Verhandlungen ohne konkrete Ergebnisse:Wie Iran und die USA gleichzeitig verhandeln und aufrüsten
Die Verhandlungen zwischen USA und Iran sind ohne konkrete Einigung zu Ende gegangen. Was bedeutet das für die Lage im Land und wie realistisch ist ein US‑Militäreinsatz?
Iran dämpft nach der zweiten Verhandlungsrunde mit den USA in Genf die Hoffnung auf einen raschen Durchbruch. Die Menschen in Teheran schwanken zwischen Sorge und Hoffnung.
17.02.2026 | 1:50 minDer erhoffte "Erlöser" von innen ist nicht in Sicht, und der von außen hat seine eigene Logik. "Hilfe ist auf dem Weg", hatte US-Präsident Donald Trump der Protestbewegung in Iran noch zugerufen und ihr damit Mut gemacht, den lebensgefährlichen Gang gegen die islamistische Obrigkeit fortzusetzen.
Zwar hält Trump an seinen Drohungen gegen die Führung in Teheran fest, gleichzeitig verfolgt er aber intensiv den diplomatischen Weg und drängt auf ein neues Atomabkommen.
Kritiker werten diesen Kurs nach den Massenprotesten in Iran als Stabilisierung des Regimes und als Verrat an denen, die ihr Leben im Widerstand gegen die islamistische Obrigkeit riskieren.
Iran-Korrespondentin: Teheran wirkt düster
ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa beschreibt die Atmosphäre in Teheran nach der brutalen Niederschlagung der Proteste als "düster und sorgenvoll".
Der Alltag sei schwieriger geworden:
- das Internet bleibe instabil
- Lösungen für die Wirtschaftskrise fehlten
- gleichzeitig herrsche eine "große Trauer"
Am Dienstag, dem 40. Tag nach der gewaltsamen Repression, versammelten sich zahlreiche Familien auf Friedhöfen. Dort seien immer wieder Anti-Regime-Rufe laut geworden, so Gaa.
Das zeigt, dass die Wut der Menschen auf das Regime nicht verstummt ist und es zeigt auch, dass sie trotz all der Repressionen weiter ihrem Willen nach Veränderungen Gehör verschaffen wollen.
Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin
Nach den Verhandlungen mit den USA habe sich Irans Außenminister zufrieden gezeigt, so Phoebe Gaa. Er habe aber auch gesagt, dass nicht mit schnellen Ergebnissen zu rechnen sei.
17.02.2026 | 2:12 minWas für einen US-Militärschlag spricht
Parallel dazu wächst die Sorge vor einer militärischen Eskalation. Die Gefahr eines erneuten US-Angriffs auf Iran werde hoch eingeschätzt, berichtet ZDF-Korrespondent David Sauer in Washington. Die USA hätten den Druck in den vergangenen Wochen sowohl rhetorisch als auch militärisch deutlich erhöht.
Zwei Flugzeugträgerverbände, darunter die "USS Abraham Lincoln" sowie die "USS Gerald R. Ford", seien in die Region verlegt worden. Solche Kräfteansammlungen deuteten häufig auf unmittelbar bevorstehende Operationen hin, so Sauer.
Nach Berichten über die Verlegung des Flugzeugträgers "USS Abraham Lincoln" in den Nahen Osten betont Washington, man beobachte Iran genau - auch wegen des harten Vorgehens gegen Demonstrierende.
23.01.2026 | 0:35 minWas gegen einen US-Militärschlag spricht
Gleichzeitig gebe es jedoch Gründe, die gegen einen unmittelbaren Angriff sprechen. Washington müsse eigene Militärstützpunkte in der Region absichern und wolle den aufgebauten Druck möglicherweise zunächst nutzen, um Teheran diplomatisch zum Einlenken zu bewegen, so Sauer.
Zudem befinde sich Präsident Trump im Wahljahr: Ein neuer, womöglich langwieriger Konflikt könnte sich innenpolitisch als riskant erweisen, steigende Ölpreise und negative Folgen für die US-Wirtschaft eingeschlossen.
Trump habe im Wahlkampf versprochen, "no more forever wars" zu führen, also keine neuen endlosen Kriege zu beginnen. Ein militärischer Schlag gegen Iran hätte jedoch genau dieses Potenzial.
