Niedrige Stände in Gasspeichern:Eine nationale Gasreserve für Deutschland?
von Leon Fried und Andreas Weise
In diesem besonders kalten Winter sind die Gasspeicher auf einem historischen Tiefstand. Experten diskutieren deshalb über eine nationale Gasreserve.
Die anhaltende Kälte sorgt für wachsende Sorgen um die Gasversorgung. Die Speicher liegen nur knapp über der Mindestfüllung. Experten raten dazu, zusätzliche Reserven anzulegen.
05.02.2026 | 1:27 minDie Angst vor leeren Gasspeichern ist zurück. Während der Gaspreisschock zu Beginn des Ukraine-Kriegs vielen noch in den Knochen steckt, bereiten nun Meldungen über niedrige Speicherstände so manchem Kunden Sorgen.
Experten sprechen von einem historischen Tief. Ende Januar 2025 lagen die Speicherstände bei 58 Prozent, ein Jahr zuvor sogar bei 76 Prozent. Aktuell sind die Gasspeicher nun nur noch zu etwa 30 Prozent gefüllt. Dieser Füllstand würde für ungefähr 40 Tage reichen.
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Vorbild nationale Ölreserve
Doch Krisen machen erfinderisch. Das gilt auch für Energiemangellagen. Und so wird nun die Forderung nach einer strategischen Gasreserve laut. Die fordert etwa Kerstin Andrae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW):
Zur Absicherung eines akuten Krisenfalls und unerwarteter externer Schocks ist die Schaffung einer Speicherreserve ein sinnvolles Instrument.
Kerstin Andrae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)
Vorbild einer solchen Speicherung von Gas für Notfälle ist die strategische Ölreserve. Sie wurde nach der Ölkrise Mitte der 70er Jahre angelegt und soll die Versorgung für 90 Tage sichern.
Deutschlands Gasvorräte schwinden. Die Bundesnetzagentur sieht jedoch keinen Grund zur Panik.
22.01.2026 | 1:42 minAktuell keine Engpässe befürchtet
Auch Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur, begrüßt die Diskussion über eine strategische Gasreserve. Zwar rechnet Müller bei der Gasversorgung in Deutschland trotz sinkender Speicherfüllstände nicht mit Engpässen. Die Versorgungssicherheit sei gegeben. Sinnvoll, sich mit einer Gasreserve für "disruptive Ereignisse" abzusichern, sei es trotzdem, so Müller.
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Ein solches disruptives Ereignis könnte das Ausbleiben von Gaslieferungen aus dem Ausland sein. Auch wenn Deutschland nicht mehr im selben Maß von einem Land abhängig ist, wie das vor Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine mit Russland war.
Der Anschlag auf das Berliner Stromnetz hat gezeigt, wie verwundbar wichtige Versorgungseinrichtungen sind. "Kritische Infrastrukturen werden ziemlich allein gelassen", so der BSKI-Vorsitzende Holger Berens.
29.01.2026 | 5:14 minLieferstopps ausländischer Importeure möglich
Gas kommt inzwischen zu einem nicht unerheblichen Teil aus Norwegen sowie als Flüssiggas über LNG-Terminals an Nord- und Ostsee. Ein Großteil davon stammt aus den USA. Die Lieferungen sind größtenteils zuverlässig.
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Doch ein Restrisiko bleibt, denn sollten die Lieferungen aufgrund geopolitischer Spannungen ausfallen, würde das Deutschland vor Probleme stellen. Eine nationale Gasreserve kann für diesen Fall wie eine Versicherung wirken.
Eine Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten hat sich für einen Importstopp von russischem Gas ab 2028 ausgesprochen. Die Gaseinfuhr aus Russland macht rund ein Fünftel des Imports aus.
20.10.2025 | 1:44 minMassive Kosten erwartet
Doch die gibt es nicht zum Nulltarif. Ein nationaler Gasspeicher komme mit sehr hohen Kosten daher, gibt Georg Zachmann von der Denkfabrik Bruegel zu bedenken.
Dieses Gas muss gekauft werden für viele Milliarden Euro […] und das würde dann eben der Steuerzahler bezahlen müssen.
Georg Zachmann, Denkfabrik Bruegel
Es ist nicht das erste Mal, dass über eine nationale Gasreserve laut nachgedacht wird. Als es im Jahr 2008 zum Kaukasuskrieg zwischen Russland und Georgien gekommen war, regte das Wirtschaftsministerium schon einmal an, strategisch Gas zu bevorraten. Gekommen ist es dazu allerdings nie.
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