Strom aus importiertem Gas:Wie unabhängig ist unsere Energieversorgung?
von Kerstin Ripper
Für die Stromproduktion braucht Europa jede Menge Energie. Vor allem Gas muss importiert werden. Wie abhängig sind wir von diesen Importen in Europa und in Deutschland?
Woher bezieht Europa seine Energie? Wie abhängig Deutschland und die EU von Importen bei Gas, Öl und Strom sind - und welche politischen und wirtschaftlichen Risiken daraus entstehen.
26.01.2026 | 3:19 minDamit in Europa die Lichter nicht ausgehen, brauchen wir rund 2.700 Terawattstunden (TWh) Strom im Jahr. Deutschland als Industrie-Nation verbraucht den meisten Strom in Europa. Im letzten Jahr waren das nach Angaben der Bundesnetzagentur rund 500 Terawattstunden.
Eine Terawattstunde (TWh) entspricht einer Milliarde Kilowattstunden. Damit kann ein durchschnittliches E-Auto 100.000 Mal um die Erde fahren.
Deutschland in Sachen Strom kein Selbstversorger
Deutschland ist bei der Stromproduktion rein rechnerisch kein reiner Selbstversorger. Im vergangenen Jahr haben wir etwa 4,5 Prozent Strom importiert.
Allerdings könnten wir unseren ganzen Strom selbst produzieren. Tun wir aber nicht: aus Kostengründen. Die Erklärung dafür liefert Fiete Wulff von der Bundesnetzagentur:
Deutschland kauft Strom in den Nachbarländern, wenn es dort günstiger ist.
Fiete Wulff, Bundesnetzagentur
ZDFheute Infografik
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Es seien in Deutschland ausreichend Stromerzeugungskapazitäten vorhanden, um den Bedarf zu decken, erklärt Wulff. "Aber es gibt eben Situationen, da kann es günstiger sein, den Strom im Ausland zu kaufen."
Günstigen Strom kaufen wir vor allem aus Dänemark, Frankreich und den Niederlanden. Aber Deutschland verkauft auch Strom: "In der Regel exportieren wir Strom, wenn wir ein hohes Angebot erneuerbarer Energien haben. Dieser Strom ist sehr günstig und wird dann von unseren Nachbarländern gern genommen," sagt Fiete Wulff.
Gas, LNG, Strom: Deutschland sucht Energiesicherheit. Franziska Holz vom DIW ordnet ein, ob neue Abhängigkeiten entstehen - und wie verletzlich die Versorgung im Winter ist.
26.01.2026 | 4:08 minVom Exporteur zum Importeur
In der Vergangenheit hat Deutschland auch günstiges Gas aus Russland genutzt, um Strom zu produzieren. Der konnte dann entsprechend günstig auf dem europäischen Strombinnenmarkt verkauft werden. In den 2000er Jahren - bis 2023 - hat Deutschland mehr Strom verkauft als von den Nachbarländern eingekauft.
Die Produktionskapazitäten sind auch heute noch vorhanden. Es ist nur eine Frage des Preises. Günstigen Strom produziert Deutschland heutzutage vor allem dann, wenn die Sonne scheint und der Wind weht. Denn fast 60 Prozent unseres Stroms gewinnen wir aus erneuerbaren Energien.
frontal-Recherchen zeigen Schwachstellen im deutschen Stromnetz, die leicht angreifbar sind. Diese können die Versorgung von ganzen Stadtteilen und sogar von Dax-Konzernen gefährden.
27.01.2026 | 9:17 minGas-Importe aus Norwegen und Niederlanden
Strom aus konventioneller Energie produziert Deutschland vor allem mit Erdgas, gefolgt von Braunkohle und Steinkohle. Braunkohle wird in Deutschland gefördert, Steinkohle wird importiert. Auch Gas muss importiert werden. Es kommt zu 44 Prozent aus Norwegen, zu 24 Prozent aus den Niederlanden, zu 21 Prozent aus Belgien und zehn Prozent als Direktimporte größtenteils aus den USA.
Prof. Franziska Holz vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung hat den Blick auf die steigende Relevanz von Gas-Importen aus den USA nach Deutschland. Auf die Frage, ob hier eine neue Abhängigkeit entstehen könnte, relativiert sie: "Zum einen haben wir keinen großen Staatskonzern, der von einem amerikanischen Präsidenten gelenkt werden würde, so wie das bei Gazprom und Russland der Fall war. Und zum anderen haben wir einen relativ flexiblen Markt." Mit den USA bestünden eher kurzfristige Verträge, so dass es die Möglichkeit gäbe, auf andere Exporteure umzuschwenken, erklärt Holz. "Die LNG-Exportkapazitäten werden in der Welt gerade sehr massiv ausgebaut."
Während die Niederlande zum Teil Gas auch selbst produzieren, kommt das Gas aus Belgien ausschließlich aus Drittstaaten. Auch aus Russland. Damit kann nicht 100-prozentig ausgeschlossen werden, dass über diesen Umweg russisches Gas durch deutsche Leitungen fließt. Darauf weist auch Georg Zachmann, Experte für den europäischen Strommarkt, im ZDF-Interview hin.
Die EU will bis 2027 kein Gas mehr aus Russland beziehen. Brüssel will damit unabhängig werden. Aber es gibt Ausnahmen. ZDFheute live analysiert die Folgen der EU-Entscheidung.
03.12.2025 | 17:21 minMehr Gas-Lieferanten für Europa benötigt
Der Blick auf den Energie-Mix in Europa zeigt: Zur Stromproduktion wird fast 50 Prozent erneuerbare Energie genutzt, aber noch wird hauptsächlich konventionelle Energie genutzt. Im Schnitt etwas weniger erneuerbare Energie als in Deutschland - aber auch hier ist die Tendenz steigend.
Deutschlands Gasvorräte schwinden. Die Bundesnetzagentur sieht jedoch keinen Grund zur Panik.
22.01.2026 | 1:42 minAuch der europäische Gesamtmarkt bezieht das meiste Gas aus Norwegen, aber auch immer noch aus Russland. Aber nur noch bis 2027. Anfang der Woche hat sich die EU darauf verständigt, endgültig auf Gasimporte aus Russland zu verzichten - wenn auch mit Widerstand aus Ungarn und der Slowakei.
Den meisten Strom verbraucht die Industrie mit 41 Prozent, gefolgt von den Haushalten mit 29 Prozent, Gewerbe und Handel sind für 26 Prozent unseres Stromverbrauchs verantwortlich und nur vier des Stroms verbrauchen wir für Verkehr.
Quelle: BDEW
Kerstin Ripper ist Redakteurin beim ZDF-Magazin WISO.
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