Wie Iran und die USA gleichzeitig verhandeln und aufrüsten

Verhandlungen ohne konkrete Ergebnisse:Wie Iran und die USA gleichzeitig verhandeln und aufrüsten

|

Die Verhandlungen zwischen USA und Iran sind ohne konkrete Einigung zu Ende gegangen. Was bedeutet das für die Lage im Land und wie realistisch ist ein US‑Militäreinsatz?

Verhandlungen zwischen USA und Iran in Genf

Iran dämpft nach der zweiten Verhandlungsrunde mit den USA in Genf die Hoffnung auf einen raschen Durchbruch. Die Menschen in Teheran schwanken zwischen Sorge und Hoffnung.

17.02.2026 | 1:50 min

Der erhoffte "Erlöser" von innen ist nicht in Sicht, und der von außen hat seine eigene Logik. "Hilfe ist auf dem Weg", hatte US-Präsident Donald Trump der Protestbewegung in Iran noch zugerufen und ihr damit Mut gemacht, den lebensgefährlichen Gang gegen die islamistische Obrigkeit fortzusetzen.

Zwar hält Trump an seinen Drohungen gegen die Führung in Teheran fest, gleichzeitig verfolgt er aber intensiv den diplomatischen Weg und drängt auf ein neues Atomabkommen.

Kritiker werten diesen Kurs nach den Massenprotesten in Iran als Stabilisierung des Regimes und als Verrat an denen, die ihr Leben im Widerstand gegen die islamistische Obrigkeit riskieren.

Iran-Korrespondentin: Teheran wirkt düster

ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa beschreibt die Atmosphäre in Teheran nach der brutalen Niederschlagung der Proteste als "düster und sorgenvoll".

Der Alltag sei schwieriger geworden:

  • das Internet bleibe instabil
  • Lösungen für die Wirtschaftskrise fehlten
  • gleichzeitig herrsche eine "große Trauer"

Die Wirtschaft und das politische System in Iran stecken in einer tiefen Krise. Seit Dezember gibt es immer wieder Proteste: Die Menschen fordern den Sturz der Islamischen Republik. Seit der Islamischen Revolution 1979 hält sich das Mullah-Regime um den Obersten Führer an der Macht, seit 1989 ist das Ajatollah Ali Chamenei. Präsident ist seit 2024 Massud Peseschkian. Hauptstadt ist Teheran. Circa 92 Mio. Einwohner. Menschenrechte stark eingeschränkt. Hohe Inflation, Arbeitslosigkeit und Armut – internationale Sanktionen, Misswirtschaft und Korruption verschlimmern die Lage. Internationale Befürchtungen, dass Iran Atomwaffen bauen will.

Am Dienstag, dem 40. Tag nach der gewaltsamen Repression, versammelten sich zahlreiche Familien auf Friedhöfen. Dort seien immer wieder Anti-Regime-Rufe laut geworden, so Gaa.

Das zeigt, dass die Wut der Menschen auf das Regime nicht verstummt ist und es zeigt auch, dass sie trotz all der Repressionen weiter ihrem Willen nach Veränderungen Gehör verschaffen wollen.

Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin

SGS Gaa Iran

Nach den Verhandlungen mit den USA habe sich Irans Außenminister zufrieden gezeigt, so Phoebe Gaa. Er habe aber auch gesagt, dass nicht mit schnellen Ergebnissen zu rechnen sei.

17.02.2026 | 2:12 min

Was für einen US-Militärschlag spricht

Parallel dazu wächst die Sorge vor einer militärischen Eskalation. Die Gefahr eines erneuten US-Angriffs auf Iran werde hoch eingeschätzt, berichtet ZDF-Korrespondent David Sauer in Washington. Die USA hätten den Druck in den vergangenen Wochen sowohl rhetorisch als auch militärisch deutlich erhöht.

Zwei Flugzeugträgerverbände, darunter die "USS Abraham Lincoln" sowie die "USS Gerald R. Ford", seien in die Region verlegt worden. Solche Kräfteansammlungen deuteten häufig auf unmittelbar bevorstehende Operationen hin, so Sauer.

USS Abraham Lincoln im Perischen Golf, aus der Luft aufgenommen

Nach Berichten über die Verlegung des Flugzeugträgers "USS Abraham Lincoln" in den Nahen Osten betont Washington, man beobachte Iran genau - auch wegen des harten Vorgehens gegen Demonstrierende.

23.01.2026 | 0:35 min

Was gegen einen US-Militärschlag spricht

Gleichzeitig gebe es jedoch Gründe, die gegen einen unmittelbaren Angriff sprechen. Washington müsse eigene Militärstützpunkte in der Region absichern und wolle den aufgebauten Druck möglicherweise zunächst nutzen, um Teheran diplomatisch zum Einlenken zu bewegen, so Sauer.

Zudem befinde sich Präsident Trump im Wahljahr: Ein neuer, womöglich langwieriger Konflikt könnte sich innenpolitisch als riskant erweisen, steigende Ölpreise und negative Folgen für die US-Wirtschaft eingeschlossen.

