proteste im Land verstehen.

Eine sinnvolle Idee wäre hier, dass man die Protestierenden dazu befähigen könnte, wieder auf die Straße zu gehen.

Marie-Theres Sommerfeld, Nahost-Analystin GIDS

Dazu müsse man die iranischen Revolutionsgarden sowie die Basidsch-Milizen, die die Bevölkerung kontrollieren und unterdrücken, angreifen, so die Expertin. So würde die Bevölkerung möglicherweise "ermutigt, weiter zu protestieren".

Eine Alternative wäre ein Angriff auf Anlagen des iranischen Atomprogramms oder der Angriff auf die maritimen Kräfte des Landes.

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Warum der Einsatz von US-Bodentruppen keine Option ist

"Grundsätzlich haben die Amerikaner sehr viele Möglichkeiten", erklärt die Expertin. Eine Ausnahme gebe es: Den Einsatz von Bodentruppen sehe sie derzeit nicht als eine Option. "Trump ist ja angetreten mit der Idee, lange Kriege zu vermeiden und Truppen abzuziehen." Innenpolitisch würde ihn der Einsatz unter Druck setzen.

Die "Machtprojektion", die die USA in Gestalt der militärischen Präsenz nun in den Nahen Osten verlegt hätten, gebe zudem einen Einsatz von Bodentruppen nicht her, so Sommerfeld. "Aber sie ermöglicht andere Schläge, die genau diese Bodentruppen vermeiden und die das Regime weiter in dieser Situation, wo es schon enorm unter Druck ist, sehr empfindlich schwächen können."

Das Interview führte ZDFheute live-Moderatorin Alica Jung. Autor der Zusammenfassung ist ZDFheute-Redakteur Silas Thelen.

Mit Material von AFP und dpa.

Über das Thema berichtete ZDFheute live im Beitrag "Womit die USA Iran drohen" am 26.02.2026 ab 19:30 Uhr.
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