Speicher bei rund 40 Prozent:Gasvorräte schwinden: Woran es liegt
von Ralph Goldmann
Die Gasspeicher sind leer wie selten, aktuell liegt der Füllstand bei rund 40 Prozent. Grund zur Sorge bestehe nicht, beruhigt die Bundesnetzagentur. Doch ein Restrisiko bleibt.
Deutschlands Gasvorräte schwinden. Die Bundesnetzagentur sieht jedoch keinen Grund zur Panik.
22.01.2026 | 1:42 minDie Idee der alten Ampel-Regierung war eigentlich gut gedacht, aber - wie sich jetzt herausstellt - schlecht gemacht. Kurz nach dem russischen Angriffskrieg und der folgenden Gaskrise setzte die damalige Bundesregierung konkrete Ziele: die deutschen Gasspeicher müssten eigentlich jedes Jahr zum 1. Februar zu 30 bzw. 40 Prozent (bei bestimmten Speichern) gefüllt sein.
Rehden: Deutschlands größter Gasspeicher zu 11 Prozent gefüllt
Doch die Realität sieht derzeit anders aus. Die Vorgaben scheinen nicht zu halten. Deutschlands größter Gasspeicher im niedersächsischen Rehden ist nur noch zu rund 11 Prozent gefüllt. Insgesamt liegt Deutschland aktuell mit einem Gesamtfüllstand von etwa 40 Prozent hinter vielen anderen europäischen Ländern.
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Ein Grund ist vor allem der kalte Winter 2025/2026. Allerdings wurde hierzulande im Sommer auch kaum Gas eingekauft und eingespeichert, weil Anreize fehlten, kritisieren Energieversorger wie Stefan Dohler, Chef von EWE in Oldenburg, im Gespräch mit ZDFheute:
Die Instrumente funktionieren nicht. Darauf haben wir im letzten Jahr schon hingewiesen.
Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender EWE Oldenburg
Denn das geltende Energiewirtschaftsgesetz sieht zu viele Ausnahmen vor. Zudem existieren kaum Sanktionsmöglichkeiten, um Händler und Versorger zu zwingen, die Speicher entsprechend aufzufüllen.
Das Auffüllen blieb vor allem deshalb aus, weil es wirtschaftlich nicht attraktiv war. Denn die Gaspreise waren im Sommer ungewöhnlich hoch, sogar höher als im Winter.
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Bundesnetzagentur: Kein Grund zur Panik
Wären wir mit volleren Speichern in die Wintersaison gestartet, wäre die Situation insgesamt beruhigender gewesen.
Sprecher des Energiehändlers Uniper
Grund zur Sorge oder gar Panik gebe es aktuell aber nicht, sagt der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, gegenüber ZDFheute. Anders als vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine sei man längst nicht mehr nur von dem Gas abhängig, das in den Speichern lagert.
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An Nord- und Ostsee würden die vier LNG-Terminals regelmäßig und stabil beliefert. Neben dem Flüssigerdgas aus diesen Terminals komme zuverlässig auch Gas aus Norwegen, den Niederlanden oder Belgien.
Deutschland hat seine Hausaufgaben gemacht. Darum ist die Versorgungssicherheit aktuell gewährleistet.
Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur
Kalte Temperaturen und hoher Verbrauch lassen die Gasspeicher deutlich schneller schrumpfen als im Vorjahr. Die Versorgung gilt dennoch als gesichert, vor allem dank LNG-Importen.
09.01.2026 | 0:26 minLNG-Lieferungen aus USA: Spannungen mit Trump als Risiko
Allerdings gibt es ein Restrisiko: Der Großteil des Flüssigerdgases, das Deutschland importiert, kommt aus den USA. Sollten diese oder andere Lieferungen aufgrund geopolitischer Spannungen möglicherweise ausfallen, müsste sich Deutschland noch mehr von anderen Ländern helfen lassen. Stefan Dohler plädiert deshalb für eine nationale Gasreserve nach dem Vorbild einer nationalen Ölreserve. Die wirke wie eine Versicherung.
Ja, die kostet auch Geld, aber gleichzeitig schafft es Sicherheit, nach dem Modell Feuerwehr: es ist gut sie zu haben, auch wenn man sie nicht oft braucht.
Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender EWE Oldenburg
Die Bundesnetzagentur sei sich der aktuellen Situation bewusst, sagt Klaus Müller. Es sei "immer richtig zu fragen, ob man noch mehr tun" könne. Das müsse man aber nicht mit Panik, sondern mit "klarer Ernsthaftigkeit und mit guter Transparenz" tun. Die Kritik sei aber berechtigt. Gegenüber ZDFheute kündigte er Änderungen an der entsprechenden Verordnung an:
Das Bundeswirtschaftsministerium bereitet gerade Alternativen vor. Ich gehe davon aus, dass die auch zeitnah beraten werden.
Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur
Die durchschnittlichen Heizkosten sind im vergangenen Jahr deutlich angestiegen. Frank Bethmann analysiert, worauf sich Verbraucher einstellen müssen.
14.01.2026 | 1:15 minNach Beginn des Ukraine-Kriegs: Gasverbrauch steigt
Wie wichtig gut gefüllte Gasspeicher sind, zeigen auch aktuelle Zahlen der Bundesnetzagentur: 2023, im Jahr nach Beginn des Ukraine-Krieges, hatten Industrie und Privatkunden noch so wenig Gas verbraucht wie noch nie zuvor seit 20 Jahren. Seitdem steigt der Verbrauch Jahr für Jahr wieder leicht an. Klaus Müller mahnt deshalb:
Gas ist ein wertvolles Gut. Allein um den eigenen Geldbeutel zu schonen, ist ein sparsamer Umgang damit immer richtig.
Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur
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Ralph Goldmann berichtet aus dem ZDF-Studio in Düsseldorf.
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