Atomprogramm und Eskalationsgefahr:USA und Iran verhandeln: Was auf dem Spiel steht
USA und Iran nehmen in Oman trotz maximaler Spannungen neue Gespräche auf - geprägt von Misstrauen, offenen Drohkulissen und der Sorge vor einem regionalen Krieg. Worum es geht.
In Maskat treffen sich die USA und Iran zu neuen Gesprächen. Streit gibt es über Atomprogramm, Raketen und Milizen. Nach Angriffen und Drohungen ist das Misstrauen groß.
06.02.2026 | 1:59 minNach intensiver Vermittlung regionaler Staaten wollen sich Vertreter aus den USA und Iran heute zu neuen Verhandlungen im Golfstaat Oman treffen. Beide Seiten gehen jedoch mit deutlich unterschiedlichen Positionen in die Gespräche in der Hauptstadt Maskat, die vor dem Hintergrund von Sorgen vor einem neuen Krieg stehen. Antworten auf zentrale Fragen:
Warum verhandeln beide Seiten gerade jetzt?
Die neue Verhandlungsrunde zwischen Washington und Teheran hat viele Experten und auch Menschen in Iran zunächst überrascht. Während des Höhepunkts der iranischen Proteste gegen die autoritäre Staatsführung hatte US-Präsident Donald Trump den Demonstranten signalisiert: Ich stehe an eurer Seite. Mitte vergangenen Monats sprach sich Trump zudem für einen Machtwechsel in Iran aus und begann, das amerikanische Militär in der Region aufzustocken.
Plötzlich signalisierte Trump jedoch seine Bereitschaft für Verhandlungen. Ein Grund dafür dürfte die Krisendiplomatie regionaler Staaten wie Saudi-Arabien, Katar und der Türkei sein, die ein pragmatisches Verhältnis mit Teheran pflegen und eine militärische Eskalation mit gravierenden Auswirkungen auf ihre Länder fürchten.
Welche Interessen verfolgt Trump?
Trump hat seine Ziele in Iran bislang nicht klar benannt. Die massive militärische Verstärkung signalisiert einerseits, dass sich die USA wohl ernsthaft für einen Konflikt mit Teheran rüsten. Gepaart mit wiederholten Äußerungen zu einem möglichen militärischen Eingreifen seines Landes baute Trump dadurch auch eine Drohkulisse auf.
Das US-Militär hat eine iranische Drohne abgeschossen. Die Drohne habe sich einem Flugzeugträger genähert, so das Pentagon. Iranische Staatsmedien sprechen von einer Aufklärungsdrohne.
04.02.2026 | 0:22 minVon der ist er bis heute nicht abgerückt - auch wenn er inzwischen davon spricht, dass Iran einen Deal wolle. Seine Botschaft an Teheran lautet nun: Ein Deal ist eure Chance. Schlagt ihr sie aus, riskiert ihr, dass wir euch angreifen. Mithilfe der militärischen Drohkulisse erhöht Trump dabei den Druck auf Iran, sich seinen Forderungen zu beugen. Er verlangt unter anderem:
- die Reichweite von ballistischen Raketen zu begrenzen und
- vollständig auf eine heimische Urananreicherung zu verzichten
In seiner Verhandlungsposition sieht sich Trump auch durch den US-Angriff auf Venezuela gestärkt, der zur Gefangennahme des autoritären Staatschefs Nicolás Maduro führte. Tenor seiner Botschaft Richtung Iran: In Venezuela habt ihr gesehen, wozu wir in der Lage sind.
"Man weiß nicht was losgetreten wird, wenn dieses Regime tatsächlich durch US-Militärschläge unter Druck gesetzt wird", berichtet ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen zu den Iran-Verhandlungen.
03.02.2026 | 3:30 minWorum geht es bei den Gesprächen konkret?
Im Fokus der Gespräche steht das umstrittene iranische Atomprogramm. Trump und der Westen wollen verhindern, dass die Islamische Republik an Atomwaffen gelangt. Während Teheran beteuert, sein Nuklearprogramm nur zivil zu nutzen, ist die Staatsführung zu Kompromissen bei der Einschränkung bereit.
Teheran hat jedoch nach außen gleich mehrere rote Linien definiert. Die Industrie zur Urananreicherung wolle man nicht vollständig aufgeben, nicht verhandelbar seien außerdem Fragen zum Raketenprogramm. Die Vermittlerstaaten dürften vor allem ihren Einfluss nutzen, um einen großen regionalen Krieg abzuwenden.
Iran stuft die Bundeswehr als Terrororganisation ein und warnt im Fall eines US-Angriffs vor einer regionalen Eskalation. Zugleich laufen offenbar Gespräche mit den USA.
01.02.2026 | 2:30 minWas will Irans Staatsführung erreichen?
Die iranische Regierung hatte bereits bei den letzten Verhandlungen mit den USA als Ziel formuliert, eine Aufhebung der harten Wirtschaftssanktionen anzustreben. Die Strafmaßnahmen haben das Land vom internationalen Finanzmarkt weitgehend abgeschottet und Investoren abgeschreckt. Sie gelten als wichtiger Grund für die katastrophale Wirtschaftslage, die die Mittelschicht ausgehöhlt und Teile der Bevölkerung an den Rand der Armut gedrängt hat.
Dieses Mal dürfte es jedoch um deutlich mehr gehen. "Es ist Zeit, nach einer neuen Führung im Iran zu suchen", sagte Trump Mitte Januar dem Nachrichtenportal "Politico". Seit Wochen prägen im Iran Kriegssorgen die Schlagzeilen. Nach außen demonstrieren Regierung und Militär zwar Geschlossenheit und Bereitschaft zur militärischen Eskalation. Hinter den Kulissen dürfte die Staatsführung jedoch um ihre Existenz fürchten.
Was denken Menschen in Iran über Verhandlungen mit den USA?
Inzwischen sind die Massenproteste von Anfang Januar zwar verstummt, doch das Trauma des brutalen staatlichen Vorgehens gegen die Demonstrationen sitzt noch tief. Das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA hat nach eigenen Angaben den Tod von mindestens 6.400 Demonstranten verifiziert.
"In die Verhandlungen, die am Freitag in der omanischen Hauptstadt Maskat stattfinden sollen, setzen die Iranerinnen und Iraner, mit denen das ZDF-Team in Teheran in den vergangenen Tagen sprechen konnte, kaum Hoffnung", ordnet ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa ein.
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