Krieg im Iran:Wenn die steigenden Ölpreise an der Zapfsäule ankommen
von Frank Bethmann
Rohöl verteuerte sich binnen vier Tagen um 16 Prozent - doch Sprit, Heizöl und Erdgas legten noch deutlich stärker zu. Das ist kein Zufall, sondern System.
Die Eskalation des Iran-Konflikts sorgt nicht nur politisch für Verunsicherung, auch in der Wirtschafts- und Finanzwelt herrscht Aufregung.
02.03.2026 | 9:14 minVier Tage nach dem Beginn des Krieges in Iran ist an deutschen Tankstellen, auf Heizkostenportalen und im Großhandel für Erdgas eines unübersehbar: Die Preise steigen - und sie steigen schneller als der Preis für das Rohöl selbst.
Rohölpreise steigen weiter
Rund zwanzig Prozent des weltweit gehandelten Rohöls passieren täglich die Straße von Hormus - jene 33 Kilometer schmale Meerenge zwischen Iran und Oman, die den Persischen Golf mit dem offenen Ozean verbindet. Iran hat seit Kriegsbeginn den Schiffsverkehr dort eingeschränkt. Das reicht, um die Märkte in Wallung zu bringen.
Der Preis für Rohöl der Sorte Brent, welches für Europa zurzeit am wichtigsten ist, sprang von rund 72 US-Dollar pro Barrel am Freitag auf über 84 Dollar am Dienstagmittag - ein Plus von inzwischen 16 Prozent. Das ist erheblich.
Als Reaktion auf die US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf Iran ist der Ölpreis innerhalb weniger Stunden um zehn Prozent gestiegen.
02.03.2026 | 1:44 minExperte: "Ölraffinerien weiten Gewinnmargen aus"
Doch wer an der Zapfsäule oder auf dem Heizölportal nachschaut, erlebt Aufschläge, die diesen Anstieg noch übertreffen. Steffen Bukold, Chef der Hamburger Beratungsfirma EnergyComment, beobachtet:
Wir haben eine völlige Loskopplung bei den Heizölpreisen.
Steffen Bukold, Energy Comment
Er führt aus, dass die Preise seit Freitag um 25 Prozent gestiegen seien. Rechnet man die fixen Steuern und Abgaben heraus, ist Heizöl sogar um 40 Prozent teurer geworden. "Die Erklärung ist relativ klar", so der Energiemarkt-Experte, "die Ölraffinerien nutzen jetzt die Nervosität im Markt und weiten ihre Gewinnmargen massiv aus."
Die Preise für Gasoil, dem Vorprodukt der Raffinerien für Diesel und Heizöl, wurden seit Freitag von den Ölkonzernen um 30 Prozent angehoben, obwohl es keine Lieferstörungen gibt und die Lagerbestände auf einem normalen Niveau liegen.
Auch Tanken wird immer teurer
Ähnlich verhält es sich mit den Tankstellenpreisen. In Deutschland kostet ein Liter Super-Benzin heute im Mittel 1,91 Euro. Der mittlere E10-Preis liegt bei 1,85 Euro pro Liter, beim Diesel sind es 1,84 Euro.
Das ergibt die SWR-Datenanalyse aller Kraftstoff-Preise der rund 15.000 deutschen Tankstellen am 3. März 2026, um 11 Uhr.
Benzin und Diesel kosten so viel wie seit zwei Jahren nicht. Grund sind Risikoaufschläge am Weltmarkt. Knappheit droht laut Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) aber nicht.
03.03.2026 | 2:39 minSind die Preisaufschläge gerechtfertigt?
Ist dieser Preisanstieg gerechtfertigt? Nur zum Teil. Der Rohölanteil am Endpreis ist real gestiegen. Doch Experten und Politiker weisen zu Recht darauf hin, dass der Kraftstoff, der heute an deutschen Tankstellen verkauft wird, überwiegend zu niedrigeren Vorkriegspreisen eingekauft wurde.
