Iran: Hardliner oder Reformer - wer führt künftig das Land?

Machtkämpfe über Nachfolge Chamenei:Hardliner oder Reformer - wer führt künftig Iran?

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Iran befindet sich nach Chameneis Tod in einer Übergangsphase: Hardliner und Reformer ringen um die Nachfolge. Wer könnte das Machtvakuum füllen? Ein Überblick.

Indien, Srinagar: Schiitische Muslime rufen im indisch kontrollierten Kaschmir Slogans während eines Protestes bei Kerzenschein gegen die Ermordung des Obersten Führers des Iran, Ayatollah Ali Chamenei.

Chameneis Tod zwingt das Regime in Teheran zum Umbruch. Doch wer rückt an die Spitze und welche Strategie verfolgen die Mullahs, um ihre Macht zu behalten?

04.03.2026 | 2:13 min

Der Tod von Ajatollah Ali Chamenei hat ein Machtvakuum in Iran hinterlassen. Jahrzehntelang lief im System der Islamischen Republik alles auf den Revolutionsführer hinaus. Er bündelte politische, militärische und religiöse Macht.

Die Nachfolge muss nun ausgerechnet in einer Phase geregelt werden, in der das Land im Krieg steht. Offiziell bestimmt der Expertenrat den neuen Revolutionsführer. In der Praxis dürfte sich entscheiden, welches Lager im Machtgefüge die Oberhand gewinnt.

Das System steht unter Zugzwang. In der Übergangsphase muss rasch geklärt werden, wer Chamenei nachfolgt. Der Posten ist in der aktuellen Lage mit einem hohen Risiko verbunden: Ein neuer Revolutionsführer würde sofort zum wichtigsten Ziel der US-israelischen Angriffe.

Schaltgespräch zwischen der Moderatorin Anne Gellinek und dem Nahost-Experte Guido Steinberg

Die Islamische Republik wird den Verlust eines so starken Führers wie Ali Chamenei nicht so einfach wegstecken können, so Nahost-Experte Guido Steinberg.

04.03.2026 | 3:31 min

Sucht der Machtapparat jetzt einen starken Mann oder einen Kompromisskandidaten, der die rivalisierenden Lager zusammenhält? Ein Überblick über die kursierenden Namen:

Modschtaba Chamenei - Sohn des getöteten Ajatollahs

Modschtaba Chamenei, der Sohn des getöteten Religionsführers Ajatollah Ali Chamenei, gilt als aussichtsreichster Kandidat. Seit Jahren hat er seinen Einfluss ausgebaut, trat öffentlich jedoch kaum in Erscheinung. Viele Insider in Iran spekulieren, dass er im Schatten seines Vaters großen Einfluss ausgeübt hat. So soll er im Hintergrund unter anderem Angelegenheiten im Büro des Revolutionsführers gesteuert haben.

Ein Motorrad fährt an einem Bild des verstorbenen iranischen Obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei auf einer leeren Straße vorbei, nachdem der Tod von Chamenei durch US-amerikanische und israelische Angriffe bestätigt wurde.

Über drei Jahrzehnte prägte Ali Chamenei als oberster Religionsführer die Politik Irans. Nun wurde er bei Angriffen getötet.

01.03.2026 | 2:41 min

Falls er gewählt wird, dürfte der 56-Jährige den kompromisslosen Kurs seines Vaters zunächst fortsetzen. Er gilt als bekannter Akteur staatlicher Unterdrückung.

Sadegh Laridschani - Gegner der Reformbewegung

Sadegh Amoli Laridschani ist ein einflussreicher schiitischer Geistlicher und der Bruder von Ali Laridschani, dem Generalsekretär des mächtigen Sicherheitsrats. Seit sechs Jahren steht er an der Spitze des sogenannten Schlichtungsrats, eines wichtigen Schiedsorgans im iranischen Machtapparat.

Zuvor leitete der 62-Jährige zehn Jahre lang die Justiz. Seine religiöse Ausbildung absolvierte er wie viele schiitische Geistliche in der Pilgerstadt Ghom.

Laridschani gilt als Hardliner mit erzkonservativem Weltbild und als entschiedener Gegner der Reformbewegung. Im Laufe seiner politischen Karriere wurden ihm wiederholt Korruption und persönliche Bereicherung vorgeworfen.

Stimmen aus Iran - Betroffene Menschen heben ihre Stimme und schildern die Momente.

Es ist nicht einfach, mit Menschen in Iran zu sprechen. Im Land herrscht Angst vor Repression.

04.03.2026 | 1:57 min

Hassan Ruhani - Ex-Präsident und einflussreicher Reformer

Als Präsident bemühte sich Hassan Ruhani in zwei Amtszeiten um eine Annäherung an den Westen und stellte vorsichtige Reformen in Aussicht. Sein größter politischer Erfolg war der Wiener Atomdeal von 2015, der Iran eine Lockerung der internationalen Sanktionen bringen sollte.

Doch US-Präsident Donald Trump kündigte das Abkommen später auf. Damit verlor Ruhanis Kurs der Öffnung entscheidend an Rückhalt.

In der Folge wurde der 77-jährige Geistliche von Hardlinern zunehmend an den Rand gedrängt. Ruhani galt lange als einflussreichster Vertreter des Reformlagers an der Staatsspitze.

ZDF-Korrespondentin Isabelle Tümena spricht aus Istanbul.

Iran befindet sich nach Ajatollah Chameneis Tod in einer Übergangsphase. ZDF-Korrespondentin Isabelle Tümena berichtet über die potenzielle Nachfolge und offene Machtfragen.

04.03.2026 | 1:03 min

Hassan Chomeini - Enkel des Revolutionsgründers

Hassan Chomeini ist der Enkel des Revolutionsführers Ruhollah Chomeini. Der 53-jährige Geistliche gilt als moderat und positioniert sich regelmäßig zugunsten des Reformlagers. Im Präsidentschaftswahlkampf 2024, aus dem der gemäßigte Massud Peseschkian als Sieger hervorging, unterstützte er offen dessen Lager.

Sein politisches Gewicht bezieht Chomeini vor allem aus seinem Familiennamen, der in Iran weiterhin symbolische Autorität besitzt. Als Kandidat gilt er dennoch als Außenseiter. In den konservativen Machtzentren dürften seine Positionen vielen als zu moderat gelten.

Hans-Jakob Schindler

Für die präzisen Schläge gegen das Regime müsse es Informanten gegeben haben, sagt Sicherheitsexperte Schindler.

03.03.2026 | 17:52 min

Zwei Außenseiter mit geringen Chancen auf das Amt

Als Außenseiter gelten der Kleriker Aliresa Arafi sowie Haschem Hosseini Buschehri, beide einflussreiche Geistliche mit guten Verbindungen in den religiösen Machtapparat.

Arafi gehört neben Präsident Peseschkian und Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi zu jenem Trio, das in der Übergangszeit den Staatsbetrieb führt. Dennoch gelten die Chancen beider Kleriker auf den Posten derzeit als gering.

Quelle: dpa
Über dieses Thema berichteten unter anderem das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 04.03.2026 ab 05:30 Uhr und das heute journal am 04.03.2026 ab 21:45 Uhr.
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