Machtkämpfe über Nachfolge Chamenei:Hardliner oder Reformer - wer führt künftig Iran?
Iran befindet sich nach Chameneis Tod in einer Übergangsphase: Hardliner und Reformer ringen um die Nachfolge. Wer könnte das Machtvakuum füllen? Ein Überblick.
Der Tod von Chamenei bedeutet für Iran eine Zäsur. Bis zur Ernennung eines Nachfolgers, übernimmt ein dreiköpfiger Rat die Führung. Wer sind die neuen Machthaber?
02.03.2026 | 2:42 minDer Tod von Ajatollah Ali Chamenei hat ein Machtvakuum in Iran hinterlassen. Jahrzehntelang lief im System der Islamischen Republik alles auf den Revolutionsführer hinaus. Er bündelte politische, militärische und religiöse Macht.
Die Nachfolge muss nun ausgerechnet in einer Phase geregelt werden, in der das Land im Krieg steht. Offiziell bestimmt der Expertenrat den neuen Revolutionsführer. In der Praxis dürfte sich entscheiden, welches Lager im Machtgefüge die Oberhand gewinnt.
Das System steht unter Zugzwang. In der Übergangsphase muss rasch geklärt werden, wer Chamenei nachfolgt. Der Posten ist in der aktuellen Lage mit einem hohen Risiko verbunden: Ein neuer Revolutionsführer würde sofort zum wichtigsten Ziel der US-israelischen Angriffe.
Israel startet neue Angriffe auf Ziele im Iran, Teheran feuert zurück – auch in der Golfregion. Der Beschuss zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon hält an.
04.03.2026 | 1:40 minSucht der Machtapparat jetzt einen starken Mann oder einen Kompromisskandidaten, der die rivalisierenden Lager zusammenhält? Ein Überblick über die kursierenden Namen:
Modschtaba Chamenei - Sohn des getöteten Ajatollahs
Modschtaba Chamenei, der Sohn des getöteten Religionsführers Ajatollah Ali Chamenei, gilt als aussichtsreichster Kandidat. Seit Jahren hat er seinen Einfluss ausgebaut, trat öffentlich jedoch kaum in Erscheinung. Viele Insider in Iran spekulieren, dass er im Schatten seines Vaters großen Einfluss ausgeübt hat. So soll er im Hintergrund unter anderem Angelegenheiten im Büro des Revolutionsführers gesteuert haben.
Über drei Jahrzehnte prägte Ali Chamenei als oberster Religionsführer die Politik Irans. Nun wurde er bei Angriffen getötet.
01.03.2026 | 2:41 minFalls er gewählt wird, dürfte der 56-Jährige den kompromisslosen Kurs seines Vaters zunächst fortsetzen. Er gilt als bekannter Akteur staatlicher Unterdrückung.
Sadegh Laridschani - Gegner der Reformbewegung
Sadegh Amoli Laridschani ist ein einflussreicher schiitischer Geistlicher und der Bruder von Ali Laridschani, dem Generalsekretär des mächtigen Sicherheitsrats. Seit sechs Jahren steht er an der Spitze des sogenannten Schlichtungsrats, eines wichtigen Schiedsorgans im iranischen Machtapparat.
Zuvor leitete der 62-Jährige zehn Jahre lang die Justiz. Seine religiöse Ausbildung absolvierte er wie viele schiitische Geistliche in der Pilgerstadt Ghom.
Laridschani gilt als Hardliner mit erzkonservativem Weltbild und als entschiedener Gegner der Reformbewegung. Im Laufe seiner politischen Karriere wurden ihm wiederholt Korruption und persönliche Bereicherung vorgeworfen.
Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei wurde bei US- und israelischen Angriffen getötet. ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa ordnet die Folgen für das Regime ein.
01.03.2026 | 2:24 minHassan Ruhani - Ex-Präsident und einflussreicher Reformer
Als Präsident bemühte sich Hassan Ruhani in zwei Amtszeiten um eine Annäherung an den Westen und stellte vorsichtige Reformen in Aussicht. Sein größter politischer Erfolg war der Wiener Atomdeal von 2015, der Iran eine Lockerung der internationalen Sanktionen bringen sollte.
Doch US-Präsident Donald Trump kündigte das Abkommen später auf. Damit verlor Ruhanis Kurs der Öffnung entscheidend an Rückhalt.
In der Folge wurde der 77-jährige Geistliche von Hardlinern zunehmend an den Rand gedrängt. Ruhani galt lange als einflussreichster Vertreter des Reformlagers an der Staatsspitze.
Der iranisch-deutsche Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour hält einen Wandel in Iran für möglich, aber nicht sicher.
02.03.2026 | 4:10 minHassan Chomeini - Enkel des Revolutionsgründers
Hassan Chomeini ist der Enkel des Revolutionsführers Ruhollah Chomeini. Der 53-jährige Geistliche gilt als moderat und positioniert sich regelmäßig zugunsten des Reformlagers. Im Präsidentschaftswahlkampf 2024, aus dem der gemäßigte Massud Peseschkian als Sieger hervorging, unterstützte er offen dessen Lager.
Sein politisches Gewicht bezieht Chomeini vor allem aus seinem Familiennamen, der in Iran weiterhin symbolische Autorität besitzt. Als Kandidat gilt er dennoch als Außenseiter. In den konservativen Machtzentren dürften seine Positionen vielen als zu moderat gelten.
Für die präzisen Schläge gegen das Regime müsse es Informanten gegeben haben, sagt Sicherheitsexperte Schindler.
03.03.2026 | 17:52 minZwei Außenseiter mit geringen Chancen auf das Amt
Als Außenseiter gelten der Kleriker Aliresa Arafi sowie Haschem Hosseini Buschehri, beide einflussreiche Geistliche mit guten Verbindungen in den religiösen Machtapparat.
Arafi gehört neben Präsident Peseschkian und Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi zu jenem Trio, das in der Übergangszeit den Staatsbetrieb führt. Dennoch gelten die Chancen beider Kleriker auf den Posten derzeit als gering.
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