Trump habe im Wahlkampf versprochen, "no more forever wars" zu führen, also keine neuen endlosen Kriege zu beginnen. Ein militärischer Schlag gegen Iran hätte jedoch genau dieses Potenzial.

Doch auch Iran probte während der Gespräche mit den USA ein Militärmanöver, sperrte kurzzeitig die Straße von Hormus.

ZDF-Korrespondent David Sauer in Washington

Sowohl die Rhetorik der USA als auch die militärischen Vorbereitungen würden für einen amerikanischen Militärschlag gegen Iran sprechen, sagt ZDF-Korrespondent David Sauer.

17.02.2026 | 12:22 min

Vance: Iran erkennt von Trump gezogene "rote Linien" nicht an

Nach der zweiten Runde indirekter Verhandlungen im Atomstreit am Dienstag warf US-Vizepräsident J. D. Vance Iran vor, von Trump formulierte "rote Linien" nicht anzuerkennen. Details nannte er nicht.

Zwar hätten beide Seiten vereinbart, die Gespräche fortzusetzen, doch zentrale amerikanische Forderungen blieben unbeantwortet.

Links Donald Trump mit erhobener Faust als Schatten vor US-Flagge, darunter Schriftzug: "Trumps Iran-Deal", rechts Frau auf der Straße.

Die USA und Iran verhandeln erneut über einen Atom-Deal – doch Trump droht schon mit Konsequenzen. Was steckt dahinter? Eskalation, Regimechange oder echte Diplomatie?

17.02.2026 | 53:06 min

Nahost-Experte: Iran versucht Gespräche in Länge zu ziehen

Konkrete Fortschritte hätten die Gespräche in Genf zunächst nicht gebracht, erklärt Nahost-Experte Hans-Jakob Schindler bei ZDFheute live.

... ist Nahost-Experte und "Senior Director" beim "Counter Extremism Project". Er arbeitete unter anderem in der Forschung und für den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im Bereich Terrorismusüberwachung. Schindler schrieb seine Doktorarbeit über internationalen Terrorismus an der schottischen Universität in St. Andrews. 


Man habe vielmehr das "normale iranische Vorgehen" gesehen: Teheran versuche, die Verhandlungen systematisch in die Länge zu ziehen, indem zunächst über Grundsatzfragen gesprochen werde.

Washington wolle drei Themen auf die Agenda setzen:

  • das Nuklearprogramm
  • das Raketenprogramm
  • die Unterstützung von Terrororganisationen

Iran versuche die Gespräche hingegen auf das Nukleardossier zu begrenzen, so Schindler.

Nahost-Experte Hans-Jakob Schindler

Die iranische Seite versuche die Verhandlungen systematisch in die Länge zu ziehen, sagt Nahost-Experte Schindler. Uneinigkeit bestehe schon bei den Themen, die besprochen werden sollen.

17.02.2026 | 6:30 min

Worauf es bei der nächsten Runde ankommt

Für die nächste Runde hänge viel davon ab, ob die USA bereit seien, zunächst nur über das Nuklearprogramm zu sprechen. Denkbar sei, dass die US-Regierung auf einen Teilerfolg setze.

Iran habe zuletzt Flexibilität signalisiert, bei einer zeitweisen Aussetzung oder Reduzierung der Urananreicherung. Ziel Teherans sei es jedoch, Washington einen begrenzten Erfolg zu ermöglichen, in der Hoffnung, dass die weitergehenden Streitpunkte vertagt würden und Trump am Ende "einen Teilvertrag als Erfolg deklariert", bilanziert der Nahost-Experte.

Irans Präsident Masoud Peseschkian marschiert bei einer Kundgebung zum Gedenken an den Jahrestag der Islamischen Revolution.

Der iranische Präsident Peseschkian hat die von Gewalt gegen Protestierende betroffenen Iraner um Entschuldigung gebeten – jedoch ohne sich vom Vorgehen der Sicherheitskräfte zu distanzieren.

11.02.2026 | 0:27 min

Irans Präsident Massud Peseschkian bekräftigte in einem am Dienstag veröffentlichten Interview, dass Teheran "absolut keine Atomwaffen anstrebt". "Falls jemand das überprüfen möchte, sind wir offen für eine solche Überprüfung."

Militärische Drohkulisse wächst auf beiden Seiten

Parallel zur Diplomatie verstärken beide Staaten ihre militärische Präsenz. Laut Korrespondentin Gaa bereiten sich Washington und Teheran offenbar auch auf ein mögliches Scheitern der Gespräche vor, indem sie Optionen für ein militärisches Eingreifen bereithalten.

Die Interviews führten Anne Gellinek und Barbara Parente, zusammengefasst hat sie Katharina Schuster.

Quelle: mit Material von Reuters und AFP
Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, darunter ZDFheute live in dem Beitrag "Annäherung oder Angriff?" am 17.02.2026 ab 19:30 Uhr und das heute journal am 17.02.2026 ab 21:45 Uhr.

Aktuelle Nachrichten zum Nahost-Konflikt