Absicherung gegen Energiekrisen:Regierung erwägt staatliche Gasreserve für den Notfall
Die Bundesregierung will sich besser gegen Energiekrisen absichern. Dafür prüft sie nun doch die Möglichkeit einer staatlichen Gasreserve. Die könnte bis zu zwei Wochen abdecken.
Das Wirtschaftsministerium hat ein Konzept für eine staatliche Gasreserve erarbeitet. Demnach sollen zehn Prozent der deutschen Speicherkapazitäten für Notfälle vorgehalten werden.
10.04.2026 | 0:19 minDie Bundesregierung arbeitet nun doch an Plänen für eine staatliche Gasreserve. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums teilte ZDFheute mit, dass aktuell geprüft werde, "wie ein zusätzliches Instrument in Form einer strategischen Reserve ausgestaltet werden kann". Ziel sei die bessere Absicherung gegen Energiekrisen.
Zuvor hatten das "Handelsblatt" und die Nachrichtenagentur Bloomberg darüber berichtet. Das "Handelsblatt" berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, dass künftig zehn Prozent der deutschen Gasspeicherkapazitäten als Notfallreserve vorgehalten werden.
Konkret nennt der Bericht für die Reserve eine Größe von etwa 24 Terrawattstunden. Falls alle Gasimporte ausfallen sollten, könnte die Reserve die Versorgung in einem normalen Winter demnach für etwa zwei Wochen sichern. Die einmaligen Kosten würden auf 500 Millionen bis 1,5 Milliarden Euro beziffert, die jährlichen Betriebskosten auf bis zu 165 Millionen Euro.
Die anhaltende Kälte sorgt für wachsende Sorgen um die Gasversorgung. Die Speicher liegen nur knapp über der Mindestfüllung. Experten raten dazu, zusätzliche Reserven anzulegen.
05.02.2026 | 1:27 minWirtschaftsministerin Reiche zögerte lange
Die strategische Reserve "soll strikt vom Markt getrennt als reine Krisenvorsorge vorgehalten werden", teilte der Ministeriumssprecher mit. "Dadurch würde der Markt nicht verzerrt und die Wintervorsorge könnte weiterhin effizient und vom Markt wahrgenommen werden." Die Verantwortung für die Krisenvorsorge würde aber der Staat übernehmen.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte lange gezögert, ein solches Instrument einzuführen. Der Markt funktioniere, die nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 aufgebauten Terminals für Flüssigerdgas (LNG) reduzierten den Speicherbedarf, so ihre Argumente.
Geschäftsmodell zur Speicherung wird unwirtschaftlich
Hintergrund der Pläne ist, dass sich das Geschäftsmodell für Speicherbetreiber zunehmend als unwirtschaftlich erweist. Anders als vor dem Ukraine-Krieg, als günstiges russisches Pipeline-Gas im Sommer eingespeichert wurde, setzen Händler nun auf kurzfristige Beschaffung. Dies macht die langfristige Einspeicherung unattraktiv.
Die EU will bis 2027 kein Gas mehr aus Russland beziehen. Brüssel will damit unabhängig werden. Aber es gibt Ausnahmen. ZDFheute live analysiert die Folgen der EU-Entscheidung.
03.12.2025 | 17:21 minIn der Branche wird dem "Handelsblatt" zufolge zudem bezweifelt, dass LNG-Terminals die Speicher ersetzen können. Während der Kältewellen im vergangenen Winter seien die Speicher für den Großteil der Versorgungssicherheit verantwortlich gewesen, hieß es.
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