Freunde statt Feinde - geht das?:Fäuste und Falafel bringen Menschen zusammen
von Wolfgang Danner
Zwei Kriege beherrschen die Schlagzeilen: Gaza und Ukraine. Sprachlosigkeit und Hass prägen das Klima auch hierzulande. Doch es gibt Menschen, die sich dem nicht beugen wollen.
"37°" erzählt von zwei Orten, an denen Freundschaft statt Feindschaft gelebt wird: vom israelisch-palästinensischen Restaurant "Kanaan" in Berlin und vom Boxclub 1923 Pirmasens.
09.12.2025 | 28:20 minZwei Orte zeigen, dass das scheinbar Unmögliche doch gelingen kann: das israelisch-palästinensische Restaurant "Kanaan" in Berlin und der BoxClub 1932 Pirmasens, in dem Ukrainer und Russen gemeinsam trainieren.
Im "Kanaan" arbeiten der Israeli Oz Ben David und der Palästinenser Jalil Dabit seit Jahren eng zusammen. Doch seit dem Massaker der Hamas und dem anschließenden Gaza-Krieg steht ihre Freundschaft unter enormem Druck. Oz, aufgewachsen in einer rechtsgerichteten Siedlerfamilie, und Jalil, der aus einer bekannten "Hummus-Dynastie" in Ramla stammt, ringen mit ihren Ängsten und Verletzungen.
Der Israeli Oz Ben David (r.) und der Palästinenser Jalil Dabit führen gemeinsam ein Restaurant. Sie beweisen, dass Dialog Hass in Hoffnung verwandeln kann.
Quelle: ZDFHamas-Angriff führte zu radikalem Zorn
Nach dem 7. Oktober 2023 stand das Restaurant kurz vor dem Aus. Der Schock über den Angriff führte bei Oz zu radikalem Zorn: Er war überzeugt, dass Gaza niedergebrannt und die Menschen dort getötet werden müssten - und er sagte das auch gegenüber Jalil.
"All diese Fragen, die mich bisher verfolgt hatten - 'Kannst du ihnen, den Arabern, wirklich vertrauen?' - wurden plötzlich zu: 'Wie konntest du nur so dumm sein, das zu glauben?'", erzählt Oz.
Ich habe ihm gesagt, dass ich jede Erinnerung, jedes Wort, das ich je über 'Kanaan' gesagt habe, auslöschen möchte.
Oz Ben David, betreibt mit Jalil Dabit das israelisch-palästinensische Restaurant "Kanaan"
Zum zweiten Jahrestag des mörderischen Hamas-Angriffs auf Israel blickt die auslandsjournal-Doku auf die zerstörerischen Folgen des Konfliktes für Israelis und Palästinenser.
02.10.2025 | 31:01 minMit dem Sohn die Wut herausgesogen
Das Restaurant blieb mehrere Tage geschlossen. Jalil jedoch fand einen eigenen Weg, um Oz zu erreichen: Er brachte seinen damals dreijährigen Sohn Teodor zu einem der Gespräche mit.
"Ich setzte ihn auf meinen Schoß, und er sagte: 'Oh hey, wie geht's euch?'", erzählt Jalil. Oz habe die zwei nur angesehen, so Jalil. Aber er habe sehen können, dass in Oz etwas passierte.
Er sah mich an, er wusste, dass ich Palästinenser bin, dass auch mein Sohn Palästinenser ist. Und dann stell' dir die Frage: Wie kannst du alle Palästinenser töten wollen, wenn dein Partner Palästinenser ist - und du ihn mit seinem Kind siehst?
Jalil Dabit, betreibt mit Oz Ben David das israelisch-pälästinensische Restaurant "Kanaan"
"Die Wut wurde förmlich aus mir herausgesogen", erzählt Oz über das Treffen. "Ich erschrak über die Art, wie ich gesprochen hatte", berichtet der Israeli weiter.
Es war, als wäre ich aus einem Bann aus Hass und Angst erwacht.
Oz Ben David, betreibt mit Jalil Dabit das israelisch-palästinensische Restaurant "Kanaan"
Das Restaurant gibt es nach wie vor. Die Situation bleibt schwierig, doch Oz und Jalil machen weiter.
Boxclub in Pirmasens: Respekt als Regel im Ring
Im pfälzischen Pirmasens stehen sich junge Russen und Ukrainer im Kampf gegenüber - aber in aller Freundschaft. Der russischstämmige Vorsitzende des Boxvereins Vitali leitet den Verein und trainiert gemeinsam mit dem ukrainischen Trainer Sergej die jugendlichen Boxer.
Im Ring gilt nur eine Regel: Respekt. Keine Politik, keine Feindbilder. Hier kämpfen junge Männer aus Russland, der Ukraine, Polen, Syrien, Afghanistan und Deutschland Seite an Seite. Der Boxsport wird zum Symbol dafür, dass Menschlichkeit stärker ist als Herkunft.
Die Initiative "YouthBridge" aus München bringt Jugendliche verschiedener Religionen und Herkunft zusammen, um Verständnis und Toleranz zu fördern.
20.12.2025 | 1:24 minSergej fragt sich, warum er Vitali hassen sollte oder Vitali ihn. "Wenn ich jemanden hasse oder Wut habe, dann funktioniert das gegen mich. Dann hasse ich mich selbst, wenn ich sowas mache" sagt der Trainer des Box-Clubs 1932 Pirmasens.
Zwei Beispiele für Freundschaft statt Feindschaft
Zwei Beispiele, wie trotz großer Gegensätze und Verletzungen Vertrauen wächst, wie Wut und Trauer in Nähe umschlagen können - und wie schwer es ist, in Zeiten des Krieges Mensch zu bleiben.
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