Doch auch Iran probte während der Gespräche mit den USA ein Militärmanöver, sperrte kurzzeitig die Straße von Hormus.
Sowohl die Rhetorik der USA als auch die militärischen Vorbereitungen würden für einen amerikanischen Militärschlag gegen Iran sprechen, sagt ZDF-Korrespondent David Sauer.
17.02.2026 | 12:22 minVance: Iran erkennt von Trump gezogene "rote Linien" nicht an
Nach der zweiten Runde indirekter Verhandlungen im Atomstreit am Dienstag warf US-Vizepräsident J. D. Vance Iran vor, von Trump formulierte "rote Linien" nicht anzuerkennen. Details nannte er nicht.
Zwar hätten beide Seiten vereinbart, die Gespräche fortzusetzen, doch zentrale amerikanische Forderungen blieben unbeantwortet.
Die USA und Iran verhandeln erneut über einen Atom-Deal – doch Trump droht schon mit Konsequenzen. Was steckt dahinter? Eskalation, Regimechange oder echte Diplomatie?
17.02.2026 | 53:06 minNahost-Experte: Iran versucht Gespräche in Länge zu ziehen
Konkrete Fortschritte hätten die Gespräche in Genf zunächst nicht gebracht, erklärt Nahost-Experte Hans-Jakob Schindler bei ZDFheute live.
... ist Nahost-Experte und "Senior Director" beim "Counter Extremism Project". Er arbeitete unter anderem in der Forschung und für den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im Bereich Terrorismusüberwachung. Schindler schrieb seine Doktorarbeit über internationalen Terrorismus an der schottischen Universität in St. Andrews.
Man habe vielmehr das "normale iranische Vorgehen" gesehen: Teheran versuche, die Verhandlungen systematisch in die Länge zu ziehen, indem zunächst über Grundsatzfragen gesprochen werde.
Washington wolle drei Themen auf die Agenda setzen:
- das Nuklearprogramm
- das Raketenprogramm
- die Unterstützung von Terrororganisationen
Iran versuche die Gespräche hingegen auf das Nukleardossier zu begrenzen, so Schindler.
Die iranische Seite versuche die Verhandlungen systematisch in die Länge zu ziehen, sagt Nahost-Experte Schindler. Uneinigkeit bestehe schon bei den Themen, die besprochen werden sollen.
17.02.2026 | 6:30 minWorauf es bei der nächsten Runde ankommt
Für die nächste Runde hänge viel davon ab, ob die USA bereit seien, zunächst nur über das Nuklearprogramm zu sprechen. Denkbar sei, dass die US-Regierung auf einen Teilerfolg setze.
Iran habe zuletzt Flexibilität signalisiert, bei einer zeitweisen Aussetzung oder Reduzierung der Urananreicherung. Ziel Teherans sei es jedoch, Washington einen begrenzten Erfolg zu ermöglichen, in der Hoffnung, dass die weitergehenden Streitpunkte vertagt würden und Trump am Ende "einen Teilvertrag als Erfolg deklariert", bilanziert der Nahost-Experte.
Der iranische Präsident Peseschkian hat die von Gewalt gegen Protestierende betroffenen Iraner um Entschuldigung gebeten – jedoch ohne sich vom Vorgehen der Sicherheitskräfte zu distanzieren.
11.02.2026 | 0:27 minIrans Präsident Massud Peseschkian bekräftigte in einem am Dienstag veröffentlichten Interview, dass Teheran "absolut keine Atomwaffen anstrebt". "Falls jemand das überprüfen möchte, sind wir offen für eine solche Überprüfung."
Militärische Drohkulisse wächst auf beiden Seiten
Parallel zur Diplomatie verstärken beide Staaten ihre militärische Präsenz. Laut Korrespondentin Gaa bereiten sich Washington und Teheran offenbar auch auf ein mögliches Scheitern der Gespräche vor, indem sie Optionen für ein militärisches Eingreifen bereithalten.
Die Interviews führten Anne Gellinek und Barbara Parente, zusammengefasst hat sie Katharina Schuster.