Verschiedene SPD-Politiker haben das bereits als Abzocke bezeichnet, die CDU denkt laut über preisdämpfende Gegenmaßnahmen nach. Derweil argumentieren die Mineralölkonzerne, sie würden damit einem zukünftigen Kostendruck vorweggreifen.
Der Krieg in Nahost verteuert den Sprit - auch in Deutschland. Je länger dieser Konflikt dauert, desto mehr werden wir die Auswirkungen spüren, sagt ZDF-Wirtschaftsredakteur Frank Bethmann.
02.03.2026 | 6:36 minInternationale Ölkonzerne verdienen in der Krise doppelt
Dass die internationalen Ölkonzerne jetzt die Chance sehen, ihre Gewinnsituation zu verbessern, überrascht langjährige Marktbeobachter wie Bukold nicht. Seit einem Jahr waren die Rohölpreise für die Multis viel zu niedrig, weil es einfach ein Überangebot gab.
Und bereits da war ein Muster zu erkennen: "Man konnte in den Bilanzen der Ölkonzerne für die letzten Quartale sehen, dass sie niedrigere Gewinne beim Rohöl durch höhere Gewinne bei den Raffinerien ausgleichen, d.h. sie kaufen Rohöl billig ein und versuchen dann ihre Produktpreise, also für Benzin, Diesel, Heizöl usw., hochzuhalten."
Angesichts des Iran-Kriegs warnt Wirtschaftsweise Veronika Grimm vor einem neuen Energieschock. Steigende Öl- und Gaspreise könnten Inflation und energieintensive Branchen belasten.
03.03.2026 | 0:25 minAktuell also profitieren die großen Ölkonzerne an beiden Preisfronten - also doppelt. Allerdings gehört zu dieser Rechnung genauso, dass der Krieg am Golf auch kostspielige Schäden verursacht. Saudi-Arabien musste seine größte Raffinerie herunterfahren, Katar den größten LNG-Exportterminal der Welt. LNG ist flüssiges Erdgas, auf das auch die deutsche Gasversorgung angewiesen ist.
Preisaufschläge beim Erdgas kommen mit Verzögerung
Und tatsächlich gibt es derzeit beim Erdgas die stärksten Ausschläge nach oben. "Im Großhandel haben sich die Preise seit Freitag glatt verdoppelt", bestätigt Bukold. Mit allerdings einem entscheidenden Unterschied. Während es Verbraucher beim Heizöl und Sprit sofort zu spüren bekommen, dauert es beim Gas einige Zeit, bis sich das beim Endkunden bemerkbar macht.
Die Eskalation des Iran-Kriegs wirkt sich auch auf die Finanz- und Energiemärkte aus. Iran schränkt den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ein, einer der wichtigsten Handelsrouten.
02.03.2026 | 2:23 minGrund sind die zumeist längerfristigen Verträge, die über ein oder zwei Jahre gehen. Trotzdem müssen Haushalte und Unternehmen befürchten, dass auch sie die Auswirkungen noch zu spüren bekommen. Insbesondere dann, wenn der Krieg im Nahen Osten noch länger andauern sollte, ist Bukold überzeugt:
Je länger die Straße von Hormus geschlossen bleibt, umso höher steigen die Preise.
Steffen Bukold, Energy Comment
Ein Fünftel der Öltransporte passiert die Straße von Hormus. Schiffe melden, Iran warne nach den US-israelischen Angriffen vor der Durchfahrt. Viele Reedereien stoppen die Fahrt.
01.03.2026 | 1:13 minVersorgung mit Öl und Gas ist gesichert
Da macht es auch keinen Unterschied, dass in Deutschland derzeit keine Knappheiten bei Öl und Gas zu befürchten sind, wie ein Regierungssprecher sagte. Das bestätigt auch der Mineralölverband EN2X mit dem Verweis darauf, dass Deutschland Rohöl aus rund 30 Ländern beziehe und sich unter den Top Ten mit dem Irak nur ein Land aus der Golfregion befinde.
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