Trump droht - Teheran signalisiert Verhandlungsbereitschaft

Zwischen Kriegsdrohung und Gesprächen:Trump droht - Teheran signalisiert Verhandlungsbereitschaft

|

Die USA bauen ihre militärische Präsenz rund um Iran aus, zugleich ist von Gesprächen die Rede. Während Trump auf Drohungen setzt, sendet Teheran widersprüchliche Signale.

US-Präsident Donald Trump vor einer Karte des Irans

ZDFheute live ordnet ein.

01.02.2026 | 28:15 min

Die Spannungen zwischen den USA und Iran nehmen weiter zu - bei gleichzeitigen Signalen für mögliche Verhandlungen. US-Präsident Donald Trump setzt auf eine Strategie aus militärischem Druck und Gesprächsangeboten. Iran reagiert mit scharfer Rhetorik, zeigt sich aber zugleich gesprächsbereit.

Bei ZDFheute live ordnete ZDF-Reporter Carsten Rüger die Lage aus Istanbul ein. Trump mache deutlich, dass er auf eine diplomatische Lösung setze, solange seine Drohkulisse wirke. Ziel sei es, Iran zu Zugeständnissen beim Atomprogramm zu zwingen - insbesondere zur Aufgabe der heimischen Urananreicherung. Ein Militärschlag wäre aus Sicht der USA zwar möglich aber riskant, so Rüger, da damit auch regionale Partner der Vereinigten Staaten verprellt werden könnten.

ZDF-Reporter Carsten Rüger

Viele Iraner seien angesichts der wirtschaftlichen Lage unzufrieden mit dem Regime, so ZDF-Reporter Carsten Rüger. Die Währung sei abgestürzt und die Preise hätten sich verdreifacht.

01.02.2026 | 10:43 min

US-Militärpräsenz deutlich verstärkt

In den letzten Tagen haben die USA ihre militärische Präsenz rund um Iran erheblich ausgebaut. Zusätzliche Kampfflugzeuge, darunter F-15, wurden nach Jordanien und Katar verlegt. Der Flugzeugträger Abraham Lincoln bringt rund 70 Flugzeuge in die Region, darunter F-35-Jets. Auch Transportflugzeuge mit zusätzlicher Flugabwehr sind eingetroffen.

Welche Ziele im Falle eines Angriffs ins Visier genommen würden, bleibt offen. Neben dem iranischen Atomprogramm könnten auch die Revolutionsgarden oder die Führung des Landes selbst Ziel werden. Trump lasse bewusst Ungewissheit, so Rüger - klar sei jedoch, dass die USA über zahlreiche militärische Optionen verfügten.

Teheran zwischen Drohung und Diplomatie

Aus Iran kommen dagegen widersprüchliche Signale. Präsident Peseschkian betonte laut der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA in einem Telefonat mit Ägyptens Präsident al-Sisi die Notwendigkeit diplomatischer Prozesse. Gleichzeitig warnte Irans oberster Führer Ayatollah Ali Khamenei, ein US-Angriff würde diesmal zu einem "regionalen Krieg" führen.

Im Parlament inszenierten sich Abgeordnete der Revolutionsgarden demonstrativ in Uniform und riefen Parolen gegen die USA, Israel und Europa. Armeechef Amir Hatami erklärte, Iran werde das Land "bis zum Letzten" verteidigen.

Gleichzeitig mehren sich Hinweise auf diplomatische Kontakte. Außenminister Abbas Araghtschi sprach in der Türkei von der Bereitschaft Irans zu Verhandlungen über ein faires Abkommen. Nach Einschätzung Rügers sucht die iranische Führung trotz der martialischen Rhetorik erkennbar den Weg an den Verhandlungstisch - auch wegen der eigenen militärischen Schwächen.

Die Flagge der Europäischen Union weht vor dem Gebäude des Europäischen Parlaments im Wind in Straßburg.

Iran hat alle Streitkräfte von EU-Staaten zu Terrorgruppen erklärt. Damit reagiert das Regime auf eine Entscheidung der EU, die iranischen Revolutionsgarden als Terrororganisation einzustufen.

01.02.2026 | 0:31 min

Brutale Gewalt gegen die eigene Bevölkerung

Während international über Militär und Diplomatie diskutiert wird, bleibt die Lage der Menschen im Iran dramatisch. Rüger berichtet von großer Angst und Zurückhaltung im Land. Viele Familien seien von Verletzten oder Toten betroffen, die wirtschaftliche Lage habe sich weiter verschärft.

Auch die Europaabgeordnete Hannah Neumann (Grüne), Vorsitzende der Iran-Delegation im EU-Parlament, spricht bei ZDFheute live von massiver Gewalt.

Ich kenne niemanden, der nicht einen Angehörigen oder einen Freund verloren hat.

Hannah Neumann, Europaabgeordnete

Ziel des Regimes sei es gewesen, die Proteste endgültig zu brechen. "Die Brutalität war unfassbar", so Neumann weiter. Sicherheitskräfte hätten unbewaffnete Zivilisten aus nächster Nähe erschossen. "Es gibt wahrscheinlich Zehntausende Tote."

Grünen-Politikerin Hannah Neumann

Das Vorgehen der Revolutionsgarde sei auch ein Angriff auf die europäische Sicherheit, sagt die Vorsitzende der Iran-Delegation im EU-Parlament, Hannah Neumann von den Grünen.

01.02.2026 | 14:41 min

Skepsis gegenüber Trumps Kurs

Mit Blick auf die US-Politik zeigt sich Neumann skeptisch. Trumps Vorgehen wirke widersprüchlich.

Ich frage mich manchmal, ob er selber weiß, was er eigentlich möchte.

Hannah Neumann, Europaabgeordnete

Verhandlungen mit dem Regime könnten dieses eher stabilisieren als schwächen - und seien zugleich "ein Schlag ins Gesicht der Menschen im Iran".

Sowohl Rüger als auch Neumann betonen: Viele Iranerinnen und Iraner wünschen sich politischen Druck von außen - aber keinen großen Krieg. Massive Bombardierungen mit zivilen Opfern lehne die Bevölkerung ab.

Quelle: ZDF
Über das Thema berichtete ZDFheute live am 01.02.2026 in der Sendung "Iran: Bleibt der US-Angriff aus?" um 13:30 Uhr.

Mehr zu Iran

  1. Amir Hatami

    Explosionen sorgen für Unruhe:Iran versetzt Streitkräfte in höchste Alarmbereitschaft

    mit Video2:39

  2. Iraner versammeln sich während einer Protestaktion in Teheran, Iran, am 09.01.2026 und blockieren dabei eine Straße.
    Analyse

    Versorgung von Protestierenden:Wie das iranische Regime Mediziner gezielt ins Visier nimmt

    von Lisa Jandi
    mit Video1:40

  3. Angehörige der Islamischen Revolutionsgarde tragen Masken und nehmen am 10.01.2025 an einer Militärkundgebung in der Innenstadt von Teheran, Iran, teil.

    Revolutionsgarden auf EU-Terrorliste:Wie hart trifft die Terrorlistung Teherans Machtapparat?

    von Ninve Ermagan
    mit Video2:36

  4. Kadetten der iranischen Revolutionsgarden marschieren während einer jährlichen Militärparade. (Archiv)

    Außenminister sind einig:Irans Revolutionsgarden kommen auf Terrorliste der EU

    mit Video1:51