Nordsee-Gipfel: Was sichert unsere Energieversorgung

Sabotage, Drohnen, Wasserstoff:Nordsee-Gipfel: Was sichert unsere Energieversorgung?

Porträt der ZDF-Landesstudioleiterin in Hamburg Britta Hilpert

von Britta Hilpert

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Beim Nordsee-Gipfel in Hamburg geht es um mehr als Energie: Offshore-Wind, grüner Wasserstoff und der Schutz kritischer Infrastruktur rücken in den Fokus.

Offshore-Windenergiepark "bard offshore 1" in der Nordsee

Die Energieminister und Staats- und Regierungschefs der europäischen Nordseestaaten treffen sich in Hamburg, um über eine sichere und saubere Energieversorgung im Nordseeraum zu verhandeln.

26.01.2026 | 2:57 min

"Das ist Energiewende live!", sagt Holger Matthiesen und zeigt auf die Hochspannungsmasten des alten Kohlekraftwerks. "Der Hochspannungsanschluss hat ursprünglich den Strom aus dem alten Kohlekraftwerk ins Netz eingespeist. Und jetzt bringt er uns den Strom, mit dem wir unseren grünen Wasserstoff produzieren."

In Moorburg, neben der Kohlekraftwerkruine, entsteht nun Deutschlands erster großer Elektrolyseur: Ab 2027 wird hier Wasserstoff produziert, erstmals im industriellen Maßstab. Matthiesen ist überzeugt: Das ist die Zukunft der Energieversorgung.

Der Strom kommt meist von den Offshore-Windparks in der Nord- oder Ostsee. Im Wasserstoff kann der Strom gespeichert werden, der nicht sofort verbraucht wird. Wasserstoff kann so ähnlich verwendet werden wie Erdgas. Und Energie ist das zentrale Thema des Nordsee-Gipfels in Hamburg: Um von Gas, Öl und auch von ihren Lieferländern unabhängiger zu werden, wollen die Europäer den Ausbau von Offshore-Windparks forcieren.

Isabelle Schaefers in Schaltposition

Hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft treffen sich zum Nordseegipfel in Hamburg. Das Hauptthema: Die Energiesicherheit. ZDF-Korrespondentin Isabelle Schaefers ordnet die Lage ein.

26.01.2026 | 3:36 min

Kritische Infrastruktur: Wenn Russlands Schattenflotte den Anker schleifen lässt

Das zweite Ziel des Gipfels: mehr Sicherheit. Denn die Windparks, die Leitungen dorthin, das bedeutet auch: mehr sogenannte kritische Infrastruktur. Und die ist immer stärker bedroht, auf vielfältige Art: Auf der Ostsee zum Beispiel lässt die russische Schattenflotte schon mal Dutzende Kilometer lang den Anker hinter sich herschleifen - so sollen Leitungen gekappt werden.

Der Hamburger Hafen verzeichnet seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine eine Zunahme gezielter Cyber-Angriffe, die mutmaßlich aus Russland und China gesteuert wurden. Hinzu kommen jedes Jahr Dutzende Sichtungen von Drohnen, die kritische Infrastruktur des Hafens mindestens ausspähen - einmal musste deshalb sogar ein Terminal für einige Zeit stillgelegt werden.

Power to-X-Produktion

In Bremerhaven wird eine schwimmende Versuchsplattform für die "Power-to-X"-Produktion vorgestellt. Auf offener See soll zukünftig grüner Wasserstoff produziert werden.

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"Wir konnten zwar bisher einerseits keine Drohnen-Sichtung tragfähig mit Russland in Verbindung bringen", so Hamburgs Innensenator Andy Grote. "Aber es spricht vieles dafür: die Flugmuster, die Orte der Sichtungen, sind die Drohnen detektionsfähig oder nicht - wir können schon davon ausgehen, dass sie von Mächten kommen, die uns nicht wohlgesonnen sind."

Zusammenarbeit bei Sicherheit: Vorbild Ostsee

Er will als aktueller Vorsitzender der Innenministerkonferenz deshalb das auf Länderebene vorantreiben, was auch die Europäer mit diesem Nordseegipfel bezwecken: "Kräfte bündeln." Grote nennt als Beispiel das Kompetenzcluster Drohnenabwehr von Bund und Ländern oder eine Kooperation mit Rheinmetall.

Dieses Luftbild, das am 1. Oktober 2025 vor der westfranzösischen Hafenstadt Saint-Nazaire aufgenommen wurde, zeigt französische Soldaten an Bord des Tankers der so genannten «Schattenflotte» Russlands.

Europa rüstet sich gegen die Bedrohung aus Russland. Neben einer gemeinsamen Drohnenabwehr geht Frankreich nun auch verstärkt gegen die russische Schattenflotte vor.

02.10.2025 | 1:54 min

Auf dem Gipfel von Hamburg diskutieren die Staats- und Regierungschefs der Nordsee-Anrainer das Thema Sicherheit auch mit Vertretern von EU und Nato. Denn europäische Zusammenarbeit und der Einsatz multinationaler Nato-Verbände hat in der Ostsee bereits Wirkung gezeigt. Ob und wie weit sie das auch auf der Nordsee tun können, das ist eine der Fragen - aber auch, wie man kritische Infrastruktur sicherer bauen kann.

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Infrastruktur: Störungen sollen nicht zum Ausfall führen

Da ist viel Potenzial, meint Johannes Rundfeldt von der AG KRITIS, die schon länger darauf drängt, kritische Infrastruktur stärker zu schützen.

Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht: Aber wir können Strukturen und Netze so bauen, dass eine einzelne Störung nicht zum Ausfall wird.

Johannes Rundfeldt, AG KRITIS

"Wenn immer eine zweite Leitung bereitsteht, dann sorgt uns ein Anschlag auf eine Leitung nicht, weil daraus kein Versorgungsausfall werden kann", sagt Rundfeldt. Er begrüßt eine stärkere europäische Vernetzung: "Tatsächlich stärkt uns das, denn unsere europäischen Partner können auch mithelfen, Versorgungsunterbrechungen zu verhindern, indem sie uns Leistungen zur Verfügung stellen, wie Energieeinspeisungen."

Titelbild mit 3D-Küste
Datenkabel unter Wasser, teilweise mit Betonhülle
Offshore-Windpark mit anfälligen Stromkonvertern
Gaspipeline und LNG_Terminal in 3D-Grafik

3D-Visualisierung der kritischen Infrastruktur am deutschen Küstenmeer

Die Nord- und Ostsee sind durchzogen von wichtigen Datenkabeln und Pipelines.

Quelle: Experteninterviews; SPW; ZDF-Illustration

Auch kleinere Wasserstoff-Anlagen sorgen für mehr Sicherheit

Der Wasserstoff-Hub in Hamburg wirkt klein im Vergleich zu dem riesigen Haufen Schutt des alten Kohlekraftwerks. Er produziert weniger Energie, und sie ist teurer als Öl oder Gas. Trotzdem meint Matthiesen, Wasserstoff sei die Zukunft, nicht nur aus Klimaschutz-, sondern auch aus Sicherheitsgründen. "Dezentrale Energieversorgung macht uns resilienter für etwaige Ausfälle. Insofern ist es wichtig, dass es viele dieser kleineren Wasserstoff-Anlagen gibt", sagt er. "Kleine Anlagen sind also Teil einer Strategie. Man muss sich mehr diversifizieren, um sowohl in der Produktion als auch im Verteilnetz resilienter zu sein."

Wasserstoff, aus Wind und Solar, ist noch lange nicht die günstigste Energievariante, gibt er zu. Aber Sicherheit, auch in der Energieversorgung, hat eben ihren Preis.

Über dieses Thema berichteten verschiedene Sendungen, etwa das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 26.01.2026 ab 05:30 Uhr und die Volle Kanne am 26.01.2026 ab 9 Uhr.

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