Rolle der Geheimdienste: "Regime in Iran komplett unterwandert"

Interview

Experte über Rolle der Geheimdienste:"Regime in Iran war komplett unterwandert"

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Für den Schlag gegen Iran haben amerikanische und israelische Geheimdienste eng kooperiert, sagt Iran-Experte Schindler. Das Regime in Teheran sei "komplett unterwandert" gewesen.

Hans-Jakob Schindler

Für die präzisen Schläge gegen das Regime müsse es Informanten gegeben haben, sagt Sicherheitsexperte Schindler. Anreiz könne dafür auch die schlechte Wirtschaftslage gewesen sein.

03.03.2026 | 17:52 min

Am Samstag haben die USA und Israel ihren Krieg gegen Iran begonnen. Eines ihrer erklärten Ziele: das Regime in Teheran zu entmachten. Dabei haben die Verbündeten auch auf Geheimdienstinformationen zurückgegriffen. Welche Rolle die Geheimdienste bei den Vorbereitungen zum Militärschlag spielen - darüber sprach ZDFheute live mit dem Nahost-Experten Hans-Jakob Schindler.

Sehen Sie oben das Interview im Video oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagte Schindler zur Frage, ...

... wie es beim Militärschlag gegen Iran gelingen konnte, innerhalb weniger Minuten fast 50 Männer der iranischen Führung zu töten, darunter auch den obersten Führer Chamenei?  

"Zunächst mal ist klar, dass solche Militäroperationen sehr lange Vorbereitungen brauchen", sagt Schindler im ZDF-Interview. Zum einen erstelle das US-Militär seit Jahren sogenannte "Contingency-Planning"-Szenarien für sehr viele Konfliktregionen in der Welt, also auch für Iran.

Und es gab offensichtlich eine sehr enge Kooperation sowohl zwischen den amerikanischen als auch den israelischen Sicherheitsdiensten.

Hans-Jakob Schindler, Iran-Experte

"Schon im letzten Sommer haben wir gesehen, wie weit die israelischen Geheimdienste hier Iran und sein System durchdrungen hatten - also nicht nur die Informationen hatten, wo Dinge sind, sondern auch wo Personen sind". Damit seien gezielte Luftschläge beispielsweise auf das Schlafzimmer eines Generals möglich gewesen, erläutert Schindler.

Und in sehr erstaunlicher Weise war das islamische Regime in Iran komplett unterwandert - sowohl im letzten Sommer als auch jetzt immer noch.

Hans-Jakob Schindler, Iran-Experte

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Dabei habe das Regime im vergangenen Sommer eine "Säuberungsaktion" durchgeführt, so Schindler. Bei den zahlreichen Hinrichtungen, die im vergangenen Jahr stattgefunden habe, seien Schindler zufolge auch Menschen hingerichtet worden, die als Spione der Israelis galten.

"Wir wissen natürlich nicht, wie weit das Regime noch unterwandert ist." Allerdings war laut Schindler der Personenkreis, der wusste, wo sich Ajatollah Ali Chamenei, der oberste religiöse Führer, zu diesem Zeitpunkt befand, "definitiv sehr begrenzt".

Also klar muss es da jemanden gegeben haben, der einen Tipp gegeben hat.

Hans-Jakob Schindler, Iran-Experte

... ob an den Medienberichten, denen zufolge schon vor Jahren Verkehrskameras in Teheran von den Israelis gehackt worden seien, etwas dran ist?

Dies sei "absolut" möglich, bestätigt Schindler. Man habe ja vor längerer Zeit bereits anhand des Stuxnet-Virus, das Zentrifugen des iranischen Anreicherungsprogramms zerstört hat, gesehen, dass "enorme technische und Cyberkapazitäten auch der Israelis vorliegen". In Iran sei über die Jahrzehnte viel westliche Technologie verbaut worden, so Schindler. "Und wer sich dort auskennt und mehr Kontakte hat, der findet auch Zugang."

Dieser Cyberbereich ist schlicht und ergreifend ein weiteres Schlachtfeld in allen Konflikten.

Hans-Jakob Schindler, Iran-Experte

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... zur Frage, welche Menschen als Informanten besonders von Geheimdiensten umworben werden?

Es gebe sehr viele Menschen, die für das iranische Regime arbeiten - ein Teil davon auch aus ideologischer Überzeugung, sagt Schindler.

Eine wichtige Position aus Geheimdienstsicht kann natürlich eine Sekretärin sein, kann natürlich auch jemand sein, der die Gebäude reinigt, einen Zugang zu den Räumen hat.

Hans-Jakob Schindler, Iran-Experte

Wenn dann eine Kombination aus Ernüchterung über das Regime und Verzweiflung darüber, dass man sich angesichts der Inflation das eigene Leben nicht mehr leisten kann, mit einem finanziellen Angebot zusammentreffe, dann "kann das schon funktionieren", so Schindler.

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... zur Frage, ob es Möglichkeiten der USA und Israel gibt, auch die Geheimdienste in Iran in ihrer Funktionsfähigkeit zu beschädigen?

Das Ministerium für Informationen, so lautet der offizielle Name des Geheimdienstministeriums in Iran, sei bereits in der ersten Welle ein Ziel der Bombardierungen von Israel und den USA gewesen, sagt Schindler.

Zum einen sollte dadurch die Schlagkraft Irans nach außen verringert werden, zum anderen aber auch die interne Sicherheitsstabilisierung geschwächt werden.

Das Interview führte ZDFheute live-Moderatorin Christina von Ungern-Sternberg. Zusammengefasst hat es Annette Klotz-Marschalek.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 03.03.2026 um 15:21 Uhr.

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