Verändern oder verzichten?:Wie der Iran-Krieg unseren Alltag beeinflusst
von Jasmin Astaki-Bardeh
Gestiegene Energiekosten stellen die Deutschen vor Herausforderungen - und belohnen Flexibilität. Wie sich unser Verhalten durch die Folgen des Iran-Kriegs schon jetzt verändert.
Eine spürbare Entspannung der Spritpreise ist nicht in Sicht. Der Osterurlaub mit dem Auto - deutlich teurer als geplant. Immer mehr denken über den Umstieg auf ein E-Modell nach.
11.04.2026 | 5:30 minDas frisst enorm Sprit: Rund 200 Kilometer fahren die Handwerker der Klempnerei Smejkal - jeden Tag. Sie verkleiden Fassaden, Dächer und installieren aufwändige Abwässerungssysteme. Ihre Baustellen liegen oft weit entfernt von ihrem zentralen Lager in Heidenheim an der Brenz in Baden-Württemberg.
Für Meister Robert Smejkal, der den Familienbetrieb seit mehr als 30 Jahren führt, ist Benzin aktuell ein extremer Kostenfaktor. Die Sperrung der Straße von Hormus belastet seinen Betrieb doppelt: Tanken ist so teuer wie nie - und die Baustoffe auch. "Bei Materialien wie Styropor oder Styrodur ist auch ein gewisser Öl-Anteil dabei. Und wenn der Preis für das Öl steigt, steigen die Preise der Dämmmaterialien auch."
Man kriegt gerade jeden Tag per E-Mail Preiserhöhungen zwischen 5 und 15 Prozent von irgendeinem Hersteller.
Robert Smejkal, Klempnermeister aus Baden-Württemberg
Der stockende Schiffsverkehr in der Straße von Hormus lähmt die deutsche Wirtschaft in ohnehin unsicheren Zeiten. Smejkal muss seit Jahren eingeschliffene Abläufe anpassen, damit sein Betrieb überlebt: Perspektivisch möchte er auf Elektromobilität umstellen und Solaranlagen auf dem Firmendach installieren. "Dass uns wenigstens im Sektor Mobilität keine so großen Preisschwankungen ins Haus stehen, wie momentan", sagt Smejkal.
Mehrkosten infolge des Irankriegs setzen Speditionen unter Druck. Aufträge fallen weg und Verbraucher spüren Folgen im Alltag. Die Branche blickt sorgenvoll in die Zukunft.
11.04.2026 | 2:33 minAnalyse: Iran-Krieg beeinflusst Konsumverhalten europaweit
Seine Erfahrungen passen zu den Ergebnissen einer Auswertung des Marktforschungsinstituts YouGov. Demnach wirken sich die steigenden Kosten europaweit auf das Konsumverhalten der Menschen aus - und zwingen Verbraucher zu strategischerem Einkaufen.
"Krisen und Kriege wie der Iran-Konflikt verstärken strukturelle Veränderungen im europäischen Konsumgütermarkt", sagt Stefan Lohmann, Senior Consultant bei YouGov.
Aktuell steigende Kosten treffen auf ein Konsumumfeld, das bereits durch anhaltende Inflation geprägt ist.
Stefan Lohmann, Senior Consultant bei YouGov
Verhalten ändern oder abrupt verzichten?
In mehreren europäischen Ländern berichten Haushalte demnach zunehmend von Schwierigkeiten, Ausgaben für Energie, Mobilität und Lebensmittel zu stemmen. Verbraucher reagierten darauf allerdings nicht mit abruptem Verzicht, sondern mit einer "zunehmend differenzierten und selektiven Steuerung ihres Einkaufsverhaltens".
Die Erhöhung der Mehrwertsteuer wird diskutiert. Aber warum ausgerechnet die Mehrwertsteuer? Und welche Konsequenzen hätte das für uns? Das erklärt ZDF-Wirtschaftsexpertin Valerie Haller.
11.04.2026 | 8:38 minViele rechnen laut der Analyse damit, in naher Zukunft Einschnitte vornehmen zu müssen. Das betrifft insbesondere jene Verbraucher, die bereits zuvor ihr Budget anpassen mussten. Allein die Erwartung wirkt als Treiber für Preisbewusstsein und Zurückhaltung beim Konsum.
Autohäuser: Elektroautos beliebter denn je
Ein Beispiel für Verhaltensänderungen: Bei vielen steigt derzeit das Interesse an nicht-fossilen Energieträgern deutlich. Autohäuser berichten von einem regelrechten Run auf Elektromobilität:
Der treibende Punkt sind Kosten: Kosten fürs Auto an sich, die monatlichen Kosten, Kraftstoff- oder eben auch Stromkosten. Da fängt man an abzuwägen und zu schauen: Was ist für mich günstiger?
Frieder Ratzel, Geschäftsführer Autohaus Ratzel
Steigende Spritpreise infolge des Iran-Kriegs zeigen Wirkung: Das Interesse an Elektroautos wächst spürbar. Kommt die Energiewende jetzt auch im Autohaus an?
07.04.2026 | 2:33 minWer nicht mit dem Auto fahren kann, steigt unter Umständen auf das Fahrrad um. "Ich könnte es mir zwar leisten, weiter [mit dem Auto] zu fahren. Aber ich mache es nicht, aus Trotz, damit die Mineralölkonzerne nicht noch mehr mit der Not verdienen", schildert Radfahrer Angelo in Böblingen ZDFheute. "Jetzt ist die Politik gefragt."
Expertin: Welt der sicheren Lieferketten ist vorbei
Handwerksmeister Robert Smejkal versucht, gelassen zu bleiben: "Irgendwann lernt man auch, mit Krisen umzugehen. Mein ganzes Berufsleben ging das jetzt schon so. Von daher wächst mir da jetzt kein graues Haar mehr."
Der Verband Deutscher Reeder hat neueste Entwicklungen zur deutschen Seeschifffahrt vorgestellt. Die Bedeutung von Seehandelsrouten zeigt sich in der aktuellen geopolitischen Lage klarer denn je.
23.03.2026 | 1:52 minAuch Ökonomen schätzen, dass sich in den aktuellen weltpolitischen Krisenzeiten viele Unternehmen neu sortieren müssen. Dabei zahlt sich Flexibilität aus: "Pauschale Lösungen gibt es keine, aber man müsste vielleicht mehr Lagerhaltung betreiben, über preisliche Absicherungen nachdenken oder verschiedene Lieferanten aufbauen, um nicht nur auf eine Quelle angewiesen zu sein", erklärt Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln.
Denn: Die Illusion, dass man in eine Welt zurückkehre, in der man sich so wenig Sorgen machen muss, in der alle Lieferketten gesichert sind, sei passé.
Jasmin Astaki-Bardeh ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Baden-Württemberg.
Mit Material von dpa.
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