Krankentransporte aus Gaza: "Das Tor zur Welt" hat sich geöffnet

Helfer über Krankentransport nach Rafah:Gaza: "Das Tor zur Welt" hat sich "ein Stück weit geöffnet"

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Erstmals seit 2024 ist die Grenze Rafah zwischen Gaza und Ägypten geöffnet. Erste Krankentransporte sind möglich. Ein Helfer beschreibt, wie er die aufreibende Fahrt erlebt hat.

Mehrere Menschen vor Ruinen im Gazastreifen

Seit gestern ist der Grenzübergang in Rafah geöffnet. Ein Notfallsanitäter berichtet bei ZDFheute live exklusiv von den Krankentransporten.

03.02.2026 | 31:26 min

Am Tag nach der offiziellen Wiederöffnung des Grenzübergangs Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten konnten erste Krankentransporte aus dem zerstörten Gebiet gebracht werden. Die WHO brachte nach eigenen Angaben fünf Schwerkranke über die Grenze. Dabei bleibt die Lage aufgrund weiterer Angriffe Israels weiter gefährlich.

"Das war ein sehr besonderer Moment für uns", berichtet Notfallsanitäter Bernhard Kleinhäntz von der Hilfsorganisation Cadus, der einen der zwölfstündigen Transporte als Helfer in einem Krankenwagen begleitete.

Das Tor zur Welt für die Palästinenser und Palästinenserinnen hat sich ein Stück weit geöffnet.

Bernhard Kleinhäntz, Hilfsorganisation Cadus

Der Krankentransport, den er unterstützte, habe eine ältere Dame, die seit längerem auf medizinische Versorgung warte, nach Rafah gebracht, so Kleinhäntz.

Kartenansicht der Grenzübergänge Rafah und Kerem Schalom.

Rafah ist der einzige Grenzübergang aus dem Gazastreifen, der nicht über Israel führt.

Quelle: ZDF

So laufen die Krankentransporte aus Gaza ab

Die Ausreisen der Patienten finden in Zusammenarbeit mit der WHO statt, berichtet Kleinhäntz. Zunächst werde geprüft, ob die Patienten ausreisen können - also über die notwendigen Dokumente verfügen, eine Aufnahmezusage in einem der behandelnden Länder haben. "Wenn dem allen nichts im Wege steht, dann wird dieser Transport vorbereitet, geplant und durchgeführt."

Und so haben wir heute die ersten fünf sicher nach Rafah gebracht.

Bernhard Kleinhäntz, Hilfsorganisation Cadus

... ist eine gemeinnützige, unabhängige, internationale Hilfsorganisation aus Berlin. Derzeit befinden sich Helfer von Cadus nach eigenen Angaben im Gazastreifen sowie auch in der von Russland angegriffenen Ukraine.

Quelle: Cadus e.V.


Ägypten, Rafah: Busse stehen in Rafah, Ägypten, an der ägyptischen Seite des Grenzübergangs Rafah in den Gazastreifen an.

Zum ersten Mal seit fast zwei Jahren ist der Grenzübergang Rafah wieder geöffnet.

02.02.2026 | 2:10 min

Warum die Krankentransporte so schwierig sind

Die Bedingungen bei den Transporten seien widrig, so Kleinhäntz: "Man darf nicht vergessen, wo wir sind." Extrem schlechte Straßenverhältnisse und schlechtes Wetter erschweren den Transport, berichtet der Helfer. Auch die Formalitäten an der Grenze bräuchten Zeit. Große Herausforderungen - insbesondere auch für die transportierten Personen, die nun den völlig zerstörten Gazastreifen verlassen können:

Wenn wir uns überlegen, was diese Menschen in den letzten zwei Jahren erlitten haben, dann ist es klar, dass es auch für sie schwierig ist.

Bernhard Kleinhäntz, Hilfsorganisation Cadus

An der Grenze zu Rafah übergebe man die Personen dann an Vertreter anderer Hilfsorganisationen, die im Auftrag der behandelnden Länder die Obhut übernehmen. Die Patientin seines Krankentransportes habe er dem ägyptischen Roten Halbmond übergeben, so Kleinhäntz.

Ein Bus überquert den Grenzübergang Rafah, wo Menschen warten

Der Grenzübergang Rafah, der den Gazastreifen und Ägypten verbindet, ist wieder eingeschränkt geöffnet.

03.02.2026 | 0:20 min

WHO: Tausende warten im Gazastreifen auf Hilfe

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) warten im Gazastreifen aktuell noch rund 18.500 Patienten auf eine Ausreise, darunter rund 4.000 Minderjährige.

Das sind vor allem Patientinnen und Patienten, deren Behandlungen hier in Gaza schlichtweg nicht mehr möglich sind.

Bernhard Kleinhäntz, Hilfsorganisation Cadus

Dazu gehörten Krebsbehandlungen, Dialysebehandlungen sowie die Versorgung von Neugeborenen und Menschen mit schwersten Verletzungen, so Notfallsanitäter Kleinhäntz. Die Möglichkeiten der Versorgung vor Ort seien gering. Möglich seien Stabilisierungen und Erstversorgung von Patienten sowie Notoperationen. Für weitere medizinische Betreuung fehlten vor Ort vor allem Personal und Material.

ZDF-Korrespondent: Tor zur Welt öffnet sich "nur einen Spalt"

Die Grenzöffnung von Rafah sei ein "wesentlicher Schritt im Friedensprozess", sagt ZDF-Korrespondent Thomas Reichart in Tel Aviv. Es gelte: "Für Israel ist Rafah ein Sicherheitsrisiko". Aus israelischer Sicht seien über Rafah "massiv Waffen für die Hamas geliefert worden. Das war sozusagen der Zugang zum Gazastreifen, den sie nicht kontrollieren konnten". Deshalb führe man dort umfangreiche Kontrollen durch. Auch sei der für die Ausreise notwendige bürokratische Prozess "wahnsinnig aufwändig", so Reichart. Deshalb:

Es ist tatsächlich gerade nur ein Spalt breit, das Tor zur Welt, das sich da öffnet.

Thomas Reichart, ZDF-Korrespondent in Tel Aviv

ZDF-Korrespondent Thomas Reichart In Tel Aviv

Israel kontrolliere in Rafah massiv, nur wenige Personen dürften den Grenzübergang überqueren, sagt ZDF-Korrespondent Thomas Reichart.

03.02.2026 | 18:16 min

Was den Grenzübergang Rafah so wichtig macht

Rafah ist der einzige Grenzübergang aus dem Gazastreifen, der nicht über Israel führt. Die Wiedereröffnung erfolgte auf der Grundlage des US-Friedensplans. Der wichtige Grenzübergang, der früher für humanitäre Hilfslieferungen genutzt wurde, war am Montag wieder für den begrenzten Personenverkehr in beide Richtungen geöffnet worden.

Das Interview führte ZDFheute live-Moderatorin Sara Bildau. Autor der Zusammenfassung ist ZDFheute-Redakteur Silas Thelen.

Mit Material von AFP und dpa.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 03.02.2026 ab 19:30 Uhr.

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