USA und Iran: Welche Folgen der Vorfall im Arabischen Meer hat

Interview

Zwei Vorfälle im Arabischen Meer:Warum die Anspannung vor den USA-Iran-Verhandlungen wächst

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Zwei Vorfälle im Arabischen Meer - die Anspannung vor den Verhandlungen zwischen den USA und Iran wächst. Warum Iran jetzt provoziert, ordnet Nahost-Experte Schindler ein.

Trump und Chamenei vor der USS Abraham Lincoln

Eine iranische Drohne wird von einem US-Kampfflugzeug im Arabischen Meer abgeschossen. Was das für die geplanten Atomgespräche bedeutet, erklärt ZDFheute live.

04.02.2026 | 10:56 min

Neue Spannungen im Konflikt zwischen den USA und Iran: Nahost-Experte Hans-Jakob Schindler sieht in dem iranischen Vorgehen im Arabischen Meer eine klare Provokation in Richtung der USA. "Das ist Mit-dem-Feuer-Spielen in der aktuellen Situation", sagt er im Interview bei ZDFheute live.

Das US-Militär hatte am Dienstag eine iranische Drohne im Arabischen Meer abgeschossen. Es sah sich nach Pentagon-Angaben dazu gezwungen, weil sich die Drohne "auf aggressive Weise" dem Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" genähert habe.

USS Abraham Lincoln Flugzeugträger

Das US-Militär hat eine iranische Drohne abgeschossen. Die Drohne habe sich einem Flugzeugträger genähert, so das Pentagon. Iranische Staatsmedien sprechen von einer Aufklärungsdrohne.

04.02.2026 | 0:22 min

Schindler erklärt, dass damit das Eindringen in die Sicherheitszone des Flugzeugträgers und seiner Begleitschiffe gemeint sei. Nach einer erfolglosen Warnung würden die USA in solchen Fällen Gegenmaßnahmen ergreifen.

Von amerikanischer Seite war das eine Routineoperation. Von iranischer Seite war es offensichtlich eine Provokation.

Hans-Jakob Schindler, Nahost-Experte

Infografik: Arabisches Meer

Quelle: ZDF

Schindler: Iran will Botschaft nach innen und außen senden

Aus Teheran hieß es zwar, es habe sich lediglich um eine Aufklärungsdrohne gehandelt. Auch Schindler sagt, dass Iran ein Interesse daran habe, die Position des US-Flugzeugsträgers im Arabischen Meer zu kennen. Er gibt jedoch zu bedenken, dass Drohnen vom Typ Schahed 139 durchaus auch als Angriffsdrohne genutzt werden könnten. Es sei nicht unbedingt zu erkennen, ob eine Drohne bewaffnet sei oder nicht.

Der Nahost-Experte hält das iranische Vorgehen also für eine "bewusste Provokation (...), um zu zeigen, wir lassen uns nicht einschüchtern". Das sei eine sowohl nach innen als auch nach außen gerichtete Botschaft. Man wolle zeigen: "Die jetzt von den USA aufgebaute und von Donald Trump immer wieder erwähnte militärische Drohkulisse beeindruckt uns nicht."

Elmar Theveßen | ZDF-Korrespondent in Washington

"Man weiß nicht, was losgetreten wird, wenn dieses Regime tatsächlich durch US-Militärschläge unter Druck gesetzt wird", berichtet ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen zu den Iran-Verhandlungen.

03.02.2026 | 3:30 min

Iran bedrängt offenbar auch US-Tanker

Nur wenige Stunden nach diesem ersten Vorfall sollen sich dann auch noch zwei iranische Schiffe und eine Drohne einem US-Tanker genähert haben - wohl in der Straße von Hormus, einer für das internationale Ölgeschäft strategisch wichtigen Meerenge.

US-Angaben zufolge soll es iranische Drohungen gegeben haben, den Tanker zu entern und zu beschlagnahmen. Demnach kam ein US-Kriegsschiff zu Hilfe und hat den Tanker eskortiert. Schindler meint, das Bedrängen internationaler Tanker in der Straße von Hormus sei keine neue Strategie Teherans.

Das ist ein Signal der Iraner, immer wieder darauf hinzuweisen, dass sie natürlich die Möglichkeit haben, den Ölfluss aus dem Persischen Golf heraus zu stören.

Hans-Jakob Schindler, Nahost-Experte

Vorfälle unmittelbar vor USA-Iran-Verhandlungen

Die Vorfälle passieren zu einem heiklen Zeitpunkt: Am Freitag wollen die USA mit Iran über das Atomprogramm des Landes verhandeln. Schindler betont das immense militärische US-Aufgebot in der Region vor diesen Gesprächen. "Es stellt sich die Frage, wie lange das amerikanische Militär so viele Kräfte an einem einzigen Ort auf dem Globus bündeln kann. Das wird sicherlich nicht unendlich weitergehen", sagt er.

Entweder kommt es jetzt dann zur Verhandlung mit einem Ergebnis oder es wird dann doch zwangsläufig zu einem Angriff kommen.

Hans-Jakob Schindler, Nahost-Experte

Flugzeugträger

Mit verstärkter Marinepräsenz im Nahen Osten will Trump die Führung in Teheran an den Verhandlungstisch zwingen. Im Fokus ist vor allem das iranische Atomprogramm und die Entwicklung ballistischer Raketen.

02.02.2026 | 2:22 min

Es sei zudem fraglich, wie ernsthaft Iran überhaupt an Verhandlungen interessiert sei. Eigentlich war Istanbul als Verhandlungsort geplant, zuletzt brachte Teheran auch Oman ins Spiel. "Leider ist das islamische Regime in Iran ein Meister der Verhandlungen um der Verhandlungen willen und versucht immer wieder, Dinge hinauszuzögern."

Experte: Iran fährt Verzögerungsstrategie

Am Freitag wolle Iran nach derzeitigem Kenntnisstand im Oman direkt mit den USA verhandeln - jedoch nur über das Nuklearprogramm und "nicht über die zwei anderen sehr wichtigen Kernpunkte: Beschränkung des Raketen- und Drohnenprogramms und die Beziehungen zu verschiedenen Terrorgruppen von Hamas über Hisbollah bis zu Huthis und den irakischen Milizen", so Schindler. Das iranische Regime fürchte "eine fundamentale Beschneidung des Machtanspruchs", wenn es sich auf all diese Themen einließe.

Man versucht hier die Sache ganz offensichtlich weiter zu verkomplizieren und in die Länge zu ziehen.

Hans-Jakob Schindler, Nahost-Experte

Teheran hoffe, dass entweder US-Präsident Trump das Interesse an dem Thema verliert, wenn es zu lange dauert oder sogar, dass das Regime die Amtszeit Trumps "überlebt" und ein milderer Nachfolger im Weißen Haus einzieht. Dennoch ist Schindler mit Blick auf diplomatische Erfolgsaussichten nicht pessimistisch: Das Regime in Iran sei durchaus bereit, "relativ viel zu tun, um sein Überleben zu sichern".

Das Interview bei ZDFheute live führte Jessica Zahedi, zusammengefasst hat es Torben Heine.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 04.02.2026 um 09:54 Uhr in dem Beitrag "Schüsse im Arabischen Meer".
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