Sorge im Norden des Landes wächst:Israels Kampf gegen die Hisbollah: "Das ist ein Albtraum"
von Torge Bode, Tel Aviv
Der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im Libanon eskaliert wieder. Die Menschen in der Grenzregion fürchten, dass sie ihre Heimat verlassen müssen - erneut.
Nach Attacken der libanesischen Hisbollah-Miliz schlägt Israel mit Angriffen auf Hisbollah-Ziele im Libanon zurück.
04.03.2026 | 2:29 min"Boom! Boom! Boom! Im Himmel!" Ruby ist zwei Jahre alt, sie steht im Wohnzimmer und zeigt an die Decke, während sie die Geräusche nachmacht, die sie seit zwei Tagen immer wieder hört. Die israelische Armee hat mehrere Artillerie-Geschütze ganz in der Nähe des Kibbuz "Yiftah" stationiert. Jetzt donnern die Kanonen, Tag und Nacht. Ihr Ziel: Stellungen der Hisbollah-Miliz, den Verbündeten Irans, im Süden Libanons. Die Grenze ist nur wenige hundert Meter vom Kibbuz entfernt.
Angst, das Zuhause verlassen zu müssen
Rubys Mutter Mor schaut auf ihre kleine Tochter, sie lächelt milde, aber das Lächeln fällt ihr schwer, während Ruby wieder die Kanone imitiert. Mor ist schwanger, nächste Woche kommt ihr zweites Kind zu Welt.
Nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 musste die Familie den Kibbuz aus Sicherheitsgründen schon einmal für viele Monate verlassen. Auch damals eskalierte der Konflikt mit der Hisbollah, weil sich die von Iran finanzierte Miliz in den Krieg gegen Israel eingeschaltet und vor allem den Norden des Lande mit Raketen und Granaten beschossen hatte.
Der Iran führe "in erster Linie einen Vergeltungskrieg", sagt ZDF-Reporterin Isabelle Tümena. Israel habe "weitere Soldaten an die Grenze zum Libanon geschickt", so ZDF-Reporter Torge Bode.
04.03.2026 | 4:40 minNur Sekunden, um den Schutzraum zu erreichen
Mor hat Angst, dass jetzt alles wieder von vorne losgeht, dass sie ihr Haus, ihre Heimat wieder verlassen muss. "Hier ist es anders als im Zentrum des Landes: Dort hat man ein paar Minuten, wenn der Alarm kommt. Wenn die Hisbollah Raketen auf uns schießt, haben wir nur Sekunden, um in den Schutzraum zu rennen, nicht Minuten. Das ist ein Albtraum."
Wie sie zu dem Militäreinsatz gegen die Hisbollah steht, fragen wir Mor. "Ich will nur Frieden. Aber wenn dieser Krieg jetzt noch einmal der Preis ist, den wir zahlen müssen, um endlich hier in Frieden leben zu können, dann bin ich bereit, ihn zu zahlen."
Israel startet neue Angriffe auf Ziele im Iran, Teheran feuert zurück - auch in der Golfregion. Der Beschuss zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon hält an.
04.03.2026 | 1:40 minIsrael mobilisiert 100.000 Reservisten
Wir fahren durch die Grenzregion, den Norden Israels. Immer wieder sehen wir Truppen-Transporter, auch Panzer, die verlegt werden. An den Raststätten stärken sich die Reservisten mit Burgern und Cola.
100.000 Reservisten hatte Israel vor wenigen Tagen mobilisiert, viele sind jetzt an der Grenze zum Libanon zusammengezogen. Um die Grenze zu sichern und die Bevölkerung zu schützen, vor Angriffen der Hisbollah, so sagt es ein Armee-Sprecher. Ein Einmarsch im Libanon, eine Bodenoffensive, sei derzeit nicht geplant, heißt es. Noch nicht.
Die USA und Israel haben nach eigenen Angaben ihre Angriffe auf Iran massiv ausgeweitet. Israel nahm die iranische Hauptstadt Teheran ins Visier. Iran reagierte mit Beschuss von Tel Aviv.
04.03.2026 | 2:29 minSpuren der Zerstörung durch Hisbollah-Miliz
Unser Weg führt uns durch das Dorf Kfar Yuval. Wir kommen an einem zerstörten Haus vorbei, eine Rakete hat es heute Nacht getroffen, abgefeuert von der Hisbollah-Miliz. Verletzt wird niemand, die Bewohner hatten die ganze Nacht im Schutzraum geschlafen.
Nachbarn kommen vorbei, die meisten unterstützen den Kampf gegen den Feind im Norden, die Hisbollah-Miliz. Nur eine Frau ist skeptisch. "Dieses gegenseitige Töten muss aufhören, dabei gewinnt doch keiner.", sagt sie uns. Hier in Kfar Yval denken nur wenige so.
Tag 4 des Krieges im Nahen und Mittleren Osten: US-Präsident Trump schließt Bodentruppen nicht aus. Während die Gefechte andauern, erreicht eine iranische Drohne Zypern.
03.03.2026 | 2:09 min"Wir sind alle müde"
Tamira Lang ist Teil der Nachbarschaftswache in der Ortschaft Metula. Die Grenze zum Libanon kann sie aus ihrem Fenster heraus sehen. Tamira war früher in der Armee, sie ist eine Frau, die nicht so schnell Angst hat. Doch jetzt verlässt sie ihr Haus nur noch, wenn es unbedingt sein muss. Zu groß ist die Angst, nicht rechtzeitig in einen Schutzraum oder Bunker flüchten zu können, wenn die Raketen der Hisbollah Metula erreichen.
"Ich bin keine Träumerin. Ich werde nie mit meinem Fahrrad entspannt über die Grenze in den Libanon fahren, einfach, weil das Land so schön ist. Aber wir wollen Ruhe. Auf beiden Seiten. Wir brauchen das. Der Krieg dauert viel zu lang. Wir sind alle müde."
In dem Moment donnert wieder die Artillerie, während wir das Interview führen. Es wird zu gefährlich für uns, wir verlassen Metula. Tamira bleibt zurück und lädt uns ein, wieder zu kommen. Wenn endlich Frieden herrscht